Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Für Lang zählt Rostock und sonst nichts

Aspachs Interimstrainer will im Heimspiel den Negativtrend des Drittligisten stoppen und nicht über Trainerlizenzen diskutieren

„Das interessiert mich nicht.“ Markus Lang antwortet kurz und knapp. Gefragt worden war der 43-Jährige, wie viele Spiele er als Cheftrainer auf der Bank der Aspacher Drittliga-Fußballer Platz nehmen darf. Ein Thema, das für den A-Lizenz-Inhaber offenbar nicht an erster Stelle steht. Ihm ist nur wichtig, dass er mit der SG Sonnenhof morgen ab 14 Uhr das Heimspiel gegen Hansa Rostock gewinnt.

Sitzt vorläufig wieder als Chef in Aspach auf der Trainerbank: Markus Lang. Anfang März muss die SG einen neuen Mann präsentieren. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Sitzt vorläufig wieder als Chef in Aspach auf der Trainerbank: Markus Lang. Anfang März muss die SG einen neuen Mann präsentieren. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Markus Lang und das Problem mit einem fehlenden Papier. Denn wer hierzulande Cheftrainer eines Drittligisten sein will, der muss Fußballlehrer sein. Der Mann, der vor seiner Zeit in Aspach die TSG Backnang binnen vier Jahren von der Landes- über die Verbands- bis in die Oberliga führte, hat mit der A-Lizenz bisher aber nur die zweithöchste Stufe der DFB-Ausbildungsskala erklommen. Pech für ihn und den Klub aus dem Fautenhau. Ein Schein fehlt zum großen Glück. Das auch, weil Lang vergangene Saison zwar die Aufnahmeprüfung zum Fußballlehrer absolviert hat, jedoch keinen der begehrten Plätze ergatterte. „Rund 150 Bewerbungen, 20 freie Plätze“, sagt der 43-Jährige zu den Chancen und fügt an: „Zudem wollen da viel bekanntere Menschen als ich auch rein.“ Aufgegeben hat er die Hoffnung trotzdem noch nicht. „Meine Bewerbung ist raus, in zwei Wochen steht wieder die Prüfung an“, erzählt Lang und macht klar, dass er erst einmal den Test, den er im Vorjahr bereits bestanden hat, erneut absolvieren muss.

Markus Lang bleiben drei Spiele als Chef auf der SG-Bank, danach gibt’s Strafen vom DFB

Sollte er dann ab Juni zu den Auserwählten in Hennef zählen, wäre das eine klasse Sache für ihn. Der SG Sonnenhof hilft es derzeit aber nicht. Jochen Breideband, Öffentlichkeitsarbeiter beim DFB, erklärt: „Ist ein Trainer in der Dritten Liga nicht in Besitz der erforderlichen Lizenz, darf er nur übergangsweise für 15 Werktage als Cheftrainer tätig sein.“ Eine Frist, die jedesmal neu berechnet wird. Langs erster Kurzzeiteinsatz in dieser Saison gegen Duisburg zählt deshalb mehr nicht. Der 43-Jährige darf morgen gegen Rostock, dann in Köln und auch noch im Heimspiel gegen Halle ran. Danach brauchen die Schwaben einen neuen Boss auf der Bank. Wenn nicht, dann schwingt der DFB die Keule. „Da es sich um eine Zulassungsvoraussetzung handelt, würde es sich um einen Verstoß gegen den Zulassungsvertrag Dritte Liga handeln. Die Sanktionsbandbreite für Klubs reicht von Verwarnung über Geldstrafe und Punktabzug bis zum Entzug der Zulassung für die Dritte Liga“, erklärt Breideband. Sehr viel Spielraum lässt das den SG-Verantwortlichen nicht.

Aber wie schon erwähnt sind diese Dinge für Markus Lang derzeit eher zweitrangig. Er will morgen zunächst einmal den Negativtrend von neun Spielen ohne Sieg stoppen. Und zumindest verbal geht er diese schwere Aufgabe mit breiter Brust an: „Das ist ein Heimspiel, wir wollen gewinnen und eine Serie starten.“ Schließlich hat er im Abstiegskampf trotz der neun Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz noch nicht aufgegeben: „Ich mache diese Aufgabe aus absoluter Überzeugung.“ Eine Zuversicht, die er auch auf seine Elf zu übertragen versucht. „Wir stellen die Tabelle auf null, rechnen die kommenden 15 Spiele separat und wollen da unter die ersten acht kommen“, müht er sich um einen Neuanfang, mit dem er all den negativen Ballast der vergangenen Wochen aus den Köpfen der Fußballer bekommen will.

Personell gibt es dabei gegenüber der Uerdingen-Partie keine großen Veränderungen. Eventuell kehrt Innenverteidiger und Abwehrvorkämpfer Kai Gehring in den Kader zurück, nachdem sein Muskelfaserriss ausgeheilt ist. „Wir müssen schauen, ob wir ihn bis zum Spiel hinkriegen“, sagt Lang dazu. Klar ist für den Interimscoach, der für den Verein, für viele Fans und Spieler die Wunschlösung auf dem Trainerposten ist, aber auch, „dass mit einem neuen Coach immer ein, zwei Veränderungen mitkommen“. Wobei für ihn zumindest zwei Dinge immer gleich wichtig sind. Einerseits sollen Spieler und Trainer bei all dem Druck nicht die Lust an der Sache verlieren und andererseits hoch konzentriert arbeiten. „Es muss auch Zeit für einen Spaß sein, dann geht es aber wieder weiter und zur Not mit einem kleinen Tritt in den Hintern vom Trainer“, erklärt Lang seine Herangehensweise im Kampf gegen den Abstieg. Wobei er trotz der miesen Tabellensituation nicht gedenkt, seine Ansprüche an die Fußballer runterzuschrauben. „Die Leistung vom 1:1 gegen Spitzenreiter Duisburg kurz vor Weihnachten ist der Maßstab, an dem wir uns messen lassen.“

Zum Artikel

Erstellt:
14. Februar 2020, 11:30 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!