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Der kluge Pass ins doppelte Glück

Großaspachs Rückkehrer Joel Gerezgiher bejubelt in Chemnitz erst sein Startelfdebüt und dann den 1:0-Erfolg des Kellerkinds.

Freut sich riesige, dass er endlich wieder am Ball sein kann: Joel Gerezgiher. Nach mehr als 13 Monaten Verletzungspause feierte er gegen Unterhaching sein Comeback und nun in Chemnitz gar ein Startelfdebüt. Eines, das gelang. Er bereitete das entscheidende 1:0 klasse vor.Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Freut sich riesige, dass er endlich wieder am Ball sein kann: Joel Gerezgiher. Nach mehr als 13 Monaten Verletzungspause feierte er gegen Unterhaching sein Comeback und nun in Chemnitz gar ein Startelfdebüt. Eines, das gelang. Er bereitete das entscheidende 1:0 klasse vor.Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

„Ich war an meiner Grenze“, sagt Joel Gerezgiher und spricht von der 75. Minute im Aspacher Drittliga-Duell in Chemnitz. Da war für den Fußballer Schluss. Er musste raus, Kamer Krasniqi durfte rein. Ist eine Auswechslung im Sport durchaus mal Auslöser für Ärger, war es diesmal eher eine Erlösung. Nach über 13 Monaten Verletzungspause war Gerezgiher am Ende seiner Kräfte. Erschöpft und angespannt verfolgte der Mittelfeldmann danach von der Bank aus, wie seine Mitstreiter das 1:0 über die Zeit brachten. Am Ende bejubelte der gebürtige Frankfurter mit der SG Sonnenhof einen Sieg, der das Fünkchen Hoffnung aufs Fußballwunder am Glimmen hält. Erst recht, wenn es das Kellerkind am Sonntag ab 17 Uhr schaffen sollte, beim Siebten FC Ingolstadt erneut zu überraschen. Joel Gerezgiher glaubt daran, denn „in dieser Liga kann jeder jeden schlagen“.

Ein Satz, der von einem kommt, der gezeigt hat, dass er in schwierigsten Phasen nicht aufgibt. Monatelang hat Joel Gerezgiher darum gekämpft, wieder kicken zu können. Grund dafür war eine Szene, die sich am 20. April 2019 gegen 15.40 Uhr in Münster ereignete. Nachdem der Mittelfeldspieler seine ständigen Adduktorenprobleme endlich überwunden hatte, wechselte ihn Aspachs damaliger Trainer Florian Schnorrenberg acht Minuten vor Schluss für Kai Brünker ein. Es hätte ein Wiedereinstieg nach Maß werden können. Denn nur 60 Sekunden später läuft Gerezgiher beim Stand von 1:0 für Münster allein aufs Tor zu, ehe er vom stolpernden Preußen-Verteidiger Simon Scherder im Strafraum zu Fall gebracht wird. Die Folge: Horror-Verletzung statt Traum-Comeback. „Mein Fuß stand 90 Grad ab“, erinnert sich Gerezgiher an die Sekunde, in denen seine Karriere auf ganz, ganz tönerne Füße gestellt wurde.

406 Tage und eine schwierige OP dauerte es, bis der Mittelfeldmann, der als 19-Jähriger bei Eintracht Frankfurt sein Bundesligadebüt gefeiert hatte, in einem Punktspiel wieder auf dem Rasen stand. Beim 0:2 gegen Unterhaching wurde er zur Halbzeit für den zuvor ebenfalls über ein Jahr lang verletzten Jonas Meiser eingewechselt. Der Wiedereinstieg in der Dritten Liga nach der Corona-Pause war für diese beiden Aspacher ein Neuanfang. Vor allem für Joel Gerezgiher, der nun in Chemnitz sein Startelfdebüt feierte und gesteht: „Ich habe jede Minute auf dem Platz genossen.“ Das sicher auch, weil er großen Anteil am SG-Erfolg hatte, leistete der Mittelfeldspieler beim 1:0 am Mittwochabend in Chemnitz doch mit einem feinen Zuspiel die klasse Vorarbeit zu Orrin McKinze Gaines’ goldenem Treffer in der 48. Minute. Er selbst sagt zu dem Pass in die Tiefe eher bescheiden: „Ich habe die Lücke gesehen und weiß, dass Orrin unfassbar schnell ist.“

Das Zuspiel war symptomatisch für die Leistung des lange Vermissten, der sich auch in anderen Szenen als belebendes Element im Aspacher Spiel präsentierte. Zumindest eine gute Stunde lang. Dann ließen die Kräfte nach. Verständlich angesichts dieser Vorgeschichte. Wobei die Müdigkeit nicht lange anhielt. „Ich fühle mich gut, ich habe keine Schmerzen und wir haben gewonnen. Es gibt keinen Grund, mich zu beklagen“, steht Joel Gerezgiher nur einen Tag später für die nächste Aufgabe schon wieder bereit.

Wobei er nicht zu der Sorte Mensch zu zählen scheint, die immer nur nach vorne schaut. Er hat die vergangenen Monate nicht vergessen. Die Tage des Zweifels, ob er jemals wieder Fußball spielen kann, die ab und zu aufkommende Frage, ob sich die Schufterei in der Reha und im Training lohnt. Die Rückschläge, die es auf dem Weg zurück auf den Platz immer mal wieder gab. Er selbst erzählt: „Diese Zeit hat mich im Kopf stärker und sie hat mich ein Stück weit dankbarer gemacht.“

Worte, die nicht einfach so daher gesagt sind. Auf seine Rückkehr angesprochen, erinnert der 24-Jährige daran, dass Jonas Meiser wegen eines Außenbandrisses sogar gut 14 Monate lang verletzt war. Zudem hat Joel Gerezgiher nicht vergessen, dass beide nur aufgrund der Corona-Pause in dieser Saison noch ihr Comeback feiern konnten. Eines, über das sich der Hesse mit eritreischen Wurzeln riesig freut, dabei aber auch sagt: „Nett, dass ich wegen Corona in dieser Saison noch ein paar Spiele machen kann, trotzdem wäre mir lieber, wenn es dieses Virus nicht geben würde.“ Dass er nun wieder auf dem Platz stehen könne, sei vielleicht das Positive in einer solch negativen Zeit, sagt der 24-Jährige und möchte seine zweite Chance nutzen: „Ich will einfach die Saison gesund zu Ende bringen. Fußball spielen, gute Leistungen zeigen und möglichst viel gewinnen, denn abgestiegen sind wir noch nicht.“

SG auf www.bkz.de

Damit die SG-Fans beim Großaspacher Auswärtspartie in Ingolstadt am Sonntag aktuell am Ball sein können, gibt es von unserer Zeitung ab 17 Uhr unter www.bkz.de einen Liveticker. Im Internet kommt dort an selber Stelle vom Vergleich des schwäbischen Vorletzten mit dem Tabellensiebten aus Bayern später auch noch ein kommentiertes Video mit allen Toren, den wichtigsten Szenen und Stimmen zum Spiel dazu.

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Erstellt:
5. Juni 2020, 06:00 Uhr

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