Schlachten verlieren, den Krieg gewinnen
Was Friedrich Merz von Friedrich II., dem Großen, lernen kann
Zwei Friedriche, zwei Staatenlenker, zwei Niederlagen: Der eine erlebte am 14. August 1759 bei Kunersdorf seine größte Niederlage, der andere am 6. September 2026 in Sachsen-Anhalt. Nicht wie man verliert, ist entscheidend, sondern was man aus Niederlagen lernt, um am Ende zu siegen. Was kann Friedrich Merz - der von sich selbst sagt, er sei „ein lernfähiges System“ - von Preußens König Friedrich II., dem Großen, lernen?
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Friedrich Merz bei der Pressekonferenz am 7. September 2026 im Konrad Adenauer Haus in Berlin: Es ist der Tag nach der bisher schwersten Niederlage seiner Kanzlerschaft.
Von Markus Brauer
Wie geht es Friedrich Merz? Das wird wohl nur er selbst und seine Ehefrau Charlotte en concretissimo wissen. Unmittelbar nach der bisher größten Niederlage seiner Kanzlerschaft am 6. September 2026 rang der Kanzler sichtlich um Fassung. Sachsen-Anhalt ist verloren. Bald auch ganz Deutschland? Wie verzweifelt ist Fridericus Merz? Sieht er das Ende seiner Regentschaft nahen? Oder verheißt ein schwaches Licht am fernen Horizont die Rettung?
„Es ist alles verloren“
Vor 267 Jahren war schon einmal ein anderer Friedrich dem Ende ganz nahe. Damals, am 14. August 1759, schrieb Fridericus Rex (1712-1786) einen verzweifelten Brief an seinen Kabinettsminister Karl Wilhelm von Finckenstein in Berlin: „Es ist alles verloren. Ich überlebe den Untergang meines Vaterlandes nicht. Adieu für immer.“
Der preußische König Friedrich II., den sie später den Großen nennen sollten, verfiel angesichts seiner katastrophalen Niederlage in der Schlacht bei Kunersdorf im Siebenjährigen Krieg am 12. August 1759 gegen eine russisch-kaiserliche Armee in tiefe Depression.
Die Verluste seiner Armee beliefen sich auf über 19.000 Mann, darunter 6179 Tote - mehr als 40 Prozent seiner Soldaten. Nach Friedrichs Ansicht wäre der Krieg mit dem Verlust der preußischen Hauptstadt Berlin verloren gewesen.
Schon droht die nächste Niederlage
267 Jahre später, am 20. September 2026, droht wieder der Verlust Berlins. Nur steht statt der preußischen Armee heute die CDU unter schwerem Beschuss. Ihre geschlossenen Reihen brechen, Defätismus macht sich breit, die eiserne Disziplin ist ins Wanken geraten. Fällt die Hauptstadt in die Hand linker Okkupanten dräut das Ende von Fridericus Merz aus dem Hause Brilon im Sauerland.
„Das Mirakel des Hauses Brandenburg“
Vor 267 Jahren, am 1. September 1759, meldete Friedrich seinem Bruder Prinz Friedrich Heinrich Ludwig von Preußen in einem Brief die Rettung vor der drohenden Niederlage. „Ich verkündige Ihnen das Mirakel des Hauses Brandenburg. In der Zeit, da der Feind die Oder überschritten hatte und eine zweite Schlacht hätte wagen und den Krieg beendigen können, ist er von Müllrose nach Lieberose marschiert.“
Wird es ein „Mirakel des Hauses Brilon“ geben?
Wird es auch ein „Mirakel des Hauses Brilon“ geben? Merz' Lage ist ähnlich hoffnungslos wie die seines großen Namensvetters. Doch eine Rettung, ein Wunder gar, ist diesmal nirgendwo nicht in Sicht. Niederlage reiht sich an Niederlage:
- Nur noch 14 Prozent der Bundesbürger halten ihn noch für den richtigen Kanzler.
- 78 Prozent tun das nicht, wie das Meinungsforschungsinstituts Insa erfragt hat. Selbst eine Mehrheit seiner getreuen Unionswähler lehnt ihn ab.
- Sein Hauptgegner, die AfD, kommt in der neuesten Umfrage auf 29 Prozent - ein Plus von einem Punkt gegenüber der Vorwoche. Merz' Union verharrt bei 20 Prozent und liegt damit neun Punkte zurück.
- Seine Koalitionäre von der SPD landen bei 13 Prozent.
Der bayuwarische Verbündete steht hinter dem Kanzler
Zumindest sein bajuwarischer Verbündeter stärkt Merz den Rücken. CSU-Chef Markus Söder tritt Spekulationen und Gerüchten über einen möglichen Wechsel des Kanzlers entgegen. „Egal, wer jetzt sofort einrücken würde, wenn man die Alternativen durchspielt, der käme erst einmal mit den gleichen Problemen raus - mit einer SPD, die sich mit Reformen schwertut“, konstatiert der bayerische Ministerpräsident.
Der Sauerländer sei der richtige Mann, um das Land zu führen: „Er steht zu den Reformen.“ Zu Gerüchten, dass die Landesherren der CDU ihn nach den Wahlen am kommenden Sonntag zum Rücktritt auffordern könnten, sagt Söder: „Natürlich ist es so, dass über Parteien und über Personen geredet wird.“
Von der CSU werde es „auf keinen Fall“ einen Kanzlersturz geben. Und was ist mit der CDU? „Für die CDU bin ich nicht zuständig, da bin ich nicht der Vorsitzende“, ergänzt der CSU-Chef.
In der größten Niederlage steckt der Keim zum Sieg
Vor 267 Jahren, im Laufe des Septembers 1759, hatte Fridericus Rex seine versprengte Armee wieder auf 33.000 Mann gebracht und eine Riegelstellung bei Fürstenwalde im Osten Brandenburgs eingenommen. Russen und Österreicher, die am 16. August über die Oder gegangen waren, zogen am 31. August 1759 in Richtung Schlesien und nach Sachsen ab. Somit zog die größte Niederlage der preußischen Armee im Siebenjährigen Krieg keine Kriegsentscheidung nach sich.
Fünf Jahre später, ein Jahr nach dem Ende Siebenjährigen Krieges 1763, verfasste Friedrich II. seine historischen Rückblicke und Darstellungen der militärischen Ereignisse in seinen „Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Siebenjährigen Krieges“, in denen er die taktischen Fehler und den Verlauf der Schlacht bei Kunersdorf genau analysierte.
„Aufgeben ist für mich keine Option“
267 Jahre später hofft Markus Söder, dass die schwarz-rote Koalition wie geplant bis 2029 halten werde. Spätestens am 25. März 2029 findet die Wahl zum 22. Deutschen Bundestag statt. Die Kampagne gegen Merz sei „schon brutal“, so Söder.
Der CDU-Vorsitzende selbst sieht trotz des jüngsten Wahldebakels und historisch schlechter persönlicher Beliebtheitswerte keinen Grund hinzuwerfen: „Aufgeben ist für mich keine Option“, betonte Merz am Tag nach der Sachsen-Anhalt-Wahl.
In der Tat: Seine schnelle Ablösung ist tatsächlich unwahrscheinlich. Ein aussichtsreicher Gegenkandidat ist in der Union nicht in Sicht und die rechtlichen Hürden für Neuwahlen sind hoch.
Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Fridericus Merz
Wenn alles so mirakulös wie bei Fridericus Rex laufen sollte, wird Fridericus Merz im Jahr 2033 seine Memoiren vorlegen. In den Lebenserinnerungen an ein bewegtes Leben kann er dann auch seine taktischen Fehler und den Verlauf der „Schlacht“ um Sachsen-Anhalt genau analysieren.
„Ich bin ein lernfähiges System“, hatte der Kanzler am 15. Juli 2026 in der Bundespressekonferenz (BPK) in Berlin erklärt. Auf die Nachfrage eines ZDF-Journalisten, welcher Moment denn der schwächste seiner bisherigen Amtszeit gewesen sei, wich der 70-jährige Sauerländer allerdings aus: „Darüber müsste ich länger nachdenken.“
Bis zu seinen Memoiren bleibt Friedrich Merz hinsichtlich Selbstkritik und Selbsteinschätzung noch viel Luft nach oben. Hoffentlich hat er einen langen Atem.
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Sieht Merz das Ende seiner Kanzlerschaft nahen oder erkennt er ein schwaches Licht am Horizont, das Rettung verheißt? (Archivfoto)
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„Es ist alles verloren“: Der preußische König Friedrich II. nach der Schlacht von Kunersdorf am 12. August 1759.
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Kanzler Friedrich Merz (li.) und Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, aufgenommen im Rahmen einer Pressekonferenz als Reaktion auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 7. September 2026.
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Wie geht es Friedrich Merz nach der krachenden Niederlage in Sachsen-Anhalt und vor den Urnengängen in Berlin und Meckelneburg-Vorpommern?
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„Friedrich. Wir stehen hinter Dir. Dein Markus!" - Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern und CSU- Vorsitzender, will dem Kanzler nicht in den Rücken fallen.
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Das Reiterstandbild Friedrichs des Großen vor dem Humboldt Forum auf dem Schlossplatz in Berlin-Mitte. Das Denkmal erinnert an den preußischen König Friedrich II., der von 1740 bis 1786 regierte.
