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Lang-Effekt bringt noch keine Punkte

Fußball-Drittligist Großaspach steigert sich unter dem Interimscoach vor allem kämpferisch, verliert gegen Rostock aber trotzdem

Zumindest in Sachen Ergebnis gab’s beim Fußball-Drittligisten Großaspach auch nach dem erneuten Trainerwechsel keine Trendwende. „Auch ich konnte die Punkte nicht liefern“, räumte Interimscoach Markus Lang nach der 0:1-Heimpleite des Vorletzten gegen einen keineswegs übermächtigen FC Hansa Rostock ein. Kämpferisch war’s okay, was die SG Sonnenhof anbot, aber spielerisch blieb Schmalhans Küchenmeister. Im Umgang mit den Torchancen haperte es gewaltig, dazu gesellte sich das für Kellerkinder übliche Pech.

Das ist Sportsgeist: Im Moment des Sieges tröstet der Rostocker Max Reinthaler den niedergeschlagenen Großaspacher Kai Brünker. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Das ist Sportsgeist: Im Moment des Sieges tröstet der Rostocker Max Reinthaler den niedergeschlagenen Großaspacher Kai Brünker. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Wenige Minuten, nachdem Schiedsrichter Martin Thomsen die Partie im Fautenhau beendet hatte, war Michael Ferber noch sichtlich mitgenommen. „Wir sind bitter enttäuscht, weil wir den Bock unbedingt umstoßen und das Quäntchen Glück auf unsere Seite ziehen wollten“, sagte Großaspachs Sportvorstand und kam schnell auf die vermaledeite 21. Minute zu sprechen. „Wir hatten die Möglichkeit, in Führung zu gehen, und kriegen im Gegenzug das 0:1“, haderte der 34-Jährige mit dem unsauber zu Ende gespielten Konter, aus dem der sofortige, von Erfolg gekrönte Tempogegenstoß resultierte: „Wenn wir diese Riesenchance nutzen, gibt es unserer Mannschaft eine gewisse Sicherheit, die ihr nach den Negativerlebnissen der letzten Wochen und Monate einfach fehlt.“ Eine Einschätzung, die der Trainer nicht nur teilt, sondern dick und fett unterstreicht. „Sicherlich spielentscheidend“ seien diese paar Sekunden gewesen, so Markus Lang: Anstatt den in diesem Moment eigentlich mustergültig umgesetzten Plan, über pfeilschnelle Akteure wie Orrin McKinze Gaines ins Umschaltspiel zu kommen, mit einem Treffer zu krönen, wurde der Angriff nicht einmal mit einem Torschuss vollendet und Hansa damit zum Konter eingeladen. Nach dem 0:1 habe man dann „gesehen, wie meine Spieler erst einmal wieder in sich zusammengeklappt sind“, betonte der Trainer. Dass die Kugel kurz darauf nach dem Schuss von McKinze Gaines an den linken Innenpfosten klatschte, ist für den 43-Jährigen „Pech, aber so ist es eben, wenn du im Tabellenkeller stehst“.

Insgesamt war’s eine Leistung mit Licht und Schatten. Vor allem im kämpferischen Bereich könne man der Mannschaft „keinen Vorwurf machen, sie hat alles rausgehauen“, lobte Lang. „Einstellung und Wille waren da“, hob der wie immer unter Strom stehende, für den kurzen Disput mit dem Referee in der Nachspielzeit mit der fünften Gelben Karte bestrafte und damit in Köln (Freitag, 19 Uhr) gesperrte Kai Gehring zwei Selbstverständlichkeiten hervor. „Wir haben uns mehr Torchancen erspielt als in den vorherigen Spielen“, schrieb Kapitän Julian Leist einen weiteren Punkt auf die Liste mit den positiven Aspekten.

Zu den Defiziten zählten die nicht allein in dem einen Fall schlampig zu Ende gespielten Konter. Es braucht mehr Präzision, um die Stürmer in Stellung zu bringen, und mehr Konsequenz, um zu vollstrecken. „Spielerisch ist Luft nach oben“, schreibt der Trainer seinem Team ins Stammbuch, „aber das ist in unserer Situation ja nicht anders zu erwarten. Die Jungs sind verunsichert, wie sollte es auch anders sein.“

Obwohl diese Niederlage einen weiteren Nackenschlag für die Aspacher bedeutete, war zu erkennen, dass es nicht nur so dahergesagt ist, wenn Julian Leist behauptet: „Markus Lang hat uns in den wenigen Tagen wieder frischen Wind eingehaucht.“ Das Problem: Weil die vier in der Tabelle vor der SG positionierten Vereine alle jeweils ein Remis schafften, wuchs der Abstand auf das rettende Ufer sogar auf zehn Punkte an. Da ist es nur realistisch, davon zu sprechen, dass die Lichter im Keller so langsam ausgehen, doch damit wollen und dürfen sich die Protagonisten selbst noch nicht abfinden. Also packen sie die üblichen Durchhalteparolen aus – weil ihnen nichts anderes übrig bleibt und es ja auch stimmt, wenn Gehring erklärt: „Wir brauchen Punkte, Punkte, Punkte.“ Um die Marke von 45 Zählern zu knacken, die in der Regel zum Drinbleiben reichen, sind neun Dreier aus den letzten 14 Partien nötig. Wahrlich eine Herkulesaufgabe, aber „die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir tun alles, um das Unmögliche noch möglich zu machen“, kündigt Gehring an. „Solange es rechnerisch möglich ist, geben wir alles“, pflichtet ihm Leist bei: „Wir brauchen so schnell wie möglich ein Erfolgserlebnis.“

Es werde nicht einfach, aber es sei noch machbar, betätigte sich in der Pressekonferenz sogar Hansa-Trainer Jens Härtel als Mutmacher. Neben ihm saß mit Markus Lang der Mann, der wegen der fehlenden Fußballlehrerlizenz maximal bis 4. März und damit noch in den nächsten zwei Duellen in Köln und gegen Halle der Boss auf der SG-Bank sein darf. Diese Zeit will der Klub nutzen, um eine Lösung bis Saisonende zu finden, die zu den DFB-Regularien passt. „Wir wollen Markus auf jeden Fall im Team dabei haben, wenn es möglich ist“, betont Michael Ferber. Für die Regionalliga würde die vorhandene A-Lizenz ohnehin reichen, und nicht zuletzt für diese Spielklasse muss Aspach ab sofort planen. Alles andere wäre fahrlässig, obwohl es schon Fußballwunder gegeben hat.

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Erstellt:
17. Februar 2020, 06:00 Uhr

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