Mario Voigt gibt auf
Thüringens Ministerpräsident kämpft nicht mehr um Doktor-Titel
Der Streit zwischen Thüringens Regierungschef Mario Voigt und der TU Chemnitz um die Aberkennung seines Doktor-Titels ist beendet: Der CDU-Politiker zieht seine Klage zurück.
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Mario Vogt bliebt Ministerpräsident, doch seinen Dr-Titel ist er los. Dass dies endgültig ist, hat der CDU-Politiker jetzt auch eingesehen.
Von Markus Brauer
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) hat in seinem Berufsleben schon viel erreicht. Er hat sogar promoviert: im Jahr 2008 zum Dr. phil. im Fach Politikwissenschaft an der TU- Chemnitz bei dem bekannten Politologen und Extremismus-Forscher Eckhard Jesse.
Mario Voigt will nicht mehr um seinen Dr. kämpfen
Doch Mitte August hatte die Technische Universität Chemnitz abschließend und endgültig entschieden: Mario Voigt darf sich nicht mehr Dr. phil. nennen. Der Widerspruch des CDU-Politikers gegen die Aberkennung des schmückenden Titels sei vom Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der TU Chemnitz zurückgewiesen worden, teilte ein Sprecher der Universität mit.
Voigts Anwalt erklärte postwendend, dass die universitäre Entscheidung nicht überraschend sei. „Nach rechtlicher Prüfung werden wir Klage erheben.“
Doch jetzt ist klar: Voigt kämpft nicht mehr um seinen wegen Plagiatsvorwürfen entzogenen Doktortitel. Als Regierungschef gehöre seine ganze Kraft, Energie und Aufmerksamkeit den Bürgern Thüringens, sagte Voigt am Mittwoch (7. Oktober) vor einer Landtagssitzung in Erfurt. Deswegen habe er sich „entschieden, den Rechtsstreit um meine Dissertation einzustellen“.
CDU-Politiker will sich auf Landeschef-Job konzentrieren
Nach Angaben seines Anwalts wird ihm vorgeworfen, er habe in seiner Doktorarbeit von ihm zitierte Quellen nicht im Original ausgewertet, sondern blind aus Sekundärliteratur übernommen. Der Entzug des Doktortitels sorgte in Thüringen für politische Verwerfungen. Die AfD versuchte seither zweimal, den Ministerpräsidenten deshalb zu stürzen.
Voigt sagte, der Verzicht auf weitere Klagen sei eine Entscheidung, die ihm nicht leichtfalle. Ein Rechtsstreit erfordere aber Zeit, Energie und Aufmerksamkeit und werde Jahre dauern. Diese Aufmerksamkeit und Energie wolle er Thüringen geben. „Ich möchte ohne irgendwelche Abstriche mich darauf konzentrieren, was vor uns liegt.“
Erste Vorwürfe kamen schon im Wahlkampf auf
Mario Voigt steht seit Monaten wegen der delikaten Angelegenheit unter Druck. Ihm wird vorgeworfen, in seiner Dissertation mit dem Titel „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf: George W. Bush gegen John F. Kerry“ aus dem Jahr 2008 unsauber gearbeitet zu haben. Die ersten Plagiatsvorwürfe waren kurz vor der Landtagswahl 2024 aufgekommen.
Generelle Gründe für den Entzug eines Dr.-Titels können nachträglich entdeckte Plagiate in der Doktorarbeit sein, aber auch gefälschte Daten oder Experimente sowie nachträgliche Mängel. Wenn sich etwa herausstellt, dass wesentliche Voraussetzungen für die Verleihung fehlten.
Als Voigt mit der CDU noch in der Opposition war und als Spitzenkandidat der Christdemokraten antrat, war schon nicht alles „koscher“ mit seinem Dr.. Die Christdemokraten witterten damals eine Schmutzkampagne im Wahlkampf. Nach der Wahl bildete Voigt eine Regierung aus CDU, BSW und SPD – die sogenannte Thüringer Brombeer-Koalition – und wurde am 12. Dezember 2024 im Erfurter Landtag zum Regierungschef gewählt.
Voigt hatte bei Bekanntwerden des Titelentzugs im Januar die Vorwürfe als „nicht nachvollziehbar“ bezeichnet und als Privatmensch ursprünglich eine Klage vor dem zuständigen Verwaltungsgericht angekündigt. Voigt erklärte stets, der „wissenschaftliche Kern“ seiner vor bald 20 Jahren eingereichten Arbeit sei unstrittig.
In der Diss. plagiiert bis zum Abwinken
Im Januar 2026 wurde dann bekannt, dass die TU Chemnitz nach einer langwierigen Prüfung zu der Entscheidung gekommen ist, Mario Voigt die Doktorwürde abzuerkennen. Er soll mutmaßlich rund 200 (+) Stellen in seiner Dissertation plagiiert haben. Schon damals kündigte Voigt an, sich gegen diese Entscheidung zu wehren – notfalls vor Gericht.
Ein selbst ernannter sogenannter Plagiatsjäger, der bereits mit Vorwürfen gegen mehrere Politiker für Schlagzeilen sorgte, hatte im Sommer 2024 die Vorwürfe gegen Voigt erhoben. Dieser war damals noch Spitzenkandidat der CDU für die spätere Landtagswahl in Thüringen. In seiner Doktorarbeit ging es um Präsidentschaftswahlkämpfe in den USA.
Oppositionelle AfD hält Druck aufrecht
Voigt führt in Thüringen eine Minderheitsregierung aus CDU, SPD und der BSW-Nachfolgepartei Thüringen Gerecht. Das Thüringer BSW zerfiel vor einigen Wochen im Streit mit der Bundesspitze der Partei um die Regierungsbeteiligung im Freistaat endgültig. Der Großteil der ehemaligen BSW-Abgeordneten im Landtag gründete die neue Partei „Thüringen gerecht“ und bildete eine Fraktion mit dem Namen.
Gerade die AfD mit ihrem Landespartei- und Fraktionschef Björn Höcke hielt den Druck auf Voigt mit mehreren Manövern im Landtag aufrecht. So beantragte die AfD-Fraktion bereits zwei konstruktive Misstrauensvoten, die beide scheiterten.
Auch ein dritter Versuch scheiterte am Mittwoch: ein Antrag zur Selbstauflösung des Landtags und damit Neuwahlen, den Fraktionschef Björn Höcke dem Parlament in Erfurt vorlegte, fand wie erwartet nicht die nötige Mehrheit. In einer Sondersitzung des Parlaments stimmten 34 Abgeordnete für die Selbstauflösung des Landtags und 52 dagegen. Nötig war eine Zweidrittelmehrheit. (mit dpa/AFP)
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AfD-Fraktionschef Björn Höcke in einer Sitzung des Thüringer Landtags am Rednerpult.
