US-Wahlrecht

Warum in den USA seit 1845 an einem Dienstag gewählt wird

Kirchgang, Markttag und lange Wege mit der Pferdekutsche: Die Gründe für den amerikanischen Wahltag stammen aus einer anderen Zeit. Warum sich bis heute kaum etwas geändert hat.

Polling Center in Los Angeles.

© IMAGO/Omar Alonso

Polling Center in Los Angeles.

Von Michael Maier

Wer sich darüber wundert, dass Wahlen in den USA traditionell mitten unter der Woche stattfinden – und nicht etwa an einem Sonntag – bekommt die Antwort im Geschichtsbuch. Der Grund liegt im Amerika des 19. Jahrhunderts, genauer gesagt im Election Day Law von 1845.

Damals war die US-Bevölkerung überwiegend ländlich geprägt. Um den Bürgern die Stimmabgabe zu ermöglichen, brauchte es ein System, das zu den damaligen Lebensrealitäten passte. Und das sah so aus:

  • Der Kirchgang: Der Sonntag schied aus, da er für die allermeisten Amerikaner dem Kirchgang und der „heiligen Ruhe“ vorbehalten war.
  • Der Markttag: Der Mittwoch war in vielen Regionen traditionell der Tag, an dem Bauern ihre Waren auf dem Markt verkauften. Also fiel auch dieser Tag weg.
  • Der Weg zum Wahllokal: Da viele Wähler tagelang mit Pferd und Kutsche zum nächsten Wahllokal reisen mussten, brauchten sie einen Tag, an dem sie losziehen konnten, ohne den Sonntag zu beeinträchtigen. Der Montag schied damit ebenfalls aus.

Blieb also der Dienstag. Das Parlament legte den Wahltag auf den Dienstag nach dem ersten Montag im November fest. Der November eignete sich besonders, weil zu dieser Zeit die Ernte eingebracht war und der harte Winter noch nicht begonnen hatte.

Änderung durch Weekend Voting Act?

Aber warum wird in den USA immer noch dienstags gewählt? Ganz einfach: Tradition und Verfassungsträgheit. Was einmal mühsam in Stein gemeißelt ist, ändert man in den USA nicht so schnell – noch nicht einmal der disruptive Donald Trump.

Dabei steht das System seit Jahren massiv in der Kritik. Kritiker argumentieren, dass ein Dienstag mitten in der Arbeitswoche modernen Anforderungen spottet. Berufstätige, Eltern und Menschen mit niedrigen Einkommen haben oft Schwierigkeiten, sich während der Arbeitszeit freizunehmen. Im internationalen Vergleich der Demokratien liegen die USA bei der Wahlbeteiligung denn auch oft im hinteren Mittelfeld.

Early Voting und Mail-in-Voting

Seit Jahren gibt es deswegen immer wieder Initiativen wie den Weekend Voting Act, der vorschlägt, die Wahl auf ein Wochenende zu verlegen oder den Wahltag sogar zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen. Bislang scheiterten diese Versuche jedoch am politischen Willen und an föderalen Hürden.

Trotzdem hat sich durch die Hintertür einiges getan: Vorzeitiges Wählen (Early Voting) und Briefwahl (Mail-in Voting) werden immer beliebter und verwässern den klassischen „Dienstag“ längst zu einer wochenlangen Wahlphase. Selbst der erklärte Briefwahl-Gegner Donald Trump hat dieses Jahr laut Medienberichten von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Nicht alles in den USA ist eben logisch, vieles auch einfach nur Show.

Kongressgebäude in Washington DC.

© IMAGO/Douliery Olivier/ABACA

Kongressgebäude in Washington DC.

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Erstellt:
3. November 2026, 10:58 Uhr

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