Forscher finden Saurierblut
Wird nun der „Jurassic Park“ Wirklichkeit?
In einem Tier, das vor 115 Millionen Jahren gestorben ist, werden Teile von Blut entdeckt. Das gilt als wissenschaftliche Sensation.
© IMAGO/Matias Basualdo
Dinos werden bei Protesten in Frankfurt als Symbol für Altes und Überkommenes genutzt.
Von Christian Gottschalk
Als der Film Jurassic Park 1993 in die Kinos kam, da war das alles noch ein gutes Stück weit Zukunftsmusik. Ein Milliardär baut einen Freizeitpark mit wiederbelebten Dinosauriern, die mit Gentechnik aus fossiler DNA geschaffen wurde. Heute gibt es Forschung, die diesem Ziel in der Tat näherkommen will. Und es gibt einen neuen Fund, der zumindest auf längere Sicht dazu beitragen könnte.
Wie das geschehen konnte ist unklar
Wissenschaftler glauben winzige Überreste roter Blutkörperchen entdeckt zu haben, die in den Knochen eines Dinosauriers überdauert hat. Das Tier ist vor rund 115 Millionen Jahren gestorben. Wie das geschehen konnte, ist noch nicht klar. Der entsprechende Bericht erschien in der US-amerikanischen Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Die gilt als hoch seriös.
Der Fund sei eine „weltweite Premiere“, so die Hauptautorin Kliti Grice von der Curtin University in Westaustralien. So etwas sei noch nie zuvor in einem Fossil entdeckt worden, schon gar nicht in dem eines Dinosauriers, so Grice gegenüber der britischen Zeitung Guardian. Die fossilisierten roten Blutkörperchen wurden in den Hinterbeinknochen eines fleischfressenden Exemplars namens Aratasaurus gefunden, der einst in dem Gebiet lebte, das heute den Nordosten Brasiliens bildet. Seit seiner Entdeckung in einer Mine im Jahr 2008 wird das Exemplar im Nationalmuseum des Landes aufbewahrt und dort kontinuierlich wissenschaftlich untersucht.
Mithilfe eines Elektronenmikroskops untersuchten die Forscher Gefäßkanäle in den Knochen und stießen dabei auf mikroskopische Strukturen, bei denen es sich offenbar um rote Blutkörperchen handelt. Chemische Analysen in diesem Bereich erbrachten Hinweise auf Häm, eines Moleküls, das einen Bestandteil des Proteins Hämoglobin bildet und es dem Blut ermöglicht, Sauerstoff zu verschiedenen Körperteilen zu transportieren.
„Molekulare Echo“ aus der Vergangenheit
Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters stellte Grice klar, dass es sich bei dem Fund nicht um ein „Fläschchen mit Dinosaurierblut“ handele. Man sehe vielmehr „ein mineralisches und molekulares Echo einer längst vergangenen Biologie“. Wissenschaftlich sei das hoch interessant.
Angst davor, dass nun tatsächlich das Raubtier wieder zum Leben erweckt werden könnte, hat Grice nach eigenen Angaben nicht. Unternehmen wie das US-amerikanische Firma „Colossal Biosciences“ arbeiten allerdings genau daran. Im Augenblick aber eher mit Tieren, die lange nach dem Dinosaurier gelebt haben, wie dem Mamut, dem Beutelwolf oder dem Dodo.
© IMAGO/Lev Radin
Die Nachbildungen von Saurier-Skeletten stehen in vielen Museen.
