Polizei stoppt Tesla-Panzer
Wie ein Cybertruck legal auf eine bayerische Autobahn kam
Elon Musks Cybertruck ist ein Sicherheitsrisiko auf Rädern, hat keine EU-Zulassung und fuhr doch legal in Bayern herum. Wie das möglich ist – und warum der Fahrer trotzdem gestoppt wurde.
© Verkehrspolizei Hohenbrunn
Dieser Cybertruck wurde von der Autobahnpolizei auf der A99 Autobahn gestoppt.
Von Roland Müller
Der Cybertruck von Tesla ist eine seltene Monstrosität auf deutschen Straßen: Mit bis zu 4,2 Tonnen Gewicht, einem Design wie aus einem dystopischen Science-Fiction-Film und der Ausstrahlung eines Panzerwagens ist der Elektro-Koloss aus dem Hause Elon Musks auch Provokation auf Rädern und ein Statement. Der von Pannen geplagte futuristische Pritschenwagen gilt dabei auch als eines der unvernünftigsten Vehikel, das man sich kaufen kann – und wird angesichts mickriger Verkaufszahlen in der Branche auch als einer der größten Flops der Automobilgeschichte bezeichnet.
Auf deutschen Straßen ist der Cybertruck vor allem ein Sicherheitsrisiko – der Pick-up verstößt gleich gegen mehrere EU‑Sicherheitsvorschriften. Unter anderem wegen scharfer Kanten und mangelhaften Fußgängerschutzes haben Deutschland und die EU dem Gefährt die Typgenehmigung verwehrt, was eine Zulassung innerhalb der EU eigentlich unmöglich macht. Wie gesagt: eigentlich.
50-jähriger Schwede ohne Lkw-Führerschein unterwegs
Dennoch hat die Autobahnpolizei Hohenbrunn bei Vaterstetten in Oberbayern nun eine Begegnung der futuristischen Art gehabt. Am frühen Sonntagmorgen stoppten die Beamten auf der A99 einen Cybertruck, der offenbar eine Zulassung in Polen erhalten hatte, wie unter anderem der Bayerische Rundfunk unter Bezugnahme auf die Autobahnpolizei berichtete. Am Steuer des Wagens saß demnach ein 50-jähriger Schwede.
An der polnischen Zulassung war dabei offenbar nicht zu rütteln. Dennoch durfte der findige Tesla-Fan aus Skandinavien nicht weiterfahren: Ihm fehlte der nötige Lkw-Führerschein, den man so oder so braucht, um den Elektro-Koloss in Deutschland zu fahren. „Für den Cybertruck ist die Klasse C1 für kleine Lkw nötig“, sagte ein Polizeibeamter der „tz“. Der Führerschein der Klasse B erlaubt nur das Fahren mit Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen.
Wie der Schwede in Polen eine Zulassung erhalten hat, ist dabei unklar. Innerhalb der EU sind nur wenige Einzel-Fahrzeuge bekannt, in Deutschland werden Cybertrucks nur sehr selten gesichtet – und wenn, sorgt das direkt für erhebliches Aufsehen. Experten gehen davon aus, dass Enthusiasten mit erheblichem Aufwand die rechtlichen Hürden überwinden, indem sie kostspielige Einzelzulassungen bei den Behörden erreichen – und ihr Tesla-Gefährt kurzerhand als Lkw zulassen. Das soll etwa zwei Vorreitern in Polen und Tschechien gelungen sein.
Dafür müssen die Fahrzeuge allerdings stark angepasst werden, um die gravierenden Sicherheitsmängel einigermaßen zu beheben. Nicht umsonst attestiert der ADAC dem Tesla-Gefährt den „Fußgängerschutz einer Planierraupe“.
