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Aufs große Zittern folgt riesiger Jubel

Dank grandiosem Endspurt erreichen Aspachs Drittliga-Fußballer ihr Saisonziel und retten sich doch noch vor dem Abstieg

Großaspachs Fußballer, Fans und Verantwortliche jubeln. Das 2:0 beim Abstiegsfinale in Köln sicherte dem Klub aus dem Fautenhau ein sechstes Jahr in der Dritten Liga. Das Saisonziel wurde erreicht, auch wenn es so eng wie noch nie war. Sportdirektor Joannis Koukoutrigas atmete nach der überstandenen Nervenprobe im Südstadion durch: „Unter dem Strich ist es jetzt doch noch eine Topsaison“.

Ein ständiges Schweben zwischen Gut und Böse: Großaspachs Saisonverlauf. An zwölf von 38 Spieltagen hatte die SG Sonnenhof einen Abstiegsplatz inne. Das wichtigste aber, am Ende steht der Verein aus dem Fauten über dem Strich. Grafik: J. Bauer

Ein ständiges Schweben zwischen Gut und Böse: Großaspachs Saisonverlauf. An zwölf von 38 Spieltagen hatte die SG Sonnenhof einen Abstiegsplatz inne. Das wichtigste aber, am Ende steht der Verein aus dem Fauten über dem Strich. Grafik: J. Bauer

Von Uwe Flegel

Anhänger und Spieler der SG Sonnenhof gaben sich dem kollektiven Freudentaumel hin. Überglücklich und erleichtert war auch Joannis Koukoutrigas, der trotzdem in der Lage war, ein nüchternes erstes Fazit zu ziehen. „Nach einer solchen Runde, einem Spiel mit dieser Nervosität, dann dieses Ergebnis zu haben, das ist klasse.“ Was der 44-Jährige, der großen Anteil am Aspacher Weg vom Oberliga-Kellerkind zum nunmehr etablierten Drittligisten hat, damit ebenfalls sagte: Schasst ein Verein zweimal in einer Runde seinen Trainer, dann läuft es nicht rund. Der Endspurt passte, auf den Metern zuvor rannte Aspach zu oft hinterher.

Etappe eins (Trainer Sascha Hildmann, 10 Spiele, 10 Punkte, Rang 17): Der 47-jährige Pfälzer war eigentlich dafür auserkoren worden, um mit der SG in der zur stärksten Dritten Liga aller Zeiten ausgerufenen Klasse, erneut möglichst früh den Nichtabstieg zu schaffen. In der Saison zuvor hatte das dank der bärenstarken Vorrunde gut funktioniert. Diesmal nicht. Aspach spielte nicht schlecht, sammelte aber wenig ein. Symptomatisch das 2:3 zum Auftakt in Jena, als die SG sieben Minuten vor Schluss noch 2:1 führte. Auch in den folgenden neun Partien hieß es am Ende oft: „Da wäre mehr drin gewesen.“ Vor allem nach den sieben Unentschieden. Ausnahme von der Regel waren die 0:2-Niederlage beim Titelkandidaten Wiesbaden und das 2:0 beim späteren Absteiger Lotte. Torjäger Timo Röttger warnte: „Wir verschenken viele Punkte. Das kann sich am Ende rächen.“ Nach dem 1:1 in Unterhaching und der 2:3-Pokalpleite beim Verbandsligisten Essingen kam für Hildmann dann auch das Aus.

Etappe zwei (Trainer Florian Schnorrenberg, 8 Spiele bis zur Winterpause, 10 Punkte, Rang 17): Nachdem die SG mit Interimstrainer Zlatko Blaskic in Würzburg ein 0:0 erreicht hattee, aber dennoch auf Platz 18 abgerutscht war, ruhten die Hoffnungen auf Florian Schnorrenberg. Der startete mit einem 1:0-Heimsieg gegen Meppen (Tor: Philipp Hercher). Zwei Unentschieden und ein Sieg folgten. Großaspach kletterte auf Rang elf. Die Verantwortlichen im Fautenhau waren zufrieden. Die Stimmung und die sportliche Seite passten wieder. Das allerdings nicht arg lange. Es folgten drei Niederlagen in Serie und zwei Unentschieden zu Hause gegen die Kontrahenten im Abstiegskampf aus Köln und Jena. Aspach überwinterte dort, wo die Elf stand, als Hildmann gehen musste: Rang 17. Unter dem Weihnachtsbaum lagen vier neue Spieler. Und weil klar war, dass es vor allem in der Offensive hakte, waren mit Dominik Martinovic, Zlatko Janjic und Kai Brünker drei davon Angreifer.

Etappe drei (Trainer Florian Schnorrenberg, 17 Spiele nach der Winterpause, 18 Punkte, Rang 18): Das Abstiegsgespenst ließ sich im zweiten Halbjahr nicht aus dem Fautenhau vertreiben. Mal fehlte das Glück, mal war es ein Lapsus, der einen Punkt oder gar zwei Zähler kostete, mal spielten die Schiedsrichter nicht mit. Traf die Offensive, hielt die Defensive nicht immer dicht. Aspach war längst der Unentschiedenkönig der Liga. 18 Stück waren es am Ende. Die SG verlor weiterhin selten, gewann aber auch nicht oft. Nur zweimal in der gesamten Saison gelangen zwei Dreier in Folge. Unter anderem beim 2:0 bei Meister Osnabrück und beim folgenden 3:2 daheim gegen die Millionentruppe aus Uerdingen. Richtige Befreiungsschläge wurden es nicht, denn danach folgten wieder fünf Partien, in denen es vier Unentschieden gab, aber keinen Dreier. Der Klub aus dem Fautenhau stand mal über, mal unterm Strich. Zu viel Schwankung fürs Vorstandsteam, das sich nach dem 1:2 beim Tabellenzweiten Karlsruhe das zweite Mal in der Saison zum Trainerwechsel entschloss.

Etappe vier (Trainerteam Markus Lang und Joannis Koukoutrigas, 2 Spiele, 6 Punkte, Rang 15): Für die einen war’s die letzte Patrone, andere nannten es Verzweiflungsakt. Markus Lang, zuvor Co- sowie U-19-Trainer in Personalunion, und der Sportchef selbst sollten in den letzten beiden Saisonspielen den Abstieg noch verhindern. Das Duo traf den richtigen Ton und die richtigen Entscheidungen. Der Mannschaft wurde etwas mehr Offensivgeist eingeimpft. Offenbar war das Erfolgsrezept gefunden. Das zum Halbfinale ausgerufene letzte Heimspiel gegen Zwickau brachte ein furioses 5:2 und frischen Mut. Im Abstiegsendspiel bei Fortuna Köln folgte zum Saisonabschluss ein 2:0 und die Rettung auf den letzten Metern. In 38 Spielen hatten die Schwaben 18 mal unentschieden gespielt, neun Siege gefeiert und elf Partien verloren.

Überglücklich: Michael Vitzthum (links) und Sebastian Bösel. Auf den allerletzten Metern hielt die SG Sonnenhof doch noch die Liga. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Überglücklich: Michael Vitzthum (links) und Sebastian Bösel. Auf den allerletzten Metern hielt die SG Sonnenhof doch noch die Liga. Foto: T. Sellmaier

Kommentar
Mentalität schlägt Qualität

Von Uwe Flegel

Ende gut, alles gut. Nicht immer stimmt diese Erkenntnis. Auf den Klub aus dem Fautenhau trifft sie zu, obwohl der Sonnenhof-Express sein Ziel diesmal nicht auf schnurgeradem Weg erreichte. Das erste Mal in Großaspachs Drittligageschichte gab es wegen der Zusammenstellung des Kaders von einigen Fans gar Kritik an Sportdirektor Joannis Koukoutrigas. Das erste Mal schien es, als würden die im Vergleich zu einigen Konkurrenten begrenzten Mittel nicht reichen, um die Liga zu halten. Vorne drin, wo Geld am ehesten Erfolg erbringt, fehlte Durchschlagskraft. Vor allem in der Vorrunde. Sascha Hildmann und Florian Schnorrenberg verloren ihren Job. Erst unter dem Trainerduo Markus Lang und Joannis Koukoutrigas gelang in den letzten zwei Duellen die Wende. Das fast ausschließlich mit Spielern, die von Beginn an zum Kader zählten. Bemerkenswert und Beweis dafür: Mentalität schlägt Qualität. Nicht immer, aber oft. Und im Fall des Aspacher Abstiegskampfs ausreichend genug, um mutig das Glück zu erzwingen und zu diesem guten Ende zu kommen.

u.flegel@bkz.de

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Erstellt:
21. Mai 2019, 06:00 Uhr

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