Kein großer Glanz, aber drei Punkte

Großaspachs Regionalliga-Fußballer gewinnen das Kellerduell gegen Stadtallendorf verdient mit 3:2, müssen jedoch am Ende noch kurz um die wichtigen Punkte zittern. Klare Pausenführung verleitet die SG Sonnenhof offensichtlich zum Leichtsinn.

Joel Gerezgiher traf kurz vor der Pause zum scheinbar sicheren 3:0 für Aspach. Am Ende musste die Elf aus dem Fautenhau erleichtert sein, wenigstens ein 3:2 ins Ziel gerettet zu haben. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Joel Gerezgiher traf kurz vor der Pause zum scheinbar sicheren 3:0 für Aspach. Am Ende musste die Elf aus dem Fautenhau erleichtert sein, wenigstens ein 3:2 ins Ziel gerettet zu haben. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Die Erleichterung bei den Großaspachern war groß nach dem 3:2-Erfolg im Kellerduell der Fußball-Regionalliga. In die Freude mischte sich allerdings auch ein wenig Ernüchterung, denn ein Glanzstück war der Sieg über Schlusslicht TSV Eintracht Stadtallendorf sicher keiner. Was beim 3:0 zur Halbzeit wie eine souveräne Vorstellung aussah, entwickelte sich nach der Pause zu einer immer zäher werdenden Angelegenheit. Am Ende mussten die Schwaben gar noch kurz um die wichtigen drei Punkte zittern.

Trainer Hans-Jürgen Boysen wirkte deshalb nach der Partie nicht überglücklich. Selbstverständlich war er zufrieden, dass seine Mannschaft zu Recht gewonnen hatte. Er war auch durchaus mit dem einverstanden, was die Elf in den ersten 45 Minuten geleistet hatte. Das 3:0 zur Halbzeit war jedenfalls hochverdient, hatte die SG doch noch zwei, drei weitere klasse Chancen gehabt. In der Endphase des ersten Spielabschnitts war es gar eine überzeugende Vorstellung und der 63-jährige Coach urteilte: „Spiel und Ergebnis hätten bis zur Pause eigentlich nicht besser laufen können.“

Richtig. Doch der erfahrene Fußballlehr weiß auch, dass so klare Geschichten gerne mal zu Leichtsinn verleiten. Deshalb habe er seiner Mannschaft in der Kabine auch gesagt, dass sie nach Wiederanpfiff unbedingt so weiter spielen und sich nicht von dem Ergebnis blenden lassen solle. Eine Warnung, die Aspachs Fußballer direkt nach dem Seitenwechsel noch im Ohr hatten. Sie standen in der Defensive weiterhin recht sicher, kontrollierten das Geschehen und versuchten mit guten Kontern, gegen den Tabellenletzten vollends die vorzeitige Entscheidung zu erzwingen. Doch das funktionierte nicht. Mal war der letzte Pass zu unpräzise, mal funkte der Kontrahent mit allerletztem Einsatz und ein-, zweimal auch durchaus foulverdächtig noch dazwischen. „Wenn wir das vierte Tor machen, dann ist die Messe gelesen“, sagte Boysen dazu und hätte noch hinzufügen können, dann wären die letzten 20 Minuten für ihn und alle, die es mit der SG halten, deutlich ruhiger geworden.

Aspach macht den Sack nicht zu
und bringt den Gegner dadurch wieder zurück ins Spiel.


So aber standen sich die Gastgeber, die mit dem wichtigen Sieg den Anschluss ans hintere Mittelfeld hergestellt haben, selbst im Weg. Nach und nach kamen die Gäste auf. Dabei machten sie nicht mehr, „außer fleißig zu sein, zu laufen und nicht aufzugeben“, wie Aspachs Trainer feststellte. Das allerdings genügte, um aufzudecken, wie wacklig das Gefüge beim Team aus dem Fautenhau immer noch ist. Erst recht, als die Hausherren die Hessen mit dem groben Schnitzer vor Stadtallendorfs erstem Treffer zurück ins Spiel gebracht hatten. Vielleicht wäre es sogar noch schiefgegangen, hätte das Schlusslicht nicht erst zu Beginn der Nachspielzeit den Anschlusstreffer erzielt, doch am Ende rettete sich die SG vollends über die Ziellinie und holte sich den völlig verdienten Sieg.

Dass dabei nicht alles Gold war, was glänzte, war zweitrangig. Zu Recht wies Hans-Jürgen Boysen darauf hin, dass „wir aus den vergangenen drei Spielen nun sieben Punkte geholt haben und das ist das Wichtigste“. Wobei die gestrigen drei Zähler nicht nur Nerven kosteten, sondern zudem eine Sperre für Nico Jüllich mit sich gebracht haben. Der Routinier, der im Mittelfeld zuletzt ein Stabilisator war, sah seine fünfte Gelbe Karte und fehlt nun im nächsten Spiel, wann immer das auch sein wird. So richtig rund will es bei der SG offenbar einfach nicht laufen, vielleicht schwankten die Beteiligten deshalb auch nach dem zweiten Heimsieg der Saison so zwischen Erleichterung und Ernüchterung.

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Erstellt:
2. November 2020, 06:00 Uhr

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