Dürre-Ernte in BW

Wo sind eigentlich die Bauernproteste gegen den Klimawandel?

Verdorrte Felder, miese Ernten, Notschlachtungen: Der Dürre-Sommer 2026 hat die Landwirte schwer gebeutelt, sie rufen nach Hilfen. Doch wann ringen sich ihre Funktionäre durch, den Kampf gegen die Klimakrise ernst zu nehmen?

Die Ernten in Baden-Württemberg sind 2026 miserabel ausgefallen, die Dürre hat den Landwirten zugesetzt. Doch bei den Konsequenzen bleiben die Bauernverbände selbstsam eindimensional.

© Marijan Murat/dpa

Die Ernten in Baden-Württemberg sind 2026 miserabel ausgefallen, die Dürre hat den Landwirten zugesetzt. Doch bei den Konsequenzen bleiben die Bauernverbände selbstsam eindimensional.

Von Jens Schmitz

Überraschend kommt es nicht mehr: Hitze und Wassermangel haben in Baden-Württemberg zu Futterknappheit und Ertragseinbußen geführt; viele Betriebe haben finanzielle Probleme. Weil draußen kaum etwas wächst, verfüttern Rinderhalter bereits das ohnehin knappe Winterfutter. Verbände rufen nach Krisenhilfe im Klimawandel; das ist berechtigt. Beim Blick auf Ursachen und Folgen zeigen sie aber erstaunliche blinde Flecken.

Landwirtschaft ist nicht irgendein Geschäftsmodell, das der Markt dem Niedergang überlassen könnte. Gerade bei Nahrungsmitteln muss ein Gemeinwesen Interesse an einem möglichst hohen Selbstversorgungsgrad haben. Baden-Württembergs kleinteilige Agrarstruktur erhält eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit Vorteilen für Artenvielfalt und Tourismus. Viele Leistungen werden deshalb gefördert.

Hilfen gibt es bereits, aber wo bleibt das Umdenken?

Aus den gleichen Gründen ist es richtig, der Branche in der aktuellen Lage zu helfen. Schon im Juli wies das Ressort von Landes-Agrarministerin Marion Gentges (CDU) darauf hin, dass stillgelegte Flächen wieder genutzt werden können. Das Land bezuschusst Futterzukäufe und ermöglicht Öko-Betrieben, mit konventionellem Futter zu überbrücken.

Das entspricht vielen Forderungen des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) und des Landesbauernverbandes (LBV). Vom Bund verlangen sie zudem mehr Düngemittelhilfen, Liquiditätszuschüsse, günstigeren Diesel und die Stundung von Steuervorauszahlungen.

Solche Maßnahmen helfen, eine einmalige Krise zu überstehen. Zu einer dauerhaften Stabilisierung der Branche tragen sie aber noch nichts bei. Beide Organisationen betonen, dass Wetterextreme künftig häufiger auftreten werden. Trotzdem fordern sie von der Politik vor allem, was ein Weiter-so unterstützt, nämlich Hilfe bei Versicherungen und Risikorücklagen. Die Förderung von Klimaanpassung steht zwar auf der Wunschliste; zumindest der ungleich größere LBV versteht darunter aber „insbesondere Bewässerung“. Das ist zu wenig.

Der Kampf gegen Klimawandel juckt Bauern zu wenig

Dieser Sommer zeigt, dass Landwirte im Kampf gegen Dürre, Starkregen und ihre Folgen grundsätzlicher gebraucht werden. Wenige Berufsstände verfügen über ein so tiefes Wissen zu Böden und ihrer Wasserspeicherfähigkeit, zu Frucht- und Schnittfolgen. Viele Bauern beschäftigen sich längst mit Humusaufbau, Erosionsschutz, Wasserrückhalt. Wer unter Klimaanpassung vor allem Bewässerung versteht, nutzt diese Expertise nicht ausreichend.

Die regulierende Wirkung funktionierender Ökosysteme ist unstrittig. Künftig wird es entscheidend sein, Wasser stärker in der Landschaft zu halten: Flüsse naturnäher zu gestalten, Moore wieder zu vernässen, Böden zu entsiegeln. Wer, wenn nicht Land- und Forstwirte sollte hier eine Schlüsselrolle einnehmen? Sie haben das Wissen und den größten direkten Nutzen von einer gesunden Umwelt.

Umso erstaunlicher ist manchmal das Verhalten ihrer Verbandsvertreter. Während politisches Nachdenken über den Agrardiesel vor gut zwei Jahren zu martialischen Demonstrationen mit großem Gerät führte, überlässt man den öffentlichkeitswirksamen Kampf gegen die Erderwärmung traditionell anderen –   LBV-Präsident Joachim Rukwied forderte diesen März sogar eine Aussetzung der CO2-Abgabe für alle Wirtschaftsbereiche. Dabei bedroht der Klimawandel die Geschäftsgrundlage der Bauern ganz unmittelbar.

Auch die Landwirtschaft steht vor einer Transformation

Baden-Württembergs Landwirtschaft verdient Hilfe. Mittelfristig steht aber nicht nur die Autoindustrie vor einer Transformation, auch der Agrarsektor wird sich umstellen müssen. Die Anpassung der Kulturlandschaften an künftige Klimaverhältnisse ist im öffentlichen Interesse; eine kluge Förderpolitik könnte daraus ein Geschäftsmodell machen. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) nach 2027 wird voraussichtlich einen Fokus auf Klimaanpassung und Resilienz legen. Bei den Vorbereitungen sollten die Verbände nicht nur Versicherungsfragen im Blick halten, sondern auch den Erhalt einer Umwelt, in der eine vielfältige Landwirtschaft möglich bleibt.

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Erstellt:
26. August 2026, 11:40 Uhr

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