Börse
Warum fallen Aktien und Kryptowährungen?
An den Finanzmärkten herrscht Ausverkaufsstimmung. Technologieaktien brechen ein, Bitcoin und andere Kryptowährungen verlieren deutlich an Wert. Was ist hier los?
© Seth Wenig/AP/dpa
An der Börse geht es gerade abwärts.
Von Lukas Böhl
Die amerikanischen Aktienmärkte erlebten am Donnerstag, 5. November 2026, einen ihrer schwärzesten Handelstage seit Monaten. Der technologielastige Nasdaq Composite verlor 5,5 Prozent, der breite S&P 500 gab um 4,4 Prozent nach. Besonders hart traf es die Halbleiterbranche: Der Philadelphia Semiconductor Index brach um 12,2 Prozent ein. Auch die internationalen Börsen gerieten unter Druck.
Sorge um den KI-Boom
Ein wesentlicher Auslöser sind die Zwischenwahlen in den USA. Nach dem Wahlerfolg der Demokraten befürchten Investoren strengere Vorschriften für den Bau neuer Rechenzentren. Diese sind entscheidend für die Entwicklung künstlicher Intelligenz.
Unternehmen wie Nvidia, AMD und zahlreiche Zulieferer haben in den vergangenen Jahren stark vom KI-Boom profitiert. Nun wächst die Sorge, dass der Ausbau der Infrastruktur langsamer voranschreiten könnte als erwartet.
Hinzu kommen Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der enormen Investitionen. Technologiekonzerne geben Milliarden für Chips, Rechenzentren und Stromversorgung aus. Ob sich diese Ausgaben langfristig auszahlen, ist jedoch ungewiss.
Die hohen Bewertungen vieler Technologieaktien machen den Markt zusätzlich anfällig für Kurskorrekturen.
Warum verliert auch Bitcoin?
Der Ausverkauf beschränkt sich nicht auf Aktien. Auch Kryptowährungen geraten unter Druck. Bitcoin fiel zeitweise in Richtung 75.000 US-Dollar, Ethereum verlor ebenfalls deutlich.
Obwohl Bitcoin häufig als digitales Gold bezeichnet wird, verhält sich die Kryptowährung in Phasen großer Unsicherheit oft eher wie eine risikoreiche Technologieanlage.
Wenn Anleger ihre Risiken reduzieren wollen, verkaufen sie deshalb nicht nur Aktien, sondern häufig auch Kryptowährungen.
Hinzu kommt ein besonderer Mechanismus des Kryptomarktes: Viele Investoren handeln mit geliehenem Kapital und setzen auf steigende Kurse. Fallen die Preise stark genug, werden solche Positionen automatisch aufgelöst. Diese sogenannten Liquidationen erzeugen zusätzlichen Verkaufsdruck und können den Kursrutsch verstärken.
Laut dem Fachmedium CoinDesk wurden innerhalb kurzer Zeit gehebelte Kryptopositionen im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar liquidiert.
Unsicherheit verstärkt die Verluste
Neben den politischen Entwicklungen spielen die hohen Finanzierungskosten und die allgemeine Nervosität eine Rolle. Anleger hinterfragen zunehmend, ob die Erwartungen an das Wachstum der Technologiebranche zu optimistisch waren.
Steigende Unsicherheit kann einen Kreislauf auslösen: Sinkende Kurse führen zu Verkäufen, diese drücken die Preise weiter und verunsichern zusätzliche Investoren.
Dabei ist wichtig: Nicht jeder Kursrückgang bedeutet, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten aller betroffenen Unternehmen verschlechtert haben. Gerade bei starken Marktbewegungen spielen auch kurzfristige Handelsstrategien und psychologische Faktoren eine erhebliche Rolle.
