Auf gut Schwäbisch
Sauerampfer ond Hemdverkürzer
Täglich neu: Landestypisches für Einheimische und Reigschmeckte
© Werner Kuhnle
Mostkrügle werden befüllt.
Von Jan Sellner
Die Most-Saison macht sich auch in unserer Mundartspalte bemerkbar. Ernst Kemmner aus, Kirchheim unter Teck erzählt uns dazu folgende schöne Geschichte: „In der Mitte des letzten Jahrhunderts war Ötlingen, ein Vorort von Kirchheim unter Teck, noch stark bäuerlich geprägt. Jede zweite Familie besaß ein ,Stückle' für Obst- und Gemüseanbau oder eine Streuobstwiese mit alten Sorten wie Berlepsch, Gewürzluiken oder Brettachern. Mehr als das Obst an sich interessierte so manchen Alt-Ötlinger jedoch das vergorene Endprodukt: ,dr Mooschd' (Most). Und jeder behauptete von sich, dass der eigene ,Hohenastheimer' doch viel besser schmecke, als der Most des Nachbarn, der bestenfalls das Prädikat ,Sauerampfer' oder ,Hemdverkürzer' verdiene.
Von einem Ötlinger mit Namen Heilig, der längst das Zeitliche gesegnet hat, gibt es eine dazu Anekdote. Er hatte den unheiligen Drang, zu tief ins (Moooschd-)Glas zu schauen. Dem Vernehmen nach pflegte er regelmäßig im eigenen rundgemauerten Mostkeller zu lustwandeln und sich am eigenen köstlichen Nass zu laben, versunken im Dialog mit seinen riesigen Mostfässern und deren Inhalt. Da sprach er dann: ,Du aber sei getrooscht, dei Erlöser lääbd!“
In der vergangenen Woche berichtete Elisabeth Schrempff aus Weinstadt über die harten Metzinger Weintrauben, die mithilfe eines Elefanten aus dem Wanderzirkus bearbeitet wurden. Dazu schreibt uns Hermann Kölle: „Das Thema ,Elefanten-Weinpresse' kenne ich in einer anderen Form: In Reutlingen konnten die Wengerter einen Zirkusdirektor dazu überreden, dass seine Elefanten mit ihren Füßen die Traubenernte pressten, also zertrampelten. Das Resultat waren wunde Füße bei den Elefanten. Nächste Station des Zirkus war Tübingen. Auch dort wurden sie zum Traubenpressen eingesetzt und das Resultat war, dass die Wunden sich zusammenzogen.“
Erika Wagner lässt uns wissen: „Ein guter Most heilt jeden Schmerz, er ist des Schwaben Perle. Wein erfreut des Menschen Herz, da Moschd da ganza Kerle.“
Der schwäbische Spruch des Tages kommt von E. Holocher aus Rottenburg: „Der hat scho als Kind koine Freund kätt. Dem hänn se a Schnitzl om da Hals rombonda, damit wenigschdenns d'Hond midam schbielad.“ Ein Beispiel dafür, dass Schwäbisch auch recht grob sein kann.
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