Eine Rückkehr ohne Rachegelüste

Heiner Backhaus trifft mit Koblenz in Aspach auf den Verein, bei dem er seine bislang bitterste Stunde als Fußballtrainer erlebte.

Aspachs Ex-Trainer Heiner Backhaus gibt mittlerweile bei Rot-Weiß Koblenz die Kommandos an der Seitenlinie. Obwohl der 39-Jährige vergangenen Winter im Fautenhau nach nur 40 Tagen bereits wieder gehen musste, freut er sich aufs Wiedersehen mit der SG Sonnenhof. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Aspachs Ex-Trainer Heiner Backhaus gibt mittlerweile bei Rot-Weiß Koblenz die Kommandos an der Seitenlinie. Obwohl der 39-Jährige vergangenen Winter im Fautenhau nach nur 40 Tagen bereits wieder gehen musste, freut er sich aufs Wiedersehen mit der SG Sonnenhof. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

„Ich freue mich wirklich aufs Wiedersehen.“ Heiner Backhaus weiß, dass seine Antwort ein wenig überrascht. Schließlich war er als Trainer der SG Sonnenhof gerade mal 40 Tage im Amt, ehe er bei Großaspachs Fußballern vor ziemlich genau einem Jahr gleich wieder gehen musste. Heute kehrt der 39-Jährige in den Fautenhau zurück, kämpft ab 18 Uhr mit seinem neuen Verein TuS Rot-Weiß Koblenz um drei wichtige Punkte für den Regionalliga-Verbleib. Im Gepäck hat er dabei „keine Rachegelüste, ich bin eher dankbar für diese Erfahrung“.

Gut 13 Monate ist es her, da galt der gebürtige Wittener als der große Hoffnungsträger. Gemeinsam mit seinem Freund Mike Sadlo sollte der im Ruhrpott groß gewordene Backhaus den leck geschlagenen Aspacher Drittliga-Kahn wieder flott machen. Der Nummer mit zwei nach außen hin gleichberechtigten Steuermännern standen viele Beobachter skeptisch gegenüber. Sie ahnten aber sicher nicht, dass sie so schnell Recht bekommen sollten. Denn nur drei Spiele später war das Duo, von dem nur Mike Sadlo die für die Dritte Liga erforderliche Lizenz als Fußballlehrer hatte, schon wieder von Bord. Dabei hatte das 0:0 in Kaiserslautern bei der Premiere des Trainerteams noch Mut gemacht. Doch nach einem 0:6 zu Hause gegen den späteren Aufsteiger Würzburger Kickers und einem 1:2 beim KFC Uerdingen zogen die Verantwortlichen im Fautenhau fix die Reißleine. Die deftige Niederlage gegen Würzburg habe das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer nachhaltig gestört, hieß es von Seiten der SG.

Eine Spielphilosophie, die Markus Gisdol, Alex Zorniger und Rüdiger Rehm auch vertreten.

Zwölf Monate danach will Heiner Backhaus nicht mehr viel dazu sagen und äußert sich dann doch vielsagend: „Meine Spielidee fußt auf der gleichen Philosophie wie der von Markus Gisdol, von Alexander Zorniger oder von Rüdiger Rehm.“ Allesamt erfolgreiche Vorgänger von ihm in Aspach. Weshalb hat es dann bei ihm nicht gepasst? „Für meine Art Fußball zu spielen, mit Pressing und Gegenpressing gegen den Ball zu spielen, für diese Tugenden brauchst du die Rückendeckung der Verantwortlichen.“ Schließlich ist es für einen Trainer nicht einfach, dem einen oder anderen zur Bequemlichkeit neigenden Spieler ohne Nebengeräusche Beine zu machen. Erst recht, wenn innerhalb einer Mannschaft nicht alle an einem Strang ziehen. Vielleicht auch, weil sie von zwei Steuermännern Kommandos empfangen, in welche Richtung es gehen soll. Heiner Backhaus sagt dazu weder Ja noch Nein, sondern: „Ich bin Aspach für zwei Dinge dankbar. Erstens werde ich nie mehr Teil eines solchen Trainerduos sein. Zweitens habe ich hier als Coach mal die Schattenseite kennen gelernt, nachdem es bei meinen vorherigen Stationen Inter Leipzig und dem BSV Rehden für mich immer nur bergauf gegangen ist.“

Zumindest menschlich hat das Negativerlebnis bei ihm aber offensichtlich nicht groß nachgewirkt. „Zum einen oder anderen Spieler und Entscheidungsträger habe ich weiterhin noch guten Kontakt“, erzählt Backhaus und fügt an: „In der Mannschaft stehen ja immer noch richtig feine Jungs wie ein Julian Leist“. Bevor die Stimmung aber zu sehr in Richtung Friede, Freude, Eierkuchen geht, macht Aspachs Ex-Coach klar: „Auf dem Platz gibt’s aber keine Freundschaften.“ Schließlich sei es für ihn und seine Elf ein wichtiges Spiel, geht es für den Sechstletzten doch gegen den Neuntletzten und damit einen direkten Gegner im Kampf gegen den Abstieg.

Dass die Schwaben in der Hinsicht mit zwei Heimsiegen nacheinander eine Trendwende eingeleitet haben, ist Backhaus nicht entgangen und wundert ihn nicht unbedingt: „Großaspach spielt in Sachen individueller Qualität auf einem ganz anderen Planeten als wir.“ Wobei sein Team sich nicht kleiner machen muss als es ist. Immerhin kommt Koblenz mit zwei Auswärtssiegen in Folge (2:0 in Hoffenheim, 3:2 in Alzenau) zum Kellerduell. Überhaupt darf das abgeschlagene Schlusslicht der abgebrochenen vergangenen Saison mit dieser Runde durchaus zufrieden sein. Backhaus hat aus der zu Beginn der Runde als ganz heißer Abstiegskandidat gehandelten Elf eine konkurrenzfähige Truppe gemacht. Mit 25 Punkten weisen die Rot-Weißen nur einen Zähler weniger auf als die SG. Bereits ein Teilerfolg heute Abend im Fautenhau würde den Außenseiter auf einen Nichtabstiegsplatz hieven.

Backhaus kennt die Situation und sagt zu den Aussichten seiner Mannschaft bei seinem einstigen Klub: „Wir müssen am Limit laufen, wir müssen am Limit kämpfen und ich kann bereits jetzt versprechen, dass wir 90 Minuten lang laufen, kämpfen und alles geben. Dann werden wir sehen, was dabei herauskommt.“ Eventuell ist die Freude übers Wiedersehen am Ende ja gar nur auf seiner Seite.

Im dritten Heimspiel in Folge hat die SG Sonnenhof den dritten Heimsieg nacheinander im Blick.

Großaspachs Trainer Hans-Jürgen Boysen weiß, dass die heutigen Gäste wie schon die beiden letzten SG-Kontrahenten „in unmittelbarer Nähe unserer Tabellenregion platziert sind“. Deshalb zähle nur der dritte Heimsieg im dritten Heimspiel in Folge. Denn: „Wir wollen in der Tabelle einen weiteren großen Schritt machen.“ Kräftemäßig könnte Koblenz einen kleinen Vorteil haben, hatte es doch in dieser englischen Woche einen Tag länger Pause. Während Heiner Backhaus und seine Elf in Alzenau bereits am Samstag mit 3:2 gewannen, traf Aspach erst am Sonntag im Kellerduell auf Pirmasens. Eventuell sorgt ja der 7:1-Kantersieg gegen die Pfälzer für zusätzliche Frische bei der SG. Nötig sein wird eine gute Puste, beschreibt Boysen die Gäste doch als „sehr disziplinierte Mannschaft, die in der Defensive und insbesondere gegen den Ball aggressiv arbeitet. Es wird kein Spaziergang, wir werden die gleichen Tugenden auf den Platz bringen müssen wie zuletzt. Sollte uns das gelingen, dann stehen unsere Chancen gut.“

Verzichten muss die SG Sonnenhof gegen Koblenz auf Oliver Schnitzler (Achillessehnenriss), Jan Ferdinand (Hand-OP), Dominik Widemann (Erkältung) und Sandro Sirigu (Bänderdehnung). Fraglich ist außerdem ein Einsatz von Özgür Özdemir (Erkältung). Dagegen kehren Ken Gipson und Sebastian Schiek wieder ins SG-Aufgebot zurück.

Weiterhin finden die Regionalliga-Spiele aufgrund der Hygieneregeln ohne Zuschauer statt. Wer dennoch aktuell und live am Ball sein will, kann dies mithilfe eines kommentierten Livestreams im Internet. Ein sogenannter Tagespass kostet 5 Euro. Auf die Seite des Anbieters kommt man unter anderem über www.bkz.de/sport/sg-sonnenhof.

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Erstellt:
10. Februar 2021, 06:00 Uhr

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