Duell mit alten Kumpels und dem Ex-Coach

Großaspachs neuer Stürmer Jan Ferdinand trifft im Regionalliga-Heimspiel gegen die TSG Balingen auf seinen früheren Jugendklub und gleichzeitig auf seinen einstigen Jugendtrainer Lukas Foelsch, der bei den Gästen im Mittelfeld das Zepter schwingt.

Auf das Duell mit Ex-Klub Hoffenheim folgt für Stürmer Jan Ferdinand (links) nun sofort das Wiedersehen mit dem einstigen Jugendverein. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Auf das Duell mit Ex-Klub Hoffenheim folgt für Stürmer Jan Ferdinand (links) nun sofort das Wiedersehen mit dem einstigen Jugendverein. Foto: T. Sellmaier

Von Uwe Flegel

Nein, zu hoch hängen will er die Sache nicht. Aber klar ist das Heimspiel der Aspacher Regionalliga-Fußballer gegen die TSG Balingen für Jan Ferdinand kein ganz gewöhnliches Spiel. Schließlich geht es für den gebürtigen Ebinger am Sonntag ab 14 Uhr gegen den Verein, für den er einst in der Jugend stürmte und bei dem er bereits als 17-Jähriger im Aktivenbereich seine ersten Erfahrungen machte. Fünfeinhalb Jahre ist das her. Während die SG Sonnenhof damals ihre Premierensaison in Liga drei absolvierte, ging es für den Klub vom Fuße der Zollernalb noch in der Oberliga um Punkte.

Gut fünf Wochen ist Jan Ferdinand nunmehr im Fautenhau. Die ersten Eindrücke von der neuen sportlichen Heimat? „Mir gefällt es gut. Hier ist wirklich alles sehr familiär.“ Es hört sich an, als habe er keine Probleme damit, auf einige der Annehmlichkeiten verzichten zu müssen, die ein Spieler in den sogenannten U-Mannschaften von Bundesligisten wie dem VfB Stuttgart und der TSG Hoffenheim genießt. Vielleicht auch weil der 1,91 Meter große Angreifer nicht den typischen Werdegang hinter sich hat. Erst als bereits 18-Jähriger landete er beim VfB-Nachwuchs, nachdem er zuvor eher unbemerkt beim TSV Ebingen, dem FV Rot-Weiß Ebingen und ab dem zweiten C-Jugend-Jahr bei der TSG Balingen gekickt hatte. Dort machte er in der B-Jugend mit 17 Toren in 21 Oberliga-Spielen auf sich aufmerksam, wurde prompt in die U-17-Auswahl des WFV für den Länderpokal berufen. In Duisburg hinterließ er dann bei den Spähern des DFB nachhaltig Eindruck. Zwischen all den Talenten aus den Nachwuchsleistungszentren der deutschen Bundesliga-Klubs tummelte sich danach bei Lehrgängen der DFB-Junioren jedenfalls auch ein Junge von der vergleichsweise kleinen TSG Balingen. „Das war schon was Besonderes“, erinnert sich Ferdinand und sagt: „Ich war halt ein Spätstarter.“

Zunächst spielte der Albstadter neben Fußball auch noch Handball.



Einer, der in jungen Jahren nicht nur Fuß-, sondern wie sein Bruder Nico zusätzlich auch Handball spielte. Während sich der ältere der Ferdinands irgendwann für den kleineren Ball und damit den Sport entschied, in dem sich Papa Axel schon als Spieler und Trainer einen guten Namen gemacht hatte, gab Jan dem Fußball den Vorzug. Eine gute Entscheidung. Mit 23 Jahren hat der Angreifer bereits 92 Regionalliga-Partien auf dem Buckel, in denen er für den VfB II und Hoffenheim II 16 Treffer erzielte.

Seit dieser Saison haut sich der Blondschopf von der Schwäbischen Alb nun im Fautenhau vorne rein. Und: Nachdem es schon vergangenen Dienstag gegen einen Ex-Klub ging, wartet morgen der zweite frühere Verein in Folge auf Ferdinand. Diesmal ist es sogar sein ehemaliger Jugendverein. Der hat drei Akteure mit dabei, die der in Albstadt groß gewordene Stürmer besonders gut kennt. Mit den Abwehrspielern Carlos Konz sowie Adrian Müller zum Beispiel hat er im Balinger Nachwuchs zusammen gekickt und Lukas Foelsch, Mittelfeldroutinier sowie spielender Co-Trainer des morgigen SG-Gegners, war bei der TSG sein Jugendcoach. Eventuell gelingt Aspachs Zugang ausgerechnet gegen die alten Bekannten das erste Punktspieltor in dieser Saison? „Irgendwann sollte es schon mal klappen“, weiß der Angreifer und fügt hinzu: „Solange wir wie in Hoffenheim gewinnen, ist auch so alles okay“. Optimal wäre es aber, wenn der Vergleich seiner jetzigen Mannschaft gegen Balingen so läuft wie das Rückrundenduell der Vorsaison, als er das Hoffenheimer Trikot trug und beim 4:1 gegen seinen einstigen Jugendverein gleich zwei Treffer erzielte.

Eine nette Episode, die für den Vergleich der beiden schwäbischen Teams am Sonntag jedoch wenig Aussagekraft hat. Denn vergangene Saison krebste Balingen am Tabellenende herum, nun hat die TSG nach drei Spieltagen bereits sechs Punkte und rangiert auf Rang fünf. Zudem ist Großaspach noch mitten in einem Findungsprozess, wie Aspachs neue Offensivkraft erklärt: „Uns merkt man schon an, dass ein großer Umbruch bewältigt werden muss. Ich hoffe, dass das möglichst schnell geht.“ Wenn ja, dann sieht er sich und seine Mitstreiter in der Tabelle „nicht ganz vorne, aber dran an den Spitzenteams“. Der erste Heimsieg im zweiten Heimspiel könnte helfen, diese Einschätzung zu unterstreichen. Das weiß Aspachs neue Offensivkraft und tippt fürs Duell mit seinem Ex-Klub: „Wir gewinnen und wenn mir mein erstes Tor gelingt, dann wäre es schön, aber der Sieg ist für uns wichtiger.“

Jubiläumsspiel für Kai Gehring vor maximal 500 Fans

Die Partie gegen Balingen ist nicht nur für Jan Ferdinand, sondern auch für SG-Abwehrroutinier Kai Gehring ein besonderes Spiel. Großaspachs 32-jähriger Vorkämpfer trägt zum 250. Mal in einem Pflichtspiel das Trikot des Vereins aus dem Fautenhau.

Am 15. Mai 2009 standen sich die SG Sonnenhof und die TSG Balingen das letzte Mal in einem Punktspiel gegenüber. Damals gewann Spitzenreiter Großaspach das Oberliga-Topspiel beim Tabellendritten mit 1:0. Schütze des goldenen Tores der Elf von Trainer Thomas Letsch war Verteidiger Fabian Aupperle. In der Vorrunde hatte es in Aspach ein 0:0 gegeben. Am Ende der Saison verabschiedete sich die SG als Aufsteiger in die Regionalliga. Dort gibt es nun etwas mehr als elf Jahre später ein Wiedersehen.

Die Regelung, dass mindestens 1000 Fans ins Stadion kommen sowie bis zu 20 Prozent der im Stadion verfügbaren Plätze genutzt werden dürfen, gilt nur für den Profisport. Dazu zählt die Regionalliga nicht. Deshalb dürfen in Aspach nur 500 Personen rein. Die Karten dafür sind fast alle weg. Wer noch ein Ticket will, kann unter www.sg94.de schauen, was noch verfügbar ist. Wer nicht zum Zug kommt, kann die Partie mit einem Tagespass für fünf Euro per Livestream unter www.the-leagues.com/sgs verfolgen. Die andere Alternative ist der Liveticker unserer Zeitung unter www.bkz.de/sg-sonnenhof.

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Erstellt:
19. September 2020, 06:00 Uhr

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