„Es sind 18 Endspiele für uns“

Das Interview: Aspachs Sportdirektor Joannis Koukoutrigas verrät, wie die SG im Drittliga-Abstiegskampf bestehen will

Auftakt in Aspach: Nur 15 Tage nach dem 0:0 gegen Jena bittet Florian Schnorrenberg sein Team heute um 15 Uhr wieder zur Arbeit, morgen fliegen die Drittliga-Fußballer der SG Sonnenhof ins einwöchige Trainingslager nach Spanien. Vorher spricht Großaspachs Sportdirektor Joannis Koukoutrigas (43) über die Lehren aus der Hinrunde und den schwierigen Weg zum angepeilten Ligaverbleib.

Sucht nach einem weiteren neuen Stürmer, der mit seinen Toren dazu beitragen soll, dass die SG Sonnenhof Großaspach in der Dritten Liga bleibt und damit auch in der kommenden Saison bundesweit im Fokus steht: Sportdirektor Joannis Koukoutrigas (links). Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Sucht nach einem weiteren neuen Stürmer, der mit seinen Toren dazu beitragen soll, dass die SG Sonnenhof Großaspach in der Dritten Liga bleibt und damit auch in der kommenden Saison bundesweit im Fokus steht: Sportdirektor Joannis Koukoutrigas (links). Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt. Was haben Sie sich für 2019 gewünscht, als an Silvester die Sektkorken geknallt haben?

Zuerst einmal Gesundheit für meine Familie, Freunde und mich persönlich und dann natürlich den Klassenerhalt für die SG Sonnenhof. Das ist auf jeden Fall unser Ziel und ich bin zu hundert Prozent überzeugt, dass wir das schaffen.

Beim Interview vor einem Jahr nannten Sie 31 Punkte aus 20 Spielen „bombastisch“. Welches Attribut würden Sie dem ersten Abschnitt der laufenden Runde verpassen?

Wenn du mit 21 Punkten dastehst und Viertletzter bist, ist das natürlich nicht gut, wir belegen einen Abstiegsplatz. Das ist so, da gibt es nichts drumherum zu reden, den wollen wir so schnell wie möglich verlassen. Was aber Hoffnung macht ist, dass wir von den rettenden Plätzen nicht so weit entfernt sind. Nur ein Sieg, und man kann schnell 12. oder 13. sein.

21 Punkte nach 20 Partien ist die zweitschlechteste Bilanz seit der Saison direkt nach dem Aufstieg 2014. Ist das nur eine Delle auf dem Weg, ein etablierter Drittligist zu werden, oder wird die Luft für den Dorfklub im Konzert der Großen langsam dünn?

Wir haben bereits vor der Saison von der stärksten Dritten Liga aller Zeiten geredet, das hat sich bestätigt. Ich glaube, ich brauche eigentlich nicht nochmals zu sagen, dass wir neben Lotte der einzige Verein sind, der noch nicht Erste oder Zweite Bundesliga gespielt hat. Braunschweig wollte zum Beispiel sofort wieder aufsteigen und ist Letzter. Wir sind mit Platz 17 nicht zufrieden, da wir uns mindestens unter den ersten 14 der Liga sehen, aber es ist auch noch kein Beinbruch. Wir haben noch 18 Spiele vor uns und können noch alles korrigieren. Und, das sage ich auch ganz klar: Wir werden an unserer Philosophie festhalten, wir sind ein Weiterbildungsverein und das werfen wir auch nicht gleich über Bord, wenn kurzfristig Ergebnisse ausbleiben – das ist uns als Vorstand extrem wichtig.

Wie zuletzt vor vier Jahren musste in der Vorrunde der Trainer gehen. Was hat Sascha Hildmann letztlich seinen Job gekostet?

Wie schon öfter gesagt, war es die Gesamtkonstellation 2018. Angefangen hat es mit dem zweiten Teil der Vorsaison, als wir nur 16 Punkte geholt haben. Zudem haben wir nicht mehr die erwartete Weiterentwicklung der Spieler erkannt. Für die neue Runde haben wir versucht, den Kader im Rahmen unserer Möglichkeiten so zu verstärken, wie es sich der Trainer wünschte. Das Einzige, was wir im Nachhinein einräumen müssen, ist, dass die Spieler, die wir für den Sturmbereich geholt haben, die Erwartungen bislang nicht erfüllt haben. Dennoch waren zehn Punkte aus den ersten zehn Partien zu wenig, dazu sind wir aus dem WFV-Pokal ausgeschieden. Wir waren uns im Vorstand einig, dass wir eine Veränderung brauchen, um den Klassenverbleib nicht zu gefährden. Daher haben wir reagiert.

Ohnehin ist die Verweildauer der Trainer im Fautenhau seit dem Abgang von Rüdiger Rehm überschaubar. Ein Jahr Oliver Zapel, ein gutes Jahr Sascha Hildmann – wie lange hat Florian Schnorrenberg das Sagen?

Ich hoffe, viele Jahre. Man geht eine Zusammenarbeit immer mit dem Ziel ein, Kontinuität reinzubringen. Wir sind aber im Profigeschäft und haben den Druck, Punkte holen zu müssen. Daran wird die Arbeit von jedem Einzelnen gemessen. Man könnte aber genauso gut sagen, dass es offensichtlich ist, dass über uns die Trainer erst für andere Vereine interessant sein können, weil diese sie zuvor wohl nicht einmal kennen. Oder glauben sie, die vorgenannten Trainer hätten nach der SG Vereine wie Werder Bremen II oder den 1. FC Kaiserslautern trainiert? Wir hatten den Mut, sie hierher zu holen.

Unabhängig vom Chef an der Seitenlinie fallen in dieser Runde zwei Dinge auf, die wohl hauptursächlich für den Sturz auf einen Abstiegsplatz sind: die vielen Unentschieden und die wenigen Tore. Beginnen wir mit den zwölf Remis – so etwas schon einmal erlebt?

Nein, ich hätte auch nicht gedacht, dass das möglich ist. Es zeigt aber die Ausgeglichenheit der Liga und dass Nuancen entscheiden. Positiv betrachtet waren zwölf Teams nicht besser als wir, mit denen allen waren wir auf Augenhöhe. Wir haben nur fünfmal verloren, aber eben auch nur dreimal gewonnen. Wir müssen jetzt weiter daran arbeiten, dass wir mehr Spiele auf unsere Seite ziehen.

Dass sechs 0:0-Spiele darunter sind, spricht für die starke Defensive, aber auch für die harmlose Offensive. Liegt es daran, dass Zugänge wie Stephané Mvibudulu, Mike Owusu oder Joel Gerezgiher bislang nicht zündeten?

Es liegt nicht nur an diesen drei Spielern. Ich sage immer, wir verteidigen gemeinsam und es müssen auch alle zusammen für den nötigen Offensivdrang sorgen. Timo Röttger war öfter mal verletzt. Rudi Baku ist erst 20 Jahre alt und braucht mehr Torchancen als ein Routinier. Jonas Meiser ist vor vier Tagen erst 20 geworden. Ich erwarte aber auch, dass die Abwehrspieler mal Treffer machen und dass die Sechser torgefährlicher werden. Jeder muss den Willen haben, Tore zu erzielen. Es geht nicht nur darum, dass ein Stürmer zwanzig Tore macht – mir ist es lieber, ein Stürmer macht acht oder zehn Tore, ein Innenverteidiger macht zwei Tore und ein Sechser macht fünf Tore. Dann haben wir auch einen guten Schnitt.

Kommt von dem erwähnten Trio in der Rückrunde noch etwas oder könnte es sogar sein, dass der eine oder andere den Verein noch in der Winter-Transferperiode verlässt?

Im Moment ist mir nichts bekannt, dass jemand gehen will. Wir haben den Kader mit dem Trainer und dem Vorstand analysiert und uns eine Meinung gebildet. Daher haben wir bereits einen Vorgriff auf die neue Saison mit Dominik Martinovic gemacht, schauen uns den Markt weiter an und werden sicher noch einen weiteren Stürmer holen, wenn sich eine Möglichkeit bietet. Es darf aber nicht für ein halbes Jahr sein, sondern muss Sinn über die Saison hinaus machen. Von den Spielern, die bei der SG unter Vertrag stehen, haben wir noch nie einen weggeschickt. Diese Jungs können jetzt zeigen, was sie drauf haben, deshalb machen wir Verträge, aber sie müssen natürlich auch liefern. Es liegt an jedem Einzelnen, noch mehr Gas zu geben, sich noch mehr reinzuhängen und in die Startformation zu drängen – und wenn sie dann drin sind, mit guten Leistungen zu überzeugen.

Es ist mit den Zugängen Dominik Martinovic Niklas Sommer (Rechtsverteidiger vom VfB II) derzeit ein 26-Mann-Kader – ist das zu viel?

Wir haben den Kader vor dieser Saison bewusst kleiner gehalten und mehr auf Qualität statt auf Quantität gesetzt. Wir hatten dadurch noch einige Schüsse frei, um zum Beispiel auf Verletzungen zu reagieren. Dann gibt’s immer wieder Fälle wie Jamil Dem, den ich bei Chemnitz gesehen habe, als er noch fit war – das war für mich ein Zweitligaspieler. Wenn die SG nach einer langen Verletzung die Gelegenheit bekommt, einen solchen Spieler zu holen, weil sich kein anderer Verein traut, dann muss sie das wie in diesem Fall im Oktober nutzen. Er zahlt es uns jetzt mit guten Leistungen zurück. Ich habe vorher von Philosophie gesprochen – das ist ein wichtiger Teil hiervon und sollte auch anerkannt werden. Wir leben nicht über unsere Verhältnisse.

Im Winter 2017/2018 blieb die SG in der Vorbereitung daheim, nun geht es zum ersten Mal ins spanische Huelva. Ist das vor allem dem Abstiegskampf geschuldet oder hat der Vorstand finanzielle Reserven entdeckt?

Wir haben uns bereits im Sommer darüber Gedanken gemacht und es war der Wunsch des Spielerrats und des Trainerstabs, die Wintervorbereitung anders zu bestreiten. Das war auch immer das Bestreben des Vorstands und deshalb haben wir geschaut, wie wir dieses Geld über Partner zusammenbekommen. Sie haben uns das Trainingslager ermöglicht und nun wollen wir die besseren Wetterbedingungen nutzen.

Bislang 21 Punkte bedeuten auch, dass noch etwa 24 Zähler aus 18 Spielen benötigt werden, um vermutlich auf der sicheren Seite zu sein. Keine ganz leichte Aufgabe, oder?

Nein, aber wir packen sie an. Wir brauchen vielleicht sogar etwas mehr als 24 Punkte, weil es dieses Jahr vier Absteiger gibt. Es sind 18 Endspiele für uns.

Welche Vereine sehen Sie als Hauptrivalen?

Ich denke, dass Braunschweig mit nur 14 Punkten zu Unrecht da unten steht. Die werden sicher probieren, ihren Kader zu verstärken, auch Aalen hatte ganz andere Ziele und dachte nicht dran, da unten reinzurutschen. Es wird sicher auch noch ein Klub in den Abstiegsstrudel gezogen, der im Moment denkt, am sicheren Ufer zu sein. Es werden mindestens sieben bis acht Vereine bis zum Saisonende darum kämpfen müssen, die Liga zu halten.

Zum Auftakt nach der Winterpause kommt es am 26. Januar in Kaiserslautern zum Duell mit Ex-Trainer Sascha Hildmann. Hat dieses Spiel deshalb eine besondere Brisanz?

Menschlich gar nicht. Solange Sascha hier war, war es eine super Zusammenarbeit mit ihm. Er hat auch einen ordentlichen Job gemacht. Brisanz hat das deshalb, weil die SG beim großen FCK auf dem Betzenberg spielt. Davon kannst du eigentlich nur träumen – die SG beim Klub von Fritz Walter, das muss Ansporn genug sein. Wir freuen uns deshalb riesig darauf, als Dorfklub auf dem Betzenberg vor vollem Haus aufzulaufen. Und wir wollen punkten.

Zum Artikel

Erstellt:
7. Januar 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen