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Lange Gesichter und große Ratlosigkeit

Fußball-Drittligist Großaspach verliert gegen Ingolstadt ein Spiel und viel vom gerade erst neu erworbenen Selbstvertrauen

Der Schlag saß. Richtig tief sogar. Statt Aufbruchstimmung herrscht in Großaspach nur eine Woche, nachdem beim 2:0 gegen Chemnitz der erste Heimsieg gelungen war, schon wieder die Tristesse. 1:5 gegen Ingolstadt. Die Fußballer aus dem Fautenhau haben nicht nachlegen können, sondern vom Ex-Erstligisten aufgezeigt bekommen, wie es in der Dritten Liga nicht geht.

Aspach am Boden, Ingolstadt jubelt. Spätestens nach Dennis Eckerts Tor zum 2:1 brachen bei der SG die Dämme. Was gut begonnen hatte, endete mit einer herben 1:5-Niederlage. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Aspach am Boden, Ingolstadt jubelt. Spätestens nach Dennis Eckerts Tor zum 2:1 brachen bei der SG die Dämme. Was gut begonnen hatte, endete mit einer herben 1:5-Niederlage. Foto: T. Sellmaier

Von Uwe Flegel

Gut 20 Minuten waren am Samstagnachmittag in Aspach gespielt, als die Anhänger der SG Sonnenhof zufrieden auf den Tribünen saßen und standen. Ihre Mannschaft dominierte, war gefährlich und führte nach einem klasse Treffer von Panagiotis Vlachodimos mit 1:0. Auf der anderen Seite stand ein Titelaspirant, dem das sechste sieglose Spiel in Folge drohte. „Bei uns war die Unsicherheit zu spüren“, beschrieb Ingolstadts Coach Jeff Saibene nach der Partie die Phase und SG-Trainer Oliver Zapel urteilte: „Wir hatten eine sehr gute Anfangsphase.“

Doch dann kam die 24. Minute und eine Szene, die alles änderte. „Ein einzelner Einwurf, eine Kopfballverlängerung sorgen dafür, dass bei uns die Dämme brechen – das ist bedenklich“, sagte Zapel mit düsterer Miene und fügte an: „Und das nach einer Aktion des Gegners, die wir in der Spielvorbereitung besprochen und auf die wir hingewiesen hatten.“ Doch wie im richtigen Leben gilt auch für den Fußball: Reden ist das eine, Tun das andere. Fakt ist nicht erst seit dem 1:5 gegen Ingolstadt, dass die SG Sonnenhof in der Defensivarbeit in dieser Saison zu oft nicht alles versucht, um gegnerische Tore zu verhindern. Von der einstigen Abwehrstärke ist momentan wenig übrig geblieben. Das mag an der Qualität liegen, ist vor allem aber eine Frage des Willens. Zapel jedenfalls stellte fest: „Beide Teams haben ein astreines 4:4:2 gespielt, deshalb war das ein Spiel Mann gegen Mann und in dem haben wir die meisten Zweikämpfe verloren.“

Richtig. Nach dem Ausgleich war von Aspachs Herrlichkeit der ersten Minuten nur noch selten was zu sehen. Der Titelaspirant aus Oberbayern spielte, die Gastgeber liefen und schauten meist hinterher. Zwar gab es in der Offensive immer mal wieder den einen oder anderen Lichtblick und Nadelstich, doch im Rückwärtsgang legte die SG den Schalter wie schon öfter in dieser Saison nicht richtig um. So wie beim 1:2 nach einer halben Stunde, als ein Ball in die Tiefe, ein Querpass und ein schneller Antritt die Hintermannschaft überforderte. Wobei der Treffer von Dennis Eckert nur das Resultat davon war, dass Robin Krauße alle Zeit der Welt hatte, um für sein Zuspiel aus dem Mittelfeld einen Adressaten im Strafraum zu finden. Druck vom Gegner gab’s keinen.

Hängende Köpfe und Schultern nach dem Rückstand

Dafür sah es nach dem Rückstand so aus, als liege auf den Schultern der Hausherren ein zentnerschwerer Druck. Der Coach sprach „von einem kollektiven Stromausfall bei uns“. Und: „Uns hat der Anker gefehlt.“ Einer, der bereits im zentralen Mittelfeld dafür sorgt, dass ein spielstarker Kontrahent wie Ingolstadt nicht schalten und walten kann, wie er will. Einer, der erkennt, dass der Gegner in seiner Defensive ebenfalls nicht sattelfest ist. Der 51-jährige Trainer der Fautenhau-Elf fand die Reaktion seines Teams jedenfalls „besorgniserregend“ und es fiel das Wort „Tatenlosigkeit“.

Besonders bitter sind solche Erkenntnisse für eine Mannschaft, die selbst stets betont, dass sie „immer 100 Prozent geben muss, um in dieser Liga mitzuhalten“. Stellt sich die Frage, ob das derzeit eine Sache der Qualität oder der Mentalität ist? „Beides“, urteilt Oliver Zapel, runzelt die Stirn und sagt über eine eventuelle Rückkehr des verletzten Jamil Dem: „In naher Zukunft nicht.“ Kurz, knapp und besorgt kommen die Sätze. Auch der Coach sieht, wie sehr der lauf- und zweikampfstarke Mittelfeldmann fehlt.

Die Alternativen, die Anker für mehr Stabilität im Defensivverbund sollen deshalb nun diejenigen sein, die bisher keine oder nur untergeordnete Rollen spielten. Ken Gipson zum Beispiel, der kurz nach Saisonstart vom Zweitligisten Sandhausen kam, wegen einiger Verletzungen in den vergangenen Runden aber selten spielte. Er könnte hinten rechts für Sebastian Bösel übernehmen, damit der seine eigentlich Rolle als Mittelfeldorganisator wieder spielen kann. Ein anderer Kandidat ist Charmaine Häusl. Der frühere deutsche Jugend-Nationalspieler wechselte vor der Saison vom Regionalliga-Team des FSV Mainz in den Fautenhau und zeigte in der Vorbereitung im zentralen Mittelfeld zum Teil ordentliche Leistungen. Zapel will zu solchen Spekulationen und Namen nicht viel sagen und gibt doch viel preis: „Am Donnerstag haben wir ein Testspiel gegen den Zweitligisten Heidenheim, da können sie’s zeigen.“ Klar ist jedoch, dass es nicht nur die möglichst rasch zeigen müssen, die bisher selten oder nie zur ersten Garnitur zählten, sondern auch die sogenannten Etablierten.

Denn die ergaben sich gegen Ingolstadt ebenfalls dem Schicksal. Dank der sogenannten Länderspielpause, in der die SG kommenden Samstag im WFV-Pokal-Achtelfinale zum Landesligisten Stammheim muss, hat sie etwas mehr Zeit, das Heimspiel gegen Ingolstadt aufzuarbeiten. Erst am 19. Oktober geht es wieder um Punkte. Um wichtige Punkte, muss die auf den viertletzten Platz zurückgefallene Fautenhau-Elf doch zum Drittletzten Preußen Münster. Zuerst geht’s am morgigen Dienstag aber erst einmal zum SG-Wasentag aufs Volksfest. Manch einem hat’s ja schon geholfen, den Frust einfach wegzufeiern.

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Erstellt:
7. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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