Verpatzte Hinrichtung

Todeskandidatin Pike aus Klinik entlassen – 3000 Dollar Henkersgeld

Mörderin Christa Pike befindet sich wieder im Gefängnis, obwohl ihre Arme schwer verletzt sind. Ob es bleibende Schäden gibt, ist unklar.

Hinrichtungsraum in den USA – hier kommt es mitunter zu Torturen, die von Menschenrechtlern als Folter bezeichnet werden.

© Uncredited/U.S. DISTRICT COURT/dpa

Hinrichtungsraum in den USA – hier kommt es mitunter zu Torturen, die von Menschenrechtlern als Folter bezeichnet werden.

Die US-Todeskandidatin Christa Pike ist zehn Tage nach ihrer fehlgeschlagenen Hinrichtung zurück ins Gefängnis gebracht worden. Wie Pikes Anwälte am Samstag mitteilten, wurde die verurteilte Mörderin aus dem Krankenhaus entlassen und wird nun im Gefängnis weiter medizinisch versorgt. Sie bedanke sich bei den Ersthelfern und Ärzten für die Behandlung „unter diesen außergewöhnlichen Umständen“.

Die 50-jährige Pike hatte am Mittwoch vergangener Woche in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee zwei Injektionen mit dem normalerweise tödlichen Mittel Pentobarbital überlebt. Sie wurde daraufhin in eine Klinik gebracht und künstlich beatmet. Kurz bevor sie wegen mutmaßlichen Hirntods von den lebenserhaltenden Geräten getrennt wurde, wachte sie jedoch am Dienstag wieder auf.

Christa Pike befindet sich nun wieder im Gefängnis, obwohl ihre Arme schwer verletzt sind. Ob es bleibende Schäden gibt, ist unklar. Offenbar ist das Gift derart dilettantisch gespritzt worden, dass Nadeln nach Angaben der Anwälte schief aus den Venen hingen.

3000 Euro Henkersgeld in Tennesee

Entgegen dem hippokratischen Eid wirkt in den USA mitunter auch medizinisches Personal an solchen Torturen mit. Im Fall von Christa Pike soll der beauftragte Arzt laut „Guardian“ ein Henkersgeld von 3000 Dollar kassiert haben, in anderen Staaten sind es 15.000 bis 18.000 Dollar. Bereits im Mai soll unter seiner Mitwirkung auch die Hinrichtung des Mörders Tony Carruthers völlig aus dem Ruder gelaufen sein.

Dabei war sogar versucht worden, dem Häftling einen zentralen Venenkatheter zu legen, was chirurgisch nicht ganz trivial ist und zum Beispiel durchgeführt wird, um chemotherapeutische Krebsbehandlungen schonender verabreichen zu können. Hintergrund auch hier: die störrischen Adern im Arm von Todeskandidat Carruthers (57).

Pike war 1995 wegen des Mordes an ihrer 19-jährigen Klassenkameradin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Ihre Anwälte führten an, dass sie die Tat im Alter von nur 18 Jahren begangen und als Opfer langjährigen sexuellen Missbrauchs unter psychischen Problemen gelitten habe.

Livestream vom Erschießungskommando

Seit der fehlgeschlagenen Hinrichtung wird in den USA wieder intensiv über die Todesstrafe diskutiert. Befeuert wurde die Debatte durch die Ankündigung von Verteidigungsminister Pete Hegseth, die Exekution des Attentäters Nidal Hasan durch ein Erschießungskommando live zu übertragen.

Der frühere US-Armeepsychiater war 2013 zum Tode verurteilt worden, weil er auf dem Militärstützpunkt Fort Hood in Texas 13 Menschen erschossen und rund 30 weitere verletzt hatte. Der muslimische US-Bürger palästinensischer Herkunft feuerte nach eigenen Angaben 2009 auf seine Kameraden, weil diese in Afghanistan Krieg gegen andere Muslime führten. Seit der Tat sitzt Hasan wegen einer Wirbelsäulenverletzung im Rollstuhl. Hingerichtet werden soll er am 3. Dezember in Fort Hood.

Erneuter Hinrichtungstermin für Pike?

Pike hatte 1995 im Alter von 18 Jahren aus Eifersucht eine Kameradin mit satanistischen Ritualen getötet. Ihre Zukunft war zunächst weiter ungewiss. Der stellvertretende Generalstaatsanwalt von Tennessee, John Ayers, hatte am Mittwoch erklärt, er könne nicht sagen, ob der Bundesstaat erneut versuchen werde, Pike hinzurichten.

Gouverneur Bill Lee hat eine Untersuchungskommission eingesetzt. Im laufenden Jahr werde der Bundesstaat keine Hinrichtungen mehr vornehmen. Pikes Anwälte und Geistliche fordern, Lee müsse das Todesurteil aufheben.

Mit Agenturen: epd/afp/mic

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Erstellt:
11. Oktober 2026, 09:38 Uhr

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