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Lockere TSG, auf der SG lastet der Druck

Klare Rollenverteilung vor dem heutigen WFV-Pokalspiel

„Die SG müsste einen schlechten Tag erwischen, wir einen Sahnetag.“ Evangelos Sbonias weiß, was passieren muss, damit Fußball-Verbandsligist TSG Backnang im heutigen WFV-Pokal-Drittrundenspiel (17.15 Uhr, Etzwiesenstadion) gegen den Fußball-Drittligisten Großaspach vielleicht doch als Sieger vom Platz geht. Ob dieser Fall eingetreten ist, erfährt der Trainer der Roten, wenn er das Handy wieder einschaltet: Sein Urlaubsflieger hebt pünktlich zum Anpfiff ab.

Das Duell mit dem früheren Chef fällt aus: TSG-Coach Evangelos Sbonias (im Vordergrund), in Großaspach und Bremen einst Assistent von SG-Trainer Oliver Zapel, sitzt pünktlich zum Anpfiff des heutigen WFV-Pokalspiels im Flugzeug, das ihn in den wohlverdienten Urlaub bringt. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Das Duell mit dem früheren Chef fällt aus: TSG-Coach Evangelos Sbonias (im Vordergrund), in Großaspach und Bremen einst Assistent von SG-Trainer Oliver Zapel, sitzt pünktlich zum Anpfiff des heutigen WFV-Pokalspiels im Flugzeug, das ihn in den wohlverdienten Urlaub bringt. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Damit entfällt das direkte Aufeinandertreffen von Sbonias mit Oliver Zapel, dem der 36-Jährige in der Saison 2016/2017 in Aspach und von November 2017 bis Februar 2018 bei Werder Bremen II als Assistenzcoach zur Seite stand. „Das ist schade, da ich ihn gerne getroffen hätte“, betont der SG-Trainer, „unser Verhältnis ist geprägt von vielen bleibenden Erinnerungen. Wir haben gemeinsam unsere ersten Meriten im Profibereich erworben“. Sbonias spricht sogar von einem freundschaftlichen Verhältnis und erinnert sich an eine „sehr intensive Zeit, die wir miteinander verbracht haben“. Als sich vor mittlerweile gut neun Monaten in Backnang jedoch die Möglichkeit bot, selbst wieder der tonangebenden Mann zu werden, schlug er zu.

Seit seinem Amtsantritt in den Etzwiesen habe er kaum einen freien Tag gehabt, „und meine Akkus müssen auch mal wieder aufgeladen werden“, erklärt der TSG-Trainer, warum er seinen schon lange geplanten und mit dem Verein abgestimmten zweiwöchigen Urlaub trotz dieses so prestigeträchtigen WFV-Pokalduells nun auch tatsächlich antritt. Er habe nach der Auslosung zwar noch alles versucht, die Flüge nach Griechenland irgendwie sinnvoll umbuchen zu können, „aber das hat sich als nicht praktikabel erwiesen, und ich bin aus privaten Gründen auf die Schulferien angewiesen“. Bei der sportlichen Leitung des Verbandsligisten stieß Sbonias auf absolutes Verständnis, aber ungeachtet dessen „tut es extrem weh, bei diesem Spiel nicht dabei zu sein“. Er wird sein Team noch in allen Details auf den Vergleich mit dem Drittligisten einstimmen, sich dann aber komplett auf seine Co-Trainer Darko Milosevic und Salvatore Rivarolo verlassen, die heute ab 17.15 Uhr auf der Bank das Sagen haben – just zu dem Zeitpunkt startet in Stuttgart der Flieger mit Sbonias an Bord, der nach der Landung sicher als Erstes nach dem Resultat gucken wird.

„Wir lieben den Fußball, weil er immer wieder für Überraschungen gut ist“, möchte der A-Lizenz-Inhaber die Hoffnung auf einen Coup seiner Truppe nicht schon vorher aufgeben. Weil es für die TSG aber die dritte englische Woche am Stück ist, „spüren wir deutliche Verschleißerscheinungen, das ist für ein Amateurteam nicht verwunderlich“. Zudem müssten seine Jungs bis kurz vor dem heutigen Treffpunkt arbeiten oder studieren. So viel zu den Nachteilen des Außenseiters, der aber auch Pluspunkte in die Waagschale werfen kann – zum einen den, dass im Vergleich zum 1:1 in Leinfelden-Echterdingen am vergangenen Samstag der Kapitän Oguzhan Biyik aus seinem Urlaub zurückgekehrt ist, und zum anderen allen voran den, keinerlei Druck zu verspüren. „Das Spiel ist für Großaspach viel wichtiger als für uns“, betont Evangelos Sbonias: „Sie wollen den WFV-Pokal unbedingt gewinnen. Das würden wir zwar auch gerne, aber die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich gering.“

Damit ist die Fallhöhe für die Gäste, die wie beim 0:3 gegen Köln vor drei Tagen auf Jonas Meiser, Joel Gerezgiher, Michael Vitzthum und Timo Röttger verzichten und zudem noch ohne den grippekranken Sebastian Bösel auskommen müssen, viel ausgeprägter. Zumal die SG Sonnenhof in diesem Wettbewerb seit dem Triumph im Jahre 2009 viele Enttäuschungen erlebte, immer wieder gegen unterklassige Rivalen die Segel streichen musste. Zum Beispiel auch in Zapels erster Amtszeit, als es in Freiberg im Achtelfinale ein 0:4 nach Verlängerung setzte. Der 51-Jährige erinnert sich an viele Torchancen seines Teams und dann einen Treffer des Gegners „aus dem Nichts“. Danach wollte Aspach die Wende voller Ungeduld erzwingen und kassierte drei weitere Buden. Aus diesem Erlebnis zieht der Fußballlehrer folgende Erkenntnis: „Wir wollen den Pokal gewinnen, aber auch Spaß haben. Wir dürfen uns nicht zu sehr unter Druck setzen.“ Zapel nimmt die Favoritenrolle gleichwohl an, auch wenn er in den Backnangern keinen normalen Verbandsligisten sieht, sondern ihnen den Kader eines guten Oberligisten attestiert.

Zu dem mit Shqiprim Binakaj ein Routinier zählt, der elf Jahre Aspachs Trikot trug, ehe er vor dieser Saison zur TSG zurückkehrte. „Ich freue mich riesig auf das Spiel und hoffe auf ein echtes Fußballfest“, sagt der 30-Jährige und ist entspannt: „Möge der Bessere gewinnen.“ Damit dies sein alter und neuer Verein ist, müsse das eintreten, worauf auch sein Trainer hofft: Dass Backnang einen Sahnetag erwischt und bei Aspach nur sehr wenig klappt.

Hintergrund
Backnang gewinnt erstes Nachbarschaftsduell, die Gesamtbilanz spricht für Großaspach

Die Geschichte der Nachbarschaftsduelle zwischen der TSG Backnang und der SG Sonnenhof Großaspach beginnt 1994/1995. Offiziell heißt der Klub aus dem Fautenhau in dieser Landesliga-Saison wegen des Meldezeitpunkts beim WFV zwar noch FC Sonnenhof Kleinaspach, doch die Fusion mit der Spvgg Großaspach wird bereits am 25. August 1994 vollzogen. Am Sonntag, 6. November, gewinnt die TSG das Auswärtsspiel mit 5:0, für die Tore sorgen Andreas Fried, Dirk Anwender, Steffen Karsch und Marcel Lindner sowie Peter Sedlatschek (Eigentor).

Mit dem 2:1-Sieg im Rückspiel im Etzwiesenstadion am 13. Mai 1995 macht Backnang den Wiederaufstieg in die Verbandsliga im dritten Anlauf perfekt und siegt drei Monate später auch im bislang einzigen WFV-Pokalspiel im Fautenhau mit demselben Ergebnis. Bis 1998 gibt’s danach keine weiteren Pflichtspiele mehr. Dann müssen die Roten wieder in die Landesliga runter, die folgenden acht Duelle bringen sechs Großaspacher Siege, nur einen Dreier für die TSG und ein Unentschieden. Nach dem 2:0-Erfolg durch den Doppelpack von Jörg Kirsten feiert die SG Sonnenhof ihren Verbandsliga-Aufstieg am 1. Juni 2002 ausgerechnet am Fuße des Murrtalviadukts beim großen Kontrahenten.

Zwölf Monate später schafft auch Backnang den Sprung nach oben, hält sich aber nur eine Runde im württembergischen Oberhaus. Das Hinspiel verliert die TSG zu Hause mit 0:3, mit dem 3:3 im Rückspiel im Fautenhau ist der Abstieg nach dem vorletzten Spieltag besiegelt. Zwei der drei SG-Tore erzielt mit Zlatko Blaskic einer, der vorher und nachher auch als Spieler und Trainer in den Etzwiesen aktiv ist und heute im WFV-Pokalspiel als Co-Trainer von Oliver Zapel beim Sonnenhof auf der Bank sitzt. Während Großaspachs Erste über die Verbands-, Ober- und Regionalliga 2014 in der Dritten Liga landet, verharrt die TSG bis zum selben Jahr in der Landesliga. Dort kommt es zwischen 2008 und 2012 zu acht Duellen mit der SG Sonnenhof II, die Bilanz schmerzt den Traditionsverein: Drei Niederlagen steht nur ein Sieg gegenüber, viermal werden die Punkte geteilt. Von 2012 bis 2014 spielt Großaspachs Zweite sogar höher als die Backnanger, die dann allerdings zum Höhenflug bis in die Oberliga ansetzen. Anders die SG-Reserve, die nach dem Abstieg in die Landesliga nur noch eine Saison absolviert und schließlich 2015 abgemeldet wird.

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Erstellt:
27. August 2019, 06:00 Uhr

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