Aspacher Paukenschlag in Osnabrück

Kellerkind gewinnt beim Tabellenführer mit 2:0 – SG-Fußballer verlassen zumindest vorläufig die Abstiegsplätze der Dritten Liga

Riesenüberraschung: Mit einem 2:0 über Tabellenführer VfL Osnabrück kam Fußball-Drittligist Großaspach ausgerechnet beim Spitzenreiter zu den ersten Punkten des Jahres. Die kämpferisch bärenstarke Leistung fand in den Toren von Michael Vitzthum (13.) und Zlatko Janjic (54.) ihre Krönung. Dank des Auswärtscoups verließ die SG Sonnenhof zumindest vorläufig die Abstiegsplätze und kletterte auf Rang 15.

Bewies in Osnabrück mit der SG viel Zweikampfstärke: Kapitän Julian Leist (rechts). Dank des 2:0 kletterte Großaspach auf Rang 15.Foto: Osnapix

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Bewies in Osnabrück mit der SG viel Zweikampfstärke: Kapitän Julian Leist (rechts). Dank des 2:0 kletterte Großaspach auf Rang 15.Foto: Osnapix

Von Uwe Flegel

90 Minuten plus insgesamt 9 Minuten Nachspielzeit dauerte das Duell des Kellerkinds mit dem Titelkandidaten. Danach lautete die Bilanz: Mit Kai Brünker (Muskelverletzung am rechten hinteren Oberschenkel) und Jamil Dem (blaues und geschwollenes Auge sowie dickes Sprunggelenk( zwei Spieler verletzt, mit Kai Gehring ein Akteur nach einer fünften Gelben Karte im Heimspiel gegen Uerdingen gesperrt, aber drei ganz wichtige Zähler auf der Habenseite und rund 70 Aspacher Spieler, Verantwortliche sowie Fans überglücklich. „Die Jungs haben alles rausgehauen. Hier zu gewinnen, das ist einfach sensationell“, freute sich Trainer Florian Schnorrenberg.

In der Tat hatte seine Elf im altehrwürdigen Hexenkessel an der Bremer Brücke ein echtes Stahlbad überstanden. „Wenn du hier gewinnen willst, dann brauchst du einfach ein Quäntchen Glück“, wusste der 41-jährige SG-Coach, dass seine Mannschaft durchaus die eine oder andere brenzlige Szene überstehen musste, ehe die drei Punkte eingesackt waren. Allerdings anerkannte auch sein Gegenüber Daniel Thioune: „Der Sieg war verdient, da sich Aspach ihn hart erkämpft hat. Mit der Niederlage kann ich leben.“ Und Osnabrücks Coach lobte vor allem die Defensivstärke des Gegners: „Wir hätten noch eine Stunde spielen können und hätten nicht gewonnen.“

Das lag vor allen daran, dass das Kellerkind aus Schwaben diesmal eine bisher eher unbekannte Effektivität an den Tag gelegt hatte. Denn bereits der erste gute Angriff führte zum 1:0. Daran beteiligt: Routinier Timo Röttger und Michael Vitzthum. Erstgenannter bediente mit einem feinen Lupfer den auf der linken Seite in den Strafraum stürmenden Mittelfeldmann und der jagte den Ball aus spitzem Winkel hoch ins lange Eck.

Osnabrück machte danach mächtig Druck, doch das ganz dicke Ding hatte der VfL nicht auf dem Fuß. Dafür hätte Schiedsrichter Florian Badstübner den Gastgebern in der 28 Minute fast den Ausgleich geschenkt. Nach einer Flanke in den Strafraum prallte der Ball an den letzten Zipfel der Brust. Der Unparteiische piff und entschied zum Entsetzen der Gäste auf Strafstoß. SG-Torwart Kevin Broll sorgte für die ausgleichende Gerechtigkeit. Er parierte mit einer klasse Parade den strammen Schuss von Marcos Alvarez. Damit unterstrich Broll seinen Ruf als Elfmeterkiller, hat er doch von zwölf Strafstößen gegen Aspach in Liga drei sage und schreibe acht gehalten. Einig waren sich bis auf Badstübner übrigens alle, dass der Strafstoß unberechtigt war. Osnabrücks verletzter Verteidiger Alexander Dercho hatte schon zur Pause eingestanden: „Das war zu hundert Prozent kein Elfmeter.“

Die hätte der Schiri dafür nach der Pause zwei-, dreimal geben können. Erst versprang die Kugel nach einem Eckball und landete an Dems Arm (50.), dann schoss Alvarez aus zwei Metern an Gehrings Hand (55.) und nach einer Stunde verfehlte Korbinian Burger die Kugel mit dem Kopf und berührte sie mit der Hand.

Die Gäste bewahrten in dem hitzigen Duell und trotz der ständigen Diskussionen kühlen Kopf. Zumal sie nach 54 Minuten auf 2:0 erhöht hatten. Und das nach einem klasse Konter, bei dem sich erst Philipp Hercher auf der rechten Seite gut durchgesetzt und danach Zlatko Janjic bedient hatte. Der vor der Pause für den verletzten Brünker ins Spiel gekommene SG-Zugang schob den Querpass aus vier Metern über die Linie.

Osnabrück rannte auch danach an, allerdings ohne zählbaren Erfolg. Auf der anderen Seite verpasste Hercher in der 72. Minute Aspachs dritten Treffer, als er nach einer tollen Einzelaktion von Makana Baku aus zwölf Metern nur den Pfosten des leeren Gehäuses traf. Auf der anderen Seite waren es Luca Pfeiffer, der aus 14 Metern nur die Latte traf, Ulrich Taffertshofer, der aus zehn Metern mit seinem Drehschuss an Broll (79.) scheiterte und Benjamin Girth (81.), der die Kugel aus fünf Metern über die Latte drückte. Für Aspach hätte Kai Gehring noch erhöhen können, blieb in der 84. Minute aber aus sechs Metern gegen den hervorragend reagierenden Körber nur zweiter Sieger. Das juckte bei den Gästen wenig später aber niemand mehr. Sie feierten überglücklich ihren ersten Sieg im neuen Jahr und ihren zweiten Auswärtsdreier der bisherigen Saison. Mit dem haben sie zumindest bis heute Nachmittag die Abstiegsplätze verlassen und die Konkurrenz unter Druck gesetzt.

VfL Osnabrück: Körber – Renneke, Susac (70. Klaas), Trapp, Engel – Blacha, Taffertshofer – Heider (70. Pfeiffer, Alvarez, Ouahim (62. Farrona-Pulido) – Girth.

SG Sonnenhof Großaspach: Broll – Choroba, Leist, Gehring, Burger – Dem (77. Hoffmann), Bösel – Hercher, Röttger (58. Baku), Vitzthum – Brünker (25. Janjic).

Tore: 0:1 (13.) Vitzthum, 0:2 (54.) Janjic. – Gelbe Karten: Susac, Alvarez / Gehring, Röttger. – Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach). – Zuschauer: 10 763.

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Erstellt:
9. Februar 2019, 06:00 Uhr

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