Mit Herz, Spaß und einem kühlen Kopf

Für Aspachs Drittliga-Fußballer Timo Röttger und Jannes Hoffmann ist das Abstiegsfinale bei Fortuna Köln eine Art Heimspiel

Leidenschaft, Spaß und ein klarer Kopf: Timo Röttger und Jannes Hoffmann wissen, was Aspachs Drittliga-Fußballer brauchen, um morgen in Köln die Liga zu halten. Ab 13.30 Uhr steht für die SG zum Saisonabschluss das wohl wichtigste Spiel der gesamten Runde an. Ganz besonders ist das Abstiegsfinale bei der Fortuna für Timo Röttger und Jannes Hoffmann, ist es doch ein Auftritt in der alten Heimat.

Jannes Hoffmann kennt derzeit nur ein Ziel: Den Drittliga-Verbleib mit der SG Sonnenhof.

© Sportfotografie Alexander Becher

Jannes Hoffmann kennt derzeit nur ein Ziel: Den Drittliga-Verbleib mit der SG Sonnenhof.

Von Uwe Flegel

Über 300 Fans wollen die 350 Kilometer einfache Wegstrecke auf sich nehmen und die Fautenhau-Elf zum Endspiel ins Südstadion begleiten. Außerdem hat die SG zwei Spieler dabei, die sich in Köln zusätzlicher Unterstützung erfreuen. Timo Röttger und Jannes Hoffmann stammen aus dem Oberbergischen. Für beide bedeutet die westlich davon gelegene Millionen-Metropole am Rhein auch Heimat. „Wir fühlen uns wie Kölner“, bestätigt Hoffmann und schätzt, dass es 100 Verwandte, Freunde und Bekannte werden, die ihm, Timo Röttger und ihren Mitstreitern zur Seite stehen: „Mein Bruder Lukas hat mir zum Beispiel erzählt, dass er mit seiner kompletten Mannschaft da ist und mein ehemaliger Grundschuldirektor will auch kommen.“

Das Saisonfinale in der Domstadt könnte für die SG zum Heimspiel werden. Zumindest für den Mittelfeldmann und den Angreifer. Wobei die Bindung zur Karnevalshochburg und ihre Herkunft nicht ihre einzigen Gemeinsamkeiten sind. Eine weitere ist der FV Wiehl. Für den Landesliga-Klub waren sowohl Hoffmann wie auch Röttger als Jugendliche am Ball. Persönlich kennengelernt haben sich die zwei Rheinländer aber erst im Schwabenland. Jannes Hoffmann erzählt: „Ich habe Timo zuvor nur vom Namen her gekannt.“ Bei einem Verein, der von der Größenordnung und der Bedeutung in Sachen Jugendarbeit mit der TSG Backnang vergleichbar ist, bekommt man es schließlich mit, wenn einer der ihren Profifußballer wird.

Das stellt sich bei Timo Röttger nicht anders dar. Er, der als Steppke beim SV Wiedenest begonnen hat und über Wiehl in die Nachwuchsabteilung von Bayer Leverkusen wechselte, sagt: „Zwischen Jannes und mir liegen zwar zehn Jahre Altersunterschied, aber wenn einer aus deiner Region Jugend-Nationalspieler ist, dann weiß man das.“ Wobei sein heutiger Mitspieler, im Gegensatz zu ihm, von Wiehl nicht nach Leverkusen, sondern zum 1. FC Köln ging. „Ab der U 13 habe ich dort gespielt und bin mit 16 ganz nach Köln gezogen“, erzählt Hoffmann, der im Sommer 2017 über den Umweg 1. FC Nürnberg II in den Fautenhau kam. Einen Stammplatz im zentralen Mittelfeld hat er sich in den fast zwei Jahren allerdings noch nicht erkämpft. „Als ich gekommen bin, war ich verletzt und auch diese Saison habe ich in der Vorbereitung wegen einer Verletzung gefehlt“, erklärt der 23-Jährige, der Ende März beim 2:1 gegen Würzburg mit einem Tor in der Nachspielzeit aber sehr großen Anteil an einem sehr wichtigen Heimdreier hatte. Dass er sich bei der SG eine größere Rolle als die eines Einwechselspielers erhofft hat, bestreitet Hoffmann nicht, doch er sagt klipp und klar: „Jetzt geht es gerade nur darum, die Liga zu halten, und ich habe das Gefühl, dass wir das schaffen können und werden.“

Fokus liegt einzig und allein auf dem Drittliga-Verbleib

Sein erfahrener Mitstreiter sieht das nicht viel anders. Timo Röttgers ist sich sicher: „Wenn wir mit Euphorie, Leidenschaft und Spaß an die Aufgabe rangehen, dann schaffen wird das.“ Dass es im Endspiel gegen eine Mannschaft geht, in der mit Verteidiger Sebastian Schiek und Trainer Oliver Zapel zwei Ex-Aspacher stehen, ist für den vor vier Jahren vom Kölner Regionalligisten Viktoria nach Aspach gewechselten Offensivmann nicht ganz so bedeutend. Denn: „Wichtig ist nur, dass meine Mannschaft, dass unser Verein in der Liga bleibt.“ Deshalb liege sein Fokus derzeit einzig und allein auf dieser so wichtigen Partie. Dass ein Teil der Hoffnungen des Klubs und der Fans auch auf ihm als bestem Torschützen des Teams liegen, weiß der 33-Jährige und sagt: „Ich versuche, meinen Teil beizutragen, versuche, meiner Mannschaft zu helfen. Aber mir ist egal, ob ich, ein Kai Gehring, ein Julian Leist oder sonst jemand das Tor macht.“ Entscheidend sei nur, dass es zum Sieg und damit zum Aspacher Klassenverbleib reicht.

Wer nicht zum Abstiegsfinale nach Köln fährt, ist beim Duell im Südstadion dennoch stets am Ball. Im Internet gibt’s ab 13.30 Uhr unter www.bkz.de einen Liveticker. Später kommt an selbiger Stelle noch ein kommentiertes Video dazu.

Geht auch morgen in Köln wieder voran: Großaspachs Torjäger Timo Röttger.  Fotos: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Geht auch morgen in Köln wieder voran: Großaspachs Torjäger Timo Röttger. Fotos: A. Becher

Hintergrund
Fünf Teams zittern vor den zwei restlichen Tickets des Grauens – Lotte hat im Abstiegskampf die schlechtesten Karten

Abgestiegen sind bereits der VfR Aalen (30 Punkte) und Aspachs morgiger Kontrahent Fortuna Köln (39). Als Drittletzter hat Lotte (40) zwei Punkte Rückstand auf den Viertletzten SG Sonnenhof (42). Drei Zähler fehlen auf den Fünftletzten FC Carl Zeiss Jena (43). Das heißt: Lotte muss sein Heimspiel gegen den Tabellenfünften Würzburg auf jeden Fall gewinnen, wenn es noch auf den rettenden fünftletzten Platz kommen will. Gleichzeitig muss die Elf aus dem Tecklenburger Land hoffen, dass sowohl Aspach (wegen des klar besseren Torverhältnisses) in Köln wie auch Jena daheim gegen 1860 München ihre Duelle verlieren.

Großaspach muss im Gegensatz zu Lotte nicht zwei Plätze, sondern nur einen Rang gut machen, um in der Liga zu bleiben. Dafür hat die Elf aus dem Fautenhau zwei Möglichkeiten. Sie spielt morgen im Kölner Südstadion unentschieden und hofft, dass Jena sein Heimspiel gegen die Löwen verliert. Sicher gerettet ist die SG Sonnenhof, wenn sie gegen das Team ihres Ex-Trainers in welcher Höhe auch immer gewinnt. Denn gleichzeitig stehen sich mit Braunschweig und Cottbus zwei Vereine direkt gegenüber, die beide 44 Punkte haben. Heißt: Gewinnt die SG Sonnenhof, kommt sie auf 45 Zähler. Diesen Punktestand erreichen zwar sowohl Braunschweig wie Cottbus ebenfalls, sofern sie sich unentschieden trennen. Beide haben aber das schlechtere Torverhältnis (minus 6 und minus 7 Treffer) gegenüber Aspach (minus 3). Sollte es im Duell Eintracht gegen Energie einen Gewinner geben, dann bleibt der Verlierer bei 44 Zählern kleben und muss hoffen, dass neben Aspach nicht auch noch Jena gewinnt. Nachteil für den FC Carl Zeiss im Abstiegskampf ist übrigens, dass er (minus 13) zusammen mit Lotte (minus 14) ein deutlich schlechteres Torverhältnis als die anderen drei Mannschaften hat.

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Erstellt:
17. Mai 2019, 06:00 Uhr

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