Großer Schritt, aber noch keine Sicherheit

Aspachs 1:0 über München sorgt im Drittliga-Abstiegskampf nur für ein wenig Luft – Premiere für Brünker, Comeback von Hingerl

Der große Befreiungsschlag war es nicht, ein wichtiger Erfolg im Abstiegskampf war Aspachs 1:0-Heimsieg gegen 1860 München aber auf jeden Fall. Sechs Spiele vor Schluss steht Drittligist SG Sonnenhof wieder überm Strich. „Das tut unglaublich gut“, gestand Trainer Florian Schnorrenberg. Doch er weiß, dass der Erfolg gegen die Löwen nur ein Zwischenschritt gewesen sein darf: „Es ist brutal eng da unten.“

Nach einem halben Jahr das erste Mal wieder am Ball und dann bei der spielentscheidenden Szene gleich im Blickpunkt: Aspachs lang verletzter Mittelfeldmann Marco Hingerl (links). Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Nach einem halben Jahr das erste Mal wieder am Ball und dann bei der spielentscheidenden Szene gleich im Blickpunkt: Aspachs lang verletzter Mittelfeldmann Marco Hingerl (links). Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Erleichterung war am Montagabend in Aspach nicht nur im mit über 8200 Fans fast voll besetzten Fautenhau zu spüren. Auch ein paar Hundert Meter weiter im Rathaus der 8000-Seelen-Kommune wurde aufgeatmet. Dort saß der Gemeinderat zusammen und beriet unter anderem über den Haushalt. Kurz vor Neun waren Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff, die Verwaltungsriege und die Räte bei Tagesordnungspunkt acht angelangt, der da hieß Bekanntgaben. Also nutzte Welte-Hauff die Gelegenheit und verkündete die gerade frisch eingetroffene Nachricht vom Sieg der SG Sonnenhof über die Sechziger aus München. Ganz so kräftig wie im Stadion war der Jubel nicht, groß war die Freude aber doch. Und: Prompt entspannte sich eine kurze Diskussion, ob es bei solch wichtigen Begegnungen des örtlichen Drittligisten ohnehin nicht besser sei, die Sitzung gleich von vornherein auf Dienstag zu verlegen.

Zu einer abschließenden Meinung kamen die Räte dabei ebensowenig wie Aspachs Kicker dank der drei Punkte gegen die Löwen schon ihre sechste Saison in der Dritten Liga in der Tasche haben. Um künftige Terminkollisionen mit dem DFB-Spielplan zu vermeiden, sind die Kommunalpolitiker allerdings deutlich weniger in Zugzwang als die SG-Fußballer. Auch wenn die Sportler gegen München gezeigt haben, dass sie Abstiegskampf können. Zwar war durchaus etwas Glück dabei, dass die chancenarme Partie kurz vor Schluss noch gewonnen wurde, aber das juckte in Aspach niemanden.

Vor allem den Torschützen interessierte es nicht. Kai Brünker sprühte nur so vor Freude über seinen Treffer in der 87. Minute fast über: „Wir haben uns 90 Minuten lang den Ar... aufgerissen. Jetzt bin ich einfach nur glücklich.“ Das sicher auch, da es das erste Saisontor des im Winter vom englischen Drittligisten Bradford City gekommenen Stürmers war. „Ich habe so lang nicht getroffen, das fühlt sich super an“, machte der 24-Jährige aus seinem Herzen keine Mördergrube.

Besonders war der Sieg aber nicht nur für den kantigen Angreifer, der nach dem verschossenen Strafstoß von Shqiprim Binakaj am schnellsten geschaltet und den Nachschuss aus sieben Metern ins Tor geschoben hatte. Der Erfolg brachte für die gesamte Mannschaft eine Premiere in dieser Saison mit sich. Nicht, weil die SG dank der drei Punkte wie schon erwähnt auf Rang 14 und damit auf einen Nichtabstiegsplatz kletterte. Dank des 1:0 gegen 1860 hat das Team um den SG-Kapitän und Ex-Löwen Julian Leist zum ersten Mal in dieser Saison zwei Heimsiege in Folge geschafft. Teil eins war das 2:1 vor gut zwei Wochen gegen Würzburg.

Großen Anteil am zweiten Erfolg hatte einer, der bis vor Kurzem nur noch eine Nebenrolle spielte: Mittelfeldmann Marco Hingerl. Er hatte Ende Oktober beim Aspacher 2:2 in der Vorrunde in München kurz vor Schluss einen Oberschenkelmuskelriss erlitten. Seither war er außer Gefecht. Ausgerechnet im Rückspiel gegen die Löwen feierte der 22-Jährige nun sein Comeback, als er nach 59 Minuten für den verletzten Zlatko Janjic im offensiven Mittelfeld eingewechselt wurde. Und nun war es eben jener Hingerl, den Sechzig-Verteidiger Herbert Paul kurz vor Spielende elfmeterreif zu Fall brachte. Dass Hingerl vor der Saison vom Löwen-Rivalen FC Bayern in den Fautenhau gekommen und auch noch gebürtiger Münchner ist, passt zu der gesamten Geschichte.

Ein wichtiger Sieg,

den Großaspach

teuer bezahlen muss

Wobei bei all dem Jubel eines ebenfalls nicht vergessen werden darf. So wichtig die drei Punkte für den Fautenhau-Klub auch waren, so teuer wurden sie bezahlt. Für den Abstiegskampf beim neuen Viertletzten Eintracht Braunschweig sieht es personell noch schlechter aus. Im Montagsspiel der Dritten Liga sahen sowohl Rechtsverteidiger Patrick Choroba als auch Mittelfeldspieler Philipp Hercher die fünfte Gelbe Karte. Sie sind nun ein Spiel gesperrt. Hinzu kommt, dass der in Mittelfeld und Abwehr einsetzbare Sebastian Bösel nach einer halben sowie Offensivmann Janjic nach einer Stunde verletzt rausmussten. Beide mit Verdacht auf einen Muskelfaserriss und beide sind damit gegen die Niedersachsen sehr wahrscheinlich ebenfalls nicht an Bord. Klar, dass die Freude bei Florian Schnorrenberg über den wichtigen Sieg deshalb nicht völlig grenzenlos war. Schließlich war der Erfolg nur ein weiterer Schritt, aber noch nicht der große Befreiungsschlag im Abstiegskampf. Den gibt es erst, wenn die Teamkollegen in den restlichen sechs Saisonspielen das befolgen, was Torschütze Brünker bereits direkt nach dem Duell forderte: „Wir müssen uns in den nächsten Partien genau so reinhauen wie gegen die Löwen.“

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Erstellt:
10. April 2019, 06:00 Uhr

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