Das lange Warten auf die Rückkehr
Nach fast einjähriger Leidenszeit sieht Aspachs Drittliga-Fußballer Nico Jüllich mittlerweile ein wenig Licht am Ende des Tunnels
„Ich hoffe, dass ich diese Saison noch das eine oder andere Spiel machen kann.“ Ein Satz, der im Fall von Nico Jüllich eine besondere Bedeutung hat. Seit 15 Monaten war der Mittelfeldmann in keinem Punktspiel mehr am Ball. Auch an einen Einsatz in Großaspachs morgigem Drittliga-Duell bei Spitzenreiter VfL Osnabrück (19 Uhr) ist nicht zu denken. Der 28-jährige Fußballer kämpft weiterhin darum, nach einer Leisten-OP wieder fit zu werden.
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Seit 15 Monaten in keinem Punktspiel mehr am Ball: Nico Jüllich. Nach einer Operation im März kämpft der SG-Rückkehrer um ein Comeback. Nun sieht er Licht am Ende des Tunnels. Foto: A. Becher
Von Uwe Flegel
Sieben Tore, drei Vorlagen. Jüllichs Bilanz bei der SG Sonnenhof in der Saison 2016/2017 war für einen zentralen Mittelfeldspieler sehr gut. Entsprechend ungern sah es der Verein, als sich der Kurpfälzer vor gut eineinhalb Jahren zum FC Vaduz verabschiedete, um mit dem Verein aus Liechtenstein wieder in die erste Schweizer Liga aufzusteigen. Nach einem Jahr mit zwölf Einsätzen (drei Tore) sowie einer Leistenoperation war das Gastspiel beendet und Jüllich zurück im Fautenhau. „Wir wissen alle, was wir an Nico haben“, freute sich Sportdirektor Joannis Koukoutrigas, als der Rückkehrer vergangenen Sommer den Vertrag bis zum 30. Juni 2021 unterschrieben hatte.
Damals ahnte keiner, dass sich die Genesung nach der Leisten-OP im März 2018 so lange zieht. „Ich habe mit vier Monaten gerechnet“, erzählt der Spielgestalter mit Torinstinkt. Welche Rolle der Muskelfaserriss, den er sich in der Vorbereitung auf diese Saison zuzog, bei der langen Leidenszeit spielte, ist Spekulation. Besser wurde die Geschichte durch die Verletzung aber sicher nicht. Aufgegeben hat Nico Jüllich in all den Monaten trotzdem nicht, obwohl er eingesteht: „Es gab schwierige Phasen. Vor allem, als es eine Zeit lang gar nicht voranging.“ Gut, dass es daheim von erfahrenen Fußballern Zuspruch gab. Schließlich kennt sich Vater Gernot Jüllich als ehemaliger Zweit- (SC Freiburg, VfR OLI Bürstadt) und Oberliga-Kicker (VfR Mannheim, FV Weinheim, SV Sandhausen) sowie als erfahrener Trainer ebenso wie Nicos vier Jahre älterer Bruder Christoph (unter anderem TSG Hoffenheim II, SC Freiburg II, VfR Mannheim) im Geschäft aus. „Mein Bruder war mal ähnlich lange verletzt“, berichtet der Aspacher und sagt: „Er hat mir Mut gemacht.“
Den Rückhalt von daheim benötigte Nico Jüllich durchaus, denn es gab durchaus auch Personen, die ihn fragten, ob er nicht aufgeben will. Hat Nico Jüllich nicht getan und sagt nun: „Mittlerweile sieht es schon viel besser aus. Ich kann joggen und kann seit einer Woche auch schon Passübungen machen.“ Zwar verspürt er manchmal noch ein wenig ein Ziehen, doch auch das sei zusehends seltener der Fall, so der Fußballer, bei dem die Verunsicherung immer mehr dem festen Glauben ans Comeback weicht.
Festlegen, wann er wieder ins Mannschaftstraining einsteigt, will sich der Spieler nicht. Verständlich nach den vielen Monaten. „Ich hatte mir mal vorgenommen, dass ich bei den letzten acht Spielen dieser Saison dabei bin“, erzählt der gebürtige Heidelberger und meint damit, dass er bei einem Punktspiel zum SG-Aufgebot zählt. Haut der Zeitplan hin, dann wäre das am Samstag, 30. März, beim Aspacher Auftritt in Meppen der Fall. Vielleicht wäre es das schönste Geschenk für jemanden, der am 27. März seinen 29. Geburtstag feiert.
Dingend gebrauchen könnte die Elf aus dem Fautenhau einen Nico Jüllich in einer einigermaßen guten Form. Ist er doch ein Mittelfeldspieler, der einerseits Zweikämpfe gewinnt, andererseits ein Spiel gestalten kann und dazu auch noch Tore schießt. Nicht schlecht für ein Kellerkind, wenn er im Abstiegskampf auf solche Qualitäten zurückgreifen könnte. Ob er dafür noch rechtzeitig fit wird, kann der 28-Jährige nicht versprechen. Sicher ist er sich dagegen, „dass wir es schaffen, die Liga zu halten, obwohl es diesmal enger wird als die Jahre zuvor“. Um den Nichtabstieg zu schaffen, empfiehlt der erfahrene Fußballer, der Ende November 2013 das erste Mal zur SG kam und ein halbes Jahr später in beiden Relegationsspielen zur Dritten Liga jeweils 90 Minuten am Ball war: „Im Spiel vielleicht nicht so viel nachdenken, wenn es nicht so läuft.“ Gegen Lotte sei in der ersten Halbzeit erkennbar gewesen, dass das Selbstvertrauen derzeit verständlicherweise nicht sehr groß ist. Deshalb blickt Nico Jüllich den beiden anstehenden Partien bei Spitzenreiter Osnabrück und die Woche drauf daheim gegen den Aufstiegsaspiranten Uerdingen nicht ganz ohne Hoffnung entgegen: „Vielleicht sind zwei so schwere Aufgaben gar nicht so schlecht. Das nimmt etwas den Druck, unbedingt gewinnen zu müssen.“
Wer am Freitag nicht zum Gastspiel der SG Sonnenhof Großaspach beim Drittliga-Spitzenreiter VfL Osnabrück in das Stadion an der Bremer Brücke fährt, der ist dank unserer Zeitung dennoch stets aktuell am Ball. Vom Vergleich des Drittletzten mit dem Tabellenführer gibt es auf www.bkz-online.de ab 19 Uhr den gewohnten Liveticker. An selber Stelle kommt im Internet tags darauf zudem noch ein kommentiertes Video dazu.
