Frische Wucht und Kraft für die Offensive
Der neue Stürmer Kai Brünker will mit seinen Stärken helfen, dass Aspachs Fußball-Drittligist den Abstiegskampf erfolgreich besteht
Wie viele Tore er morgen ab 14 Uhr im Heimspiel gegen Lotte erzielen will? „Egal. Wichtig ist, dass wir gewinnen. Wenn ich auch noch treffe, dann umso besser.“ Worte, die rasch klarmachen: Kai Brünker ist für den Teamsport geboren. Aspachs Zugang ist keiner, der nur an sich denkt. Der 1,90-Mann zählt zu der Sorte Fußballer, die im Drittliga-Abstiegskampf nicht die Flatter kriegen, sondern eine Schippe drauflegen.
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Ein Angreifertyp, der Zweikämpfen nicht aus dem Weg geht und seinen Körper auch dann einsetzt, wenn es wehtut: Kai Brünker (vorne).Fotos: Imago
Von Uwe Flegel
24 Jahre alt die neue Sturmspitze der SG Sonnenhof. Deren Stationen im Aktivenbereich lauten FC 08 Villingen, SC Freiburg II und Bradford City. Hört man sich dort um, dann heißt es: „Einer, der immer vollen Einsatz bringt, der ehrgeizig ist und der weiß wo das Tor steht.“ Als der gebürtige Villinger Anfang Januar vom englischen Drittligisten nach Aspach wechselte, da beglückwünschten viele Fans der sogenannten Bantams den Fautenhau-Klub per Twitter und erklärten: „Ihr habt einen Stürmer bekommen, der immer 100 Prozent Einsatz zeigt.“
In den ersten Wochen unter Schwaben bewies der Badener, dass Bradfords Anhänger der SG Sonnenhof nicht zu viel versprachen. Wuchtig, zweikampf- und kopfballstark präsentierte sich der Angreifer und Trainer Florian Schnorrenberg verspricht: „Kai ist einer, der uns sofort weiterhelfen kann.“ Beim 0:2 in Kaiserslautern klappte das nicht. „Fehlende Courage war’s keine“, sagt der Stürmer dazu und urteilt: „Vielleicht hat uns die letzte Überzeugung gefehlt und es an Mut gemangelt, Angriff bis zum Schluss konsequent durchzuspielen.“ Zudem analysiert er: „Wir haben zu viele Standards des Gegners zugelassen. Das kannst du nicht alles verteidigen.“ Und sich selbst nimmt die Offensivkraft ebenfalls in die Pflicht: „Ich hatte auch eine Kopfballchance. An guten Tagen geht die rein.“
Es ist zu spüren, dass sich Brünker mit seiner Aufgabe und dem Verein identifiziert. Dabei ist er noch nicht lange dabei. Nachdem der Vertrag in Aspach unterschrieben war, ging es vom Stadion direkt in Richtung Flughafen und ins Trainingslager im spanischen Huelva. Schon auf dem Weg nach Frankfurt sei es zu guten Gesprächen mit den neuen Mitspielern gekommen, erzählt Brünker. „Ich habe mich gleich zu Hause gefühlt, bin super aufgenommen worden und habe gemerkt, dass das hier klasse Jungs sind und alles sehr familiär ist“, lautet sein erstes Fazit in Sachen neuer Klub. Und dass er in Großaspach mit dem derzeit noch verletzten Marco Hingerl jemand vorfand, mit dem er bereits in Freiburg zusammenspielte, tat der raschen Eingewöhnung sicher auch keinen Abbruch.
Trotz all des Lobes für seine neuen Mitstreiter: Der 24-Jährige ist keiner, der Schönmalerei betreibt. Auf das Jahr in England angesprochen, sagt er: „Ich hatte super Zeiten, habe aber auch weniger gute Seiten kennengelernt.“ Zu Ersterem zählt, dass er gleich zweimal zum Man of the Match gewählt wurde, obwohl er selten Stammspieler war. Zweiteres liegt daran, dass er sich gerade dann am Sprunggelenk verletzte, als er zur Startelf gehörte. Dass er während den zwölf Monaten in Bradford gleich fünf Trainer miterlebte, spricht ebenfalls nicht für Ruhe im Klub. „Es war eine Achterbahnfahrt“, erzählt Brünker, stellt aber fest: „Ich habe nie gesagt: Es kotzt mich an. Ich habe immer Vollgas gegeben.“ Erst recht, als der schottische Ex-Nationalspieler David Hopkin Coach wurde und auf ihn baute: „Er hat die aufgestellt, die sich im Training den Hintern aufgerissen haben.“ Andererseits „wollten sie im Winter zwei neue Stürmer holen“. Zeit für den deutschen Teilzeitspieler, sich zu verabschieden. Hopkins Überredungsversuche änderten daran nichts mehr. Den 1,90-Mann, dessen Vater Dirk sich in den Achtzigern als Oberliga-Torjäger des Offenburger FV und des FC 08 Villingen sowie als Zweitliga-Stürmer unter Jörg Berger beim SC Freiburg im Badischen einen guten Namen gemacht hatte, zog es in die Heimat.
Statt Überlebenskampf in Englands Dritter Liga ist nun eben Abstiegskampf in Deutschland angesagt. Vielleicht genau das Richtige für Kai Brünker: Auf die Frage, was in der wichtigen Partie gegen die SF Lotte gefragt ist, gibt es klare Ansagen: „Hinten alles verteidigen und vorne alles reinschmeißen. Ich habe gehört, dass Lotte eine eklige Truppe ist. Da müssen wir dann halt ekliger sein.“
