In der alten Heimat nur als Zuschauer dabei

Simon Skarlatidis ist verletzt und hat Pause, wenn Kaiserslautern im Drittliga-Duell bei seinem Ex-Verein Großaspach gastiert

Es sind keine einfachen Tage für Simon Skarlatidis. Schließlich ist für ihn derzeit das angesagt, was Vollblutfußballer gar nicht mögen. Er ist verletzt und muss die Beine stillhalten. Dabei brennt der 28-Jährige auf sein Punktspieldebüt für den Drittligisten 1. FC Kaiserslautern. Nur allzu gerne hätte er es heute ab 14 Uhr dort gefeiert, wo er sportlich groß geworden ist: Im Großaspacher Fautenhau.

Für Kaiserslauterns Simon Skarlatidis bleibt beim Gastspiel der roten Teufel im Fautenhau nur die Zuschauerrolle. Der Ex-Aspacher und frühere Jugendspieler der TSG Backnang ist verletzt. Foto: Imago

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Für Kaiserslauterns Simon Skarlatidis bleibt beim Gastspiel der roten Teufel im Fautenhau nur die Zuschauerrolle. Der Ex-Aspacher und frühere Jugendspieler der TSG Backnang ist verletzt. Foto: Imago

Von uwe Flegel

„Eventuell steige ich nächste Woche wieder ins Mannschaftstraining ein“, berichtet der gebürtige Waiblinger. Die Nachwirkungen eines Schlags aufs Knie und der dabei entstandene Haarriss am Wadenbeinkopf sind am Ausklingen. „Individualtraining wie Laufen und solche Sachen mache ich bereits“, erklärt der Mittelfeldmann, der im Sommer 2009 von der A-Jugend der TSG Backnang zur SG Sonnenhof gewechselt war. Beim Verein aus dem Fautenhau hatte er sich danach über die damals in der Landesliga beheimatete zweite Mannschaft ins Regionalliga-Team gekämpft und mit diesem im Sommer 2014 den Aufstieg in die Dritte Liga geschafft. Vor vier Jahren trennten sich die Wege. Der dribbel- und schussstarke Offensivmann ging zum FC Erzgebirge Aue, stieg mit den Sachsen in die Zweite Liga auf, blieb noch ein Jahr und zog dann zum Aspacher Drittliga-Rivalen FC Würzburger Kickers weiter.

Seit zwei Monaten ist er nun in Kaiserslautern, einem Verein, dessen Anhänger darauf brennen, dass der Klub so rasch wie möglich in die Bundesliga aufsteigt. Dorthin, wo ein viermaliger deutscher Meister und zweimaliger DFBPokalsieger in den Augen seiner Fans auch hingehört. Selbstverständlich weiß Skarlatidis um die Erwartungshaltung in der wohl fußballverrücktesten deutschen Stadt und um die Tradition des FCK. „Die ist schon riesig“, sagt er und weiß, dass dies für den Druck aufs Team und für die erfolgreiche Vergangenheit des Klubs gilt. Vielleicht sagt der 1,74 Meter große Kicker deshalb: „Es gab für mich andere Optionen, aber ich habe mich ganz bewusst für Kaiserslautern entschieden.“ Eventuell ja auch, weil sich der Ex-Aspacher gute Chancen ausrechnet, mit den Pfälzern in die Zweite Liga zurückzukehren und den zwölf Einsätzen, die er dort für Aue einst absolvierte, nun weitere im Trikot des 1. FC Kaiserslautern folgen lassen kann.

Momentan geht es für den 28-Jährigen aber nur darum, so schnell wie möglich fit zu werden. Dafür arbeitet er Tag für Tag. Auch heute: „Ich trainiere morgens noch und schaue danach, dass ich es nach Großaspach ins Stadion schaffe.“ Denn in der Pfalz am Fernseher sitzend miterleben zu müssen, wie sich die Kollegen gegen den Ex-Verein aus der alten Heimat schlagen, das grenzt für ihn an Höchststrafe: „Schließlich kenne ich hier in Aspach und im Verein wirklich alles. Ich habe hier sechs Jahre gespielt, habe in der Zeit bei der SG meine Ausbildung absolviert.“ Da sind Verbindungen entstanden, die immer noch vorhanden sind. Vor allem zu Leuten aus dem Umfeld. „Zu Max Schmidt und seiner Enkelin habe ich weiterhin Kontakt“, nennt der Fußballer den Aspacher Edelfan als Beispiel. Im SG-Kader findet er mittlerweile dagegen nicht mehr viele alte Bekannte. Aus seiner Zeit sind nur noch Julian Leist, Kai Gehring und Nico Jüllich da.

Viele Erfahrungen gesammelt, selbstständiger geworden und als Mensch gereift

Dass er in der Mechatronik-Arena heute liebend gerne am Ball gewesen wäre, daraus macht Simon Skarlatidis kein Geheimnis. „Das ärgert mich schon“, sagt er dazu, dass er zum Zuschauen verurteilt ist. Er, der als junger Spieler die Sicherheit in der Heimat hinter sich ließ, um sich woanders zu beweisen. Vier Jahre später urteilt er: „Für mich war der Schritt wichtig. Ich habe meine Erfahrungen gemacht, musste selbstständiger werden und bin auch als Mensch gereift.“

Wobei er durchaus zu schätzen weiß, wo seine Wurzeln liegen. Regelmäßig besucht er seine Familie, alte Freunde und gesteht lachend: „Ich bin gerne hier im Ländle, ich bin einfach ein griechischer Schwabe.“ Einer, der weiterhin aufmerksam verfolgt, was bei seinen Ex-Vereinen wie der TSG Backnang oder der SG Sonnenhof läuft. Vor der Arbeit des Klubs aus dem Fautenhau zieht er verbal sogar den Hut: „Es ist bewundernswert, dass Aspach nun schon sechs Jahre in der Dritten Liga spielt.“ Einfach ist das sicher nicht. Doch das ist es auch für einen Vollblutfußballer nicht, wenn er gezwungenermaßen die Füße stillhalten muss.

Info
Abschied, Ticker, Shuttle

Vor dem ersten SG-Heimspiel heute gibt’s erst mal zwei Verabschiedungen. Servus sagt Aspach dem zur TSG gewechselten Shqiprim Binakaj und zum nach Kaiserslautern gegangenen Philipp Hercher.

Vom Duell mit den roten Teufeln bietet unsere Zeitung ab 14 Uhr einen Liveticker unter www.bkz.de/sport/sg-sonnenhof an. Später kommt an derselben Stelle noch ein kommentiertes Video dazu.

Die SG Sonnenhof rechnet mit mindestens 7500 Zuschauern. Deshalb bittet sie, die kostenlosen Shuttle-Busse zu nutzen. Abfahrtszeit am Backnanger Bahnhof ist um 12 Uhr (Etzwiesenbrücke 12.01, Seminar sowie Roßbergstaffel 12.02, Kleinaspach Schafhaus 12.10 Uhr). Nach dem Spiel geht es vom Fautenhau um 16.15 Uhr zurück zum Omnisbusbahnhof. Fans, die mit dem Auto anreisen, werden gebeten, frühzeitig anzureisen und die Parkflächen im Aspacher Industriegebiet Forstboden zu nutzen. Von hier sind es maximal zehn Gehminuten zur Arena.

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Erstellt:
27. Juli 2019, 06:00 Uhr

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