„Sardflation“

Warum gibt es bei Aldi, Lidl & Co. keine Sardinen?

Um die Sardine tobt ein Hype als gesundes „Superfood“ – aber auch am Fisch-Nachschub mangelt es im Supermarktregal teilweise.

Sardinenfang in Südafrika.

© RAJESH JANTILAL/afp

Sardinenfang in Südafrika.

Von Michael Maier

Wer in den letzten Wochen vor dem Fischkonservenregal bei Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka stand, hat sich vermutlich verwundert die Augen gerieben. Wo sich früher die handlichen, bunten Dosen mit Sardinen in Sonnenblumenöl, Tomatensoße oder Chili stapelten, herrscht gähnende Leere. Die kleine Silberfischkonserve, jahrzehntelang der Inbegriff des günstigen und unkomplizierten Vorratsklassikers, ist plötzlich zur Mangelware geworden. Was steckt hinter dem plötzlichen Sardinenmangel?

Leere Sardinen-Regale bei Lidl, Aldi & Co.

Leere Regale bei Discountern und Supermärkten

Die Ausfälle sind kein lokales Logistikproblem, sondern betreffen den gesamten Lebensmittelhandel:

  • Aldi Nord räumt ein, dass die Verfügbarkeit aufgrund schwieriger Fangbedingungen stark eingeschränkt sei.
  • Rewe spricht von einer europaweit angespannten Rohwarensituation, die sowohl Eigenmarken als auch Markenhersteller treffe.
  • Auch Lidl, Kaufland und Lieferdienste wie Picnic melden punktuelle Ausfälle und Lieferverzögerungen.

Während Hering oder Thunfisch meist noch problemlos zu haben sind, ist die Sardine vielerorts komplett vergriffen. Wo noch Dosen auftauchen, sind die Preise drastisch gestiegen oder günstige Eigenmarken wurden zum Teil durch teurere Feinkostvarianten ersetzt.

Klimawandel führt zu Sardinenmangel

Dass die Sardine knapp wird, liegt an einem Zusammentreffen mehrerer Faktoren. Der mit Abstand wichtigste Lieferant für den europäischen Sardinenmarkt sind Marokko sowie das Küstengebiet der Westsahara. Doch die Bestände sind in den letzten Jahren dramatisch eingebrochen. Wurden 2022 in Marokko noch rund 965.000 Tonnen Sardinen angelandet, waren es 2024 nur noch etwa 525.000 Tonnen, was einem Rückgang um fast die Hälfte entspricht. Die Gründe dafür sind steigende Wassertemperaturen durch den Klimawandel, veränderte Meeresströmungen und ein jahrelanger hoher Befischungsdruck.

Um die eigenen Fischbestände zu schonen und vor allem die Versorgung der heimischen Bevölkerung sicherzustellen, hat die marokkanische Regierung restriktive Fangquoten verhängt und die Exporte von gefrorenen Sardinen drastisch eingeschränkt. Den europäischen Konservenfabriken in Ländern wie Spanien und Portugal fehlt schlichtweg der günstig importierte Rohfisch.

Fitness-Trend um Sardine als „Superfood“

Ausgerechnet in Zeiten sinkender Fangmengen explodierte dann weltweit die Nachfrage. Auf Plattformen wie TikTok und Instagram machten Trends wie SardineGirlSummer oder SardinenMaxxing die Runde. Sardinen wurden von Fitness- und Food-Influencern als das ultimative Superfood gefeiert: vollgepackt mit Omega‑3-Fettsäuren, Eiweiß und Vitamin D, dazu weniger mit Schwermetallen belastet als große Raubfische wie Thunfisch. Sardinen landeten plötzlich in stylishen Bowls, auf Avocado-Toast und Hüttenkäse, wodurch die Nachfrage sprunghaft anstieg.

„Sardflation“ im Supermarkt

Das Aufeinandertreffen von sinkendem Angebot und wachsender Nachfrage führt zum Phänomen der „Sardflation“ – eine Wortschöpfung von „Business Insider“: Aus dem einstigen Arme-Leute-Essen und Notvorrat entwickelt sich die Dosensardine zunehmend zum hochpreisigen Feinkostprodukt.

Eine schnelle Entspannung im Discounterregal ist vorerst nicht in Sicht. Wer aktuell auf der Suche nach gesunden Meeresproteinen ist, muss sich wohl vorübergehend nach Alternativen umsehen: Hering, Makrele oder heimische Süßwasserfische bieten ähnliche Nährwerte und sind derzeit noch gut zu bekommen.

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Erstellt:
3. September 2026, 14:48 Uhr

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