Antalya und Istanbul

Schlimmstes Türkei-Unwetter seit 1985

Tote, Verletzte und hohe Sachschäden in Urlaubsgebieten: Tausende Einsatzkräfte sind unterwegs, teilweise gelten Ausgangsbeschränkungen.

Fahrzeuge bleiben während starker Regenfälle auf einer teilweise überfluteten Straße in Istanbul liegen.

© Egecan Ozguner/AP/dpa

Fahrzeuge bleiben während starker Regenfälle auf einer teilweise überfluteten Straße in Istanbul liegen.

Von Michael Maier

Was als entspannter Herbsturlaub in Antalya oder City-Trip nach Istanbul geplant war, entwickelte sich für tausende Touristen in der Türkei zum Albtraum: Am Mittwoch entlud sich ein gewaltiges Unwetter über weiten Teilen des Landes und machte Straßen zu reißenden Strömen, Touristenattraktionen zu Seen und Flughäfen zu Chaos-Brennpunkten. Das schlimmste Starkregen-Ereignis seit 1985 traf die Millionenmetropole Istanbul ausgerechnet mitten in der Herbstferiensaison – und auch die Urlauberhochburg Antalya blieb nicht verschont.

Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten. Innerhalb weniger Stunden registrierte das Istanbuler Gouverneursbüro 1.277 Überflutungsvorfälle, 15 Erdrutsche und 47 Fälle von eingeschlossenen Personen. Rund 808 Wohnhäuser, 280 Geschäfte und 76 Fahrzeuge wurden beschädigt oder vollständig überflutet.

Zwei Unwettertote in Istanbul

Das Unwetter hat auch Menschenleben gefordert. Ein 14-jähriger Junge kam im historischen Stadtviertel Balat ums Leben, nachdem er in eine Pfütze getreten war und einen tödlichen Stromschlag erlitt. Ein zweiter Todesfall ereignete sich in Sariyer, wo ein 34-jähriger Mann beim Überqueren einer überschwemmten Straße das Gleichgewicht verlor, mit dem Kopf gegen einen Bordstein prallte und später im Krankenhaus starb.

Dramatische Szenen spielten sich in mehreren Stadtteilen ab. Im Viertel Ayazaga wurden rund 200 Nachtschichtarbeiter in ihren Arbeitsstätten eingeschlossen und mussten evakuiert werden. Anwohner bildeten Menschenketten und nutzten dabei Seile. Der historische Sadabad-Moschee-Bezirk wurde durch einen überlaufenden Bach geflutet. Auch der große Basar und der Gewürzbasar waren betroffen. Zwei Metrostationen standen zum Teil unter Wasser.

Was die Meteorologen vorhergesagt hatten, übertraf alle Erwartungen und erinnerte an einen Monsun in Indien: An der Messstation Beykoz-Ömerli auf der asiatischen Seite Istanbuls wurden knapp 194 Millimeter Niederschlag gemessen. Auf der europäischen Seite verzeichneten die Stationen in Sarıyer und Arnavutköy rund 125 Millimeter. Zum Vergleich: In Deutschland gilt Überschwemmungsgefahr, wenn innerhalb von 24 Stunden 40 bis 50 Millimeter fallen.

Überschwemmungen im Raum Antalya

Während Istanbul die Schlagzeilen dominierte, traf das Unwettersystem auch die türkische Riviera mit voller Wucht. In der Region rund um die Urlaubsmetropole Antalya entluden sich heftige Gewitter und Sturzregen, die das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen brachten. Besonders dramatisch war die Lage im Bezirk Demre, wo zahlreiche Fahrzeuge von den Fluten mitgerissen wurden, Häuser und Geschäfte unter Wasser standen und letztendlich 22 eingeschlossene Menschen von den Rettungskräften in Sicherheit gebracht werden mussten.

Im Bezirk Manavgat wütete ein Tornado und richtete schwere Schäden an. Mitten in der Innenstadt Antalyas brach das Dach eines Ladengeschäfts in einem Einkaufszentrum unter den Wassermassen ein. Auch am Flughafen Antalya spürten Reisende die Auswirkungen direkt: Acht Maschinen konnten aufgrund der Wetterbedingungen nicht abheben oder landen. In Istanbul mussten 43 Flugzeuge umgeleitet werden. Reisende berichteten von stundenlangen Wartezeiten, überfüllten Abflughallen und fehlenden Informationen durch die Fluggesellschaften.

Klimawandel-Konferenz in Antalya

Das schlechte Wetter soll nach aktuellen Prognosen bis zum 17. Oktober andauern. Wer in der zweiten Oktoberhälfte reist, kann nach derzeitigem Stand von stabileren Verhältnissen ausgehen.

Weniger als einen Monat nach den aktuellen Überschwemmungen soll die Türkei vom 9. bis 20. November 2026 indes die UN-Klimakonferenz COP31 in Antalya ausrichten. Experten der Weltbank hatten erst kürzlich darauf hingewiesen, dass das Land aufgrund seiner Geographie besonders anfällig für Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände sei.

Heftiger Starkregen in Istanbul.

© Omer Hamza Yildiz/Dia Photo/AP/dpa

Heftiger Starkregen in Istanbul.

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Erstellt:
15. Oktober 2026, 09:32 Uhr

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