Aspach lässt nötigen Mumm vermissen

Fußball-Drittligist verliert auf dem legendären Betzenberg beim 1. FC Kaiserslautern mit 0:2 und verharrt auf einem Abstiegsplatz

Nichts war es mit dem erhofften Sturm auf den Betzenberg, dem Coup beim viermaligen deutschen Meister: Fußball-Drittligist SG Sonnenhof Großaspach unterlag beim 1. FC Kaiserslautern zu Recht mit 0:2 und verharrt auf einem Abstiegsplatz. „Auf die Tabelle zu schauen, macht momentan keinen Spaß“, sagt Julian Leist, der Kapitän des Drittletzten: „Wir müssen unser Spiel verbessern und schnell Ergebnisse abliefern.“

Aspach gerät ins Hintertreffen: Kaiserslauterns Jan Löhmannsröben steigt höher als alle SG-Spieler und wuchtet die Kugel zum 1:0 ins Netz. Foto: Imago

© imago/Eibner

Aspach gerät ins Hintertreffen: Kaiserslauterns Jan Löhmannsröben steigt höher als alle SG-Spieler und wuchtet die Kugel zum 1:0 ins Netz. Foto: Imago

Von Steffen Grün

Auf dem Betzenberg und auf dem Weg dorthin ist deutsche Fußballgeschichte omnipräsent. Das beginnt schon vor dem Anstieg zur WM-Arena von 2006 mit dem vom Volksmund sogenannten Elf-Freunde-Kreisel: Die Figuren sehen zwar nicht aus wie die Spieler des legendären FCK-Teams aus den Fünfzigern, symbolisieren jedoch deren damaligen Teamgeist. Oben angekommen, geht’s ins Fritz-Walter-Stadion durch Zugangstore hinein, die nach weiteren Weltmeistern und Pfälzer Helden wie Ottmar Walter, Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel benannt sind. Innen drin ist es zwar kein Hexenkessel mehr wie früher, als sogar den großen Bayern die Knie schlotterten, aber über 17000 Zuschauer treiben ihr Team immer noch lautstark nach vorne.

Da kann einem das Herz schon mal in die Hose rutschen, und genau das ist den Großaspachern offensichtlich auch passiert. „Kaiserslautern hat uns den Schneid abgekauft“, ärgerte sich Abwehrchef Leist, „die wollten den Sieg mehr als wir. Wir waren träge und haben über einen langen Zeitraum nicht ins Spiel gefunden.“ Ins selbe Horn blies der Sportdirektor. „Wir waren zu mutlos, haben in vielen Szenen den Ball nicht gefordert“, bemängelte Joannis Koukoutrigas. „Ich will es nicht auf die Kulisse schieben“, gab Leist allerdings auch zu Protokoll, „mit so einer Leistung hätten wir in Lotte oder Unterhaching wahrscheinlich auch nichts geholt.“

Diese Selbstkritik ehrt den 30-Jährigen, ganz so desaströs war die Vorstellung der Gäste aber auch wieder nicht. Sie hatten durchaus gute Torchancen, vor allem in der ersten Halbzeit, auch wenn insgesamt doch ein Plus für die Pfälzer zu notieren war. Was der SG ein Stück weit das Genick brach, waren die zu vielen Standardsituationen für die Lauterer, die damit oft brandgefährlich wurden. „Irgendwann kann man nicht mehr alles verteidigen“, nahm SG-Trainer Florian Schnorrenberg die Defensive in Schutz. Das 0:1 entstand nach einer Ecke, die zunächst noch geklärt wurde, doch nach der direkt folgenden Flanke klingelte es. „Der Rückstand hat unseren Plan etwas über den Haufen geworfen“, meinte Leist, noch ärgerlicher war aber das 0:2. „Das darf auf diese Art und Weise nicht passieren“, haderte Koukoutrigas über den Geleitschutz für Timmy Thiele, der auch noch ungehindert abziehen durfte. „Am Ende haben wir noch versucht, das Spiel umzubiegen, aber im Großen und Ganzen war es heute einfach zu wenig“, räumte Aspachs Sportchef ein.

Der Trainer stimmte zu: „Alles in allem war es eine verdiente Niederlage. Kaiserslautern war sehr aggressiv und hat die Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht.“ Um vom Betzenberg Zählbares mitzunehmen, sei entscheidend, so Schnorrenberg, „dass alle elf Mann an ihrer Leistungsgrenze sind. Das haben wir nicht geschafft.“ Einen ordentlichen Eindruck hinterließ aber der neue Stürmer Kai Brünker, der zeigte, dass er eine Soforthilfe ist. „Er hat tiefe Laufwege, kann Bälle festmachen und wir hatten Kopfballverlängerungen, die vorher so nicht möglich waren“, lobte der Trainer: „Ich bin total froh, dass er bei uns ist. Das erhöht die Qualität im Kader.“ Und erlaubt es, dass der zuletzt wieder angeschlagene Routinier Timo Röttger nicht wie in der Vorrunde auf Teufel komm raus in der Startelf stehen muss, sondern auch mal als Joker kommen kann. Mit Dominik Martinovic kam noch ein zweiter neuer Angreifer zur SG, doch gegen Lotte sollte sich das nächste Woche auch im Ergebnis zeigen. Ein Sieg wäre sehr wichtig, um im Abstiegskampf nicht noch stärker unter Druck zu geraten.

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Erstellt:
28. Januar 2019, 06:00 Uhr

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