Leben mit dem Klimawandel

Wetterdienst warnt: Das war einer der bisher wärmsten Sommer

Besonders die Hitzewelle Ende Juni hat in Deutschland neue Dimensionen erreicht. Der Deutsche Wetterdienst sagt: Der Klimawandel hat dabei eine Rolle gespielt.

Wassertreten wie bei Kaltwassertherapeut Sebastian Kneipp wie hier in Freiburg mag kurzzeitig helfen, ein Allheilmittel gegen die Folgen des Klimawandels ist es aber nicht.

© Patrick Seeger/dpa

Wassertreten wie bei Kaltwassertherapeut Sebastian Kneipp wie hier in Freiburg mag kurzzeitig helfen, ein Allheilmittel gegen die Folgen des Klimawandels ist es aber nicht.

Von Markus Brauer

Nach einer vorläufigen Auswertung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach ist der diesjährige Sommer einer der wärmsten seit Beginn flächendeckender Messungen gewesen. Weitere Details gibt der DWD am Montag (31. August) in seiner Sommer-Bilanz bekannt.

Hitzewelle ohne Klimawandel unmöglich

„Auffällig und außergewöhnlich waren insbesondere die Extreme: Die Hitzewelle Ende Juni erreichte in Ausmaß und Folgen Dimensionen, wie sie in Deutschland bislang nicht beobachtet wurden“ eißt es in der Analyse. Die Temperaturen lagen zeitweise deutlich über 40 Grad, tropische Nächte brachten auch nachts kaum Abkühlung.

„Eine DWD-Attributionsstudie zur Hitzewelle Ende Juni 2026 ergab: Ohne den Klimawandel wäre eine Hitzewelle dieses Ausmaßes statistisch unmöglich gewesen.“ Mit Attributionsstudien lässt sich abschätzen, inwieweit der vom Menschen verursachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und Intensität individueller Wetter- oder Klimaextreme verändert hat.

Der Sommer war nach vorläufigen Angaben zudem sehr trocken, besonders im Westen und Südwesten Deutschlands. „Bei den Sonnenstunden dürfte sich der Sommer 2026 unter den Sonnenschein-reichsten seit Beginn der Aufzeichnungen einreihen.“

Mehr als 15.000 Hitze-Tote in Deutschland

  • Das Wetter hatte tödliche Folgen: In diesem Jahr sind in Deutschland nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) bis Mitte August etwa 15.800 Menschen durch Hitze gestorben.
  • 9600 dieser Todesfälle entfielen auf die Extremhitze Ende Juni, wie es im letzten Wochenbericht heißt.
  • Weitere 4000 Sterbefälle seien auf die hohen Temperaturen in den ersten zwei Augustwochen zurückzuführen. Der Bericht betrachtet den Zeitraum vom 6. April bis zum 16. August.

In diesem Jahr sind damit wesentlich mehr Menschen an Hitze gestorben als in den vergangenen mindestens zehn Jahren. Laut RKI handelt es sich um konservative Schätzungen. Die Zahl könne sogar noch höher liegen. Der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, hatte erklärt, viele Fälle würden nicht als hitzebedingt erfasst, weil auf Totenscheinen etwa Organversagen stehe.

Auch die Psyche leidet

Hannah Wallis, Professorin an der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Magdeburg, forscht zum Zusammenhang von Hitze und psychischer Gesundheit. Sowohl 2025 als auch 2026 habe sie Menschen an Tagen mit mehr als 25 Grad zu ihren psychischen und körperlichen Belastungen befragt und das mit Daten des Deutschen Wetterdienstes abgeglichen.

Zu den Ergebnissen der ersten Studie im vergangenen Jahr sagt sie: „Je heißer es wird, desto mehr depressive und körperliche Symptome berichteten die Teilnehmer.“ Das sei nicht für jeden direkt spürbar. „Es kann sein, dass das ein leichtes, depressives, ängstliches Symptom ist.“

Besonders wichtig sei die Erkenntnis: Menschen, die ohnehin schon psychisch vorbelastet waren, haben bei steigenden Temperaturen deutlich mehr ängstliche und depressive Symptome berichtet als Menschen ohne solche Vorbelastungen.

Waldbrände, Probleme bei Schiffen

In der Eifel kam es im August im Hürtgenwald zu einem einwöchigen Großbrand. Häuser wurden evakuiert, Menschen mussten einen Ortsteil verlassen. Auch im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn nahe der deutschen Grenze brach ein Großbrand aus.

Wegen anhaltender Trockenheit und ausbleibendem Regen gingen die Pegelstände am Rhein zeitweise sehr stark zurück. Güterschiffe konnten zeitweise gar nicht mehr oder nur leer fahren. Außerdem verkehrten zahlreiche Fähren nicht mehr.

Konsequenzen der Bundesregierung?

Bestehende Programme zum Klimaschutz sollten geprüft und besser verzahnt, Hürden für Anträge und Befristungen abgebaut und alles transparenter gestaltet werden,  erklärt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Man wolle wissen, wo die Länder Geld vom Bund investieren.

„Wir werden außerdem aus dem Hitzesommer 2026 Lehren ziehen und konkrete Hilfen prüfen müssen. Das betrifft vor allem die Vorsorge für Waldbrände, die Ausstattung der Feuerwehren und der weiteren Hilfsorganisationen, die bemerkenswerte Arbeit geleistet haben in diesem Sommer“, sagte Merz. Es gehe auch um Gesundheitsprävention, die Folgen für den Verkehr sowie Land- und Forstwirtschaft. (mit dpa-Agenturmaterial)

Frankfurt am Main: Eine Gruppe joggt bei Sonnenaufgang über den Eisernen Steg.

© Andreas Arnold/dpa

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Am Bodensee werden täglich neue Minimalwerte für den jeweiligen Tag gemessen.

© Felix Kästle/dpa

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Erstellt:
31. August 2026, 16:02 Uhr

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