Ratgeber Gesundheit
Zahnersatz geht ab 2027 stärker ins Geld: Wie kann man am meisten sparen?
Krone oder Brücke: Ab 2027 müssen Kassenpatienten tiefer in die Tasche greifen, die Festzuschüsse für Zahnersatz sinken. Sich nun zu kümmern, zahlt sich also aus. Wo noch Sparpotenzial wartet.
© Rolf Vennenbernd/dpa -
Wer kann, sollte das Thema Zahnersatz noch in diesem Jahr angehen. Ab 2027 sinken die Festzuschüsse.
Von Markus Brauer
Es zieht und zwickt, pocht und sticht. Anfangs nur ganz leicht, dann immer stärker. Wenn die Pein zu groß wird und weder Hausmittel noch Schmerztabletten helfen, muss man zum Zahnarzt. Der schwere Gang zum Dentisten lässt sich nicht mehr aufschieben. Hoffentlich wird er den schmerzenden Beißerchen alsbald Linderung verschaffen.
Heilige Apollina, zahnlose Jungfrau: Bitte für uns!
Wenn fromme Christen unter Zahnschmerzen leiden, erhoffen sie sich von den Bittgebeten an Apollonia –Patronin der Zahnärzte und Schutzheilige bei Zahnkrankheiten – Linderung von ihrer Pein und Stärke im Ertragen der Schmerzen: „Heilige Apollonia, ein armer Sünder steh ich da. Mich schmerzen meine Zähne. Lass Dich doch bald versöhnen. Und schenk mir Ruh in mein Gebein, dass ich vergess der Zahnweh Pein.“
Der frommen Legende nach musste die Jungfrau Apollonia höllische Qualen erleiden, als Schergen des römischen Kaisers und Christenverfolgers Decius (249-251) die Kinnlade zertrümmerten und alle Zähne ausschlugen. Anschließend wurde die zahnlose Märtyrerin bei lebendigem Leib verbrannt.
Steht 2026 ein größeres Zahnersatz-Projekt noch aus?
So weit muss es heutzutage nicht kommen. Statt das Kauwerkzeug zu zertrümmern wie weiland Kaiser Decius setzt man heute auf Prävention und Reparatur. Steht bei Ihnen ein größeres Zahnersatz-Projekt noch aus? Es ist eine gute Idee, Brücke oder Krone noch in diesem Jahr anzugehen, auch wenn es finanziell schmerzt. Denn so viel ist sicher: Zahnersatz wird für gesetzlich Versicherte im kommenden Jahr nämlich noch teurer, weil die Festzuschüsse dafür sinken.
Der Anteil, den die gesetzliche Krankenkasse beim Zahnersatz übernimmt, fällt dann geringer aus als bisher. Ohne Bonusheft zum Beispiel sind es dann nur noch 50 statt 60 Prozent der Kosten für die Kassenvariante. So sieht es das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vor.
Entscheidend ist, dass der Heil- und Kostenplan, den Zahnarzt vor der Behandlung aufsetzt, noch in diesem Jahr von der Krankenkasse bewilligt wird. „Auch wenn die Behandlung dann erst in 2027 stattfindet, gilt der alte Festzuschuss“, sagt Anja Schlicht, Versicherungsexpertin vom Verbraucherportal „Finanztip“. Ewig sollte man das Projekt auch dann nicht mehr aufschieben: Die Genehmigung der Kasse nur ist sechs Monate lang gültig.
Was genau ändert sich ab 2027 bei den Festzuschüssen?
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt einen bestimmten Anteil der Kosten für den Zahnersatz. Rechengrundlage für den Festzuschuss ist die Regelversorgung - also: die Kassenvariante.
Diese Zahnersatz-Lösungen erfüllen zwar ihren Zweck, für viele sind sie aber nicht die optisch schönste Lösung. Wer dann statt einer Krone aus Metall eine zahnfarbene Variante aus Keramik wünscht, muss die Differenz aus eigener Tasche zahlen. Die Höhe des Festzuschusses bleibt immer gleich.
Wie hoch der Festzuschuss ausfällt, hängt weiterhin davon ab, ob man lückenlose Zahnarztkontrollen mit dem Bonusheft nachweisen kann:
- Ohne Bonusheft: Der Festzuschuss der Krankenkasse beträgt ab 2027 50 Prozent (bislang: 60 Prozent).
- Mit fünf Jahren lückenlosem Bonusheft: In diesem Fall übernimmt die Kasse ab kommendem Jahr 60 Prozent (bislang: 70 Prozent).
- Mit zehn Jahren lückenlosem Bonusheft: Künftig beträgt der Festzuschuss 65 Prozent (bislang: 75 Prozent).
Was für einen Unterschied machen die Festzuschüsse?
„Finanztip“ zeigt ein Beispiel auf:
- Einem Patienten fehlt ein Zahn im Oberkiefer, die Lücke soll mit einer dreigliedrigen Brücke geschlossen werden. Die Regelversorgung kostet in diesem Fall rund 1718 Euro.
- Mit einem seit 10 Jahren lückenlos gefüllten Bonusheft erhält er derzeit rund 1289 Euro Zuschuss von der Krankenkasse. Ab 2027 sind es nur noch etwa 1116 Euro - ein Minus von 173 Euro.
- Weiteres Beispiel: Eine Patientin soll eine Krone im Seitenzahnbereich bekommen. Sie hat kein Bonusheft. Die Kosten für die Regelversorgung liegen bei 400 Euro festgesetzt. Die Krankenkasse zahlt davon derzeit 60 Prozent, also 240 Euro. Ab 2027 zahlt sie nur noch 200 Euro, also insgesamt 40 Euro weniger.
Was genau hat es mit dem Bonusheft auf sich?
Das Bonusheft honoriert, dass man regelmäßig Kontrollen in der Zahnarztpraxis wahrnimmt. „Wenn man als Erwachsener einmal im Jahr zur Vorsorge geht, bekommt man einen Stempel ins Bonusheft, wenn es denn noch physisch vorhanden ist“, erläutert Anja Schlicht. Mittlerweile gibt es auch das eZahnbonusheft als Teil der elektronischen Patientenakte (ePA).
Wer bislang kein Bonusheft hatte oder die Papiervariante in die ePA umziehen will, spricht das Thema am besten in der Zahnarztpraxis an. Schließlich ist ein gut gepflegtes Bonusheft der Nummer-1-Tipp, um beim Zahnersatz zu sparen.
Anja Schlicht zufolge gibt es auch die Möglichkeit, Lücken im Bonusheft nachzutragen, wenn Zahnarzt in den Akten nachvollziehen kann, dass Patient oder Patientin die Termine wahrgenommen hat.
Kann man beim Zahnersatz noch günstiger davonzukommen?
Probieren kann man es mit einer dieser vier Stellschrauben:
- Zweitmeinung einholen: „Jeder gesetzlich Versicherte hat das Recht auf eine kostenlose Zweitmeinung beim Zahnarzt“, sagt Anja Schlicht. „Dort kann man noch einmal die Leistung begutachten lassen und einen neuen Heil- und Kostenplan aufstellen lassen. Vielleicht ist der günstiger.“
- Für Zahnersatz ins Ausland gehen: Als beliebteste Länder des „Zahntourismus“ nennt das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Ungarn, Polen und Tschechien. Ob dort oder auch woanders: Wer für das Projekt „Zahnersatz“ ins Ausland geht, kann Schlicht zufolge sparen. Aber nur, wenn Reisekosten und Co. den geringeren Preis nicht wieder auffressen. Beachten sollte man: „Wenn es Mängel am Zahnersatz gibt, sind die deutschen Zahnärzte nicht verpflichtet, sich darum zu kümmern, außer es ist ein Notfall.“
- Krankenkassen-Kooperationen prüfen: Auch eine Nachfrage bei der Kasse kann sich lohnen. „Krankenkassen können Kooperationen mit Zahnärzten haben, worüber es günstigeren Zahnersatz geben kann“, erläutert Anja Schlicht. Möchte man dieses Angebot nutzen, muss man womöglich den Zahnarzt wechseln.
- Uni-Zahnklinik aufsuchen: Die Verbraucherzentrale nennt noch einen weiteren Spartipp: sich an einer Uni-Zahnklinik von Studentinnen und Studenten der Zahnmedizin behandeln lassen. Dort werden teilweise nur die Materialkosten fällig. Die Sitzungen dauern im Schnitt länger, weil jeder Schritt besprochen und mehrfach von den beaufsichtigenden Zahnärzten kontrolliert wird.
Sollte man jetzt eine Zahnzusatzversicherung abzuschließen?
Es ist auf jeden Fall ein guter Zeitpunkt, um einmal zu prüfen, ob so eine Police für einen selbst sinnvoll sein könnte. „Man sollte die nicht nur abschließen, weil der Festzuschuss sinkt“, findet Anja Schlicht. Schließlich schmilzt der Festzuschuss ab 2027 je nach Behandlung nur um vergleichsweise kleine Beträge.
Liegen allerdings schlechte Zähne in der Familie oder hat man selbst bereits eine gewisse Historie an Füllungen, kann es aber durchaus sinnvoll sein, über eine Zahnzusatzversicherung nachzudenken. Das gilt vor allem, dann wenn man beim Zahnersatz mehr wünscht als die Kassenvariante.
Zu lange sollte man die Entscheidung aber nicht herauszögern. „Wenn der Zahnarzt schon Behandlungsbedarf angemeldet hat, dann bringt einem eine Zahnzusatzversicherung für diesen Behandlungsfall nichts - dann zahlt sie in der Regel nicht“, betont Anja Schlicht. Zwar gebe es Tarife, die bei angeratenen bzw. bereits laufenden Behandlungen einspringen. „Die rechnen sich aber meist nicht.“
Insgesamt ist bei guten Zahnzusatzversicherungen - je nach Tarif - grob mit monatlichen Kosten von 20 bis 40 Euro zu rechnen. Vorsorgen lässt sich jedoch auch ohne Zahnzusatzversicherung, „indem man einen Betrag monatlich auf ein Tagesgeldkonto überweist“, rät Anja Schlicht. Nachteil: Man muss aufpassen, das Geld nicht für andere Dinge auszugeben. Zudem braucht das finanzielle Polster etwas Zeit, um sich aufzubauen, während eine Versicherung direkt zur Verfügung steht - sofern es sich um einen Tarif ohne Wartezeit handelt. (mit dpa/Ricarda Dieckmann)
