Mit Ruhe und Kampf wider die Statistik
Kapitän Julian Leist sieht SG-Defensive auf Weg der Besserung
Julian Leist gilt als große Stütze der Aspacher Defensive. Die war lange Zeit das Glanzstück des Fußball-Drittligisten. Diese Saison hält die SG-Abwehr aber selten dicht. Das weiß der Kapitän: „Wenn die Statistik sagt, dass wir mehr Gegentore bekommen haben als in den vergangenen Jahren, dann ist das ein Fakt.“ Einer, den er aber nicht einfach so hinnimmt. Julian Leist kämpft darum, dass die alte Stärke bald wieder sichtbar ist. Am besten bereits am Sonntag, wenn ab 13 Uhr der FC Carl Zeiss Jena im Fautenhau gastiert.
© Sportfotografie Alexander Becher
Großaspachs Kapitän Julian Leist blickt differenziert auf die bisherige Saison. In der verdienten sich er und seine Mitstreiter für ihre Leistungen nicht immer nur Beifall. Foto: A. Becher
Von Uwe Flegel
31 Jahre alt ist Julian Leist mittlerweile. Auf dem Platz war er eigentlich nie ein Hitzkopf, sondern eher einer, der seine Arbeit ruhig, sachlich und mit einer sehr geringen Fehlerquote verrichtet. Nicht umsonst sahen die Trainer in ihm ihren Abwehrorganisator. Das war bei den Stuttgarter Kickers so, das war in seiner Zeit beim Regionalligateam des TSV 1860 München sowie beim Drittligateam des FC Bayern München so und das ist mittlerweile seit fünfeinhalb Jahren in Großaspach so. Dort, wo er nunmehr seit eineinhalb Jahren nicht mehr nun Abwehrboss ist, sondern auch Kapitän. Er, der mittlerweile 270 Drittligaspiele auf dem Buckel hat, von denen er 183 Partien im Trikot der SG Sonnenhof absolvierte. Zweikampfstark, konzentriert und mit einer für einen Abwehrspieler erstaunlich geringen Zahl an Fouls.
Mehrere Bausteine haben bislang zu selten richtig zusammen gepasst
Unaufgeregt versucht der gebürtige Stuttgarter, die sportlich schlechte Situation zu analysieren. „Alles nur mit Pech und Fehlern von Schiedsrichtern zu begründen, das wäre zu einfach“, ist so ein Satz, der zeigt, dass hier jemand um eine differenzierte Sichtweise bemüht ist. Das bedeutet, vor allem sich und die Seinen in die Pflicht zu nehmen, wenn es um die Frage geht, warum Aspach erneut im Abstiegskampf steckt. „Wir hatten viele Spiele, in denen der Fußballgott nicht auf unserer Seite war. Wir hatten aber auch einfach schlechte Spiele wie gegen Ingolstadt oder in Halle.“ Er hätte die Heimpartien gegen Viktoria Köln und Waldhof Mannheim noch dazu nehmen können. Für Julian Leist gibt es nicht den einen Faktor. Es sind mehrere Bausteine, die nicht immer gepasst haben. Zum Beispiel der Ausfall von Jamil Dem. „Er ist ein Spielertyp, der uns sehr gut zu Gesicht steht, er ist sehr lauf- und defensivstark“, sagt der Mann aus der Abwehrzentrale über den zentralen Mittelfeldmann, der sich beim 3:0 am dritten Spieltag in Würzburg eine Muskelprellung im Oberschenkel zuzog, die ihn danach erst behinderte und seit Ende August außer Gefecht setzt. „Die Aufgabe, die Jem allein erfüllt hat, die müssen auf mehrere Schultern verteilt werden“, sagt der SG-Kapitän und weiß, dass dies nicht immer geklappt hat. Folge davon war unter anderem eine latente Konteranfälligkeit, denn „Wir spielen diese Saison offensiver, das bedeutet eben auch mehr Risiko.“
Der 1,92 Meter große Abwehrstratege sieht seine Elf auf einem guten Weg zu mehr Stabilität in der Defensive. Das war in den vergangenen Wochen durchaus zu erkennen, obwohl die Ergebnisse in Meppen und daheim gegen Magdeburg (1:2) noch nicht gepasst haben. Nun bei den Löwen stimmten für Julian Leist Leistung und Ausbeute. „Der Punkt in Unterzahl in München hat in den Köpfen nochmals was frei gesetzt und ich spreche bewusst von einem Punktgewinn.“ Einer, der in der Tabelle aber nicht arg viel gebracht hat. Julian Leist warnt davor, sich deshalb verrückt zu machen. „Jeder von uns weiß doch, was wir aufzuholen haben, aber die Saison ist noch lang, Wir brauchen das richtige Maß an Lockerheit und dürfen nicht verkrampfen.“
Deshalb kann ein Vorteil sein, dass im Fautenhau die Uhren ein wenig anders ticken als bei Konkurrenten, die stolz auf ihre Tradition verweisen. Klar, auch Aspachs Fans sind unzufrieden, wenn die SG verliert. „Aber wir sind der Dorfklub, da bleiben die Fans länger ruhig, wir können mit ihnen reden, wir kennen ja auch fast jeden mit Namen“, erklärt Julian Leist. Das wiederum heißt nicht, dass die Vereinsverantwortlichen keine Erwartungen an die Spieler hätten: „Von Janni Koukoutrigas oder von Michael Ferber gibt’s durchaus klare Ansagen, die kommen dann aber auch zu Recht.“
Dass nach den letzten zwei SG-Heimspielen vor der Winterpause deutliche Worte nötig sind, will Aspachs Kapitän mit dem richtigen Mix aus Lockerheit, Konzentration und Kampfgeist verhindern. Heißt einerseits: „Nach Jena ist die Saison erst zur Hälfte rum und auch gegen den Tabellenletzten gibt es nur drei Punkte.“ Andererseits: „Es ist ein Heimspiel und wir sind einfach mal an der Reihe, den zweiten Heimsieg zu landen.“ Zumal danach ja noch Spitzenreiter Duisburg in den Fautenhau kommt. Julian Leist fordert: „Bis Weihnachten haben wir jetzt nur noch 180 Minuten plus Nachspielzeit, da können wir die Akkus noch mal völlig leer machen.“
Zum letzten Aspacher Vorrundenspiel wurden im Rahmen des Kinder- und Jugendtages Kinder aus den Schulen, Kindergärten und Vereinen der Region eingeladen. Auch der Nikolaus hat sich für die Partie angekündigt und einige Überraschungen im Gepäck.
Die SG Sonnenhof bittet alle Heim- und Gästefans um möglichst frühzeitige Anreise (Stadionöffnung 11.45 Uhr). Wer mit dem PKW kommt, soll die Parkplätze im Industriegebiet Forstboden (Daimlerstraße) in Großaspach nutzen. Der Fußweg von dort ins Stadion dauert höchstens 15 Minuten.
Ab 12 Uhr fahren kostenlose Shuttle-Busse vom Backnanger Bahnhof (dort gibt es kostenloses Park-and-Ride) in den Fautenhau (Haltestellen Etzwiesenbrücke und Seminar, jeweils 12.01 Uhr; Roßbergstaffel, 12.02 und Kleinaspach Schafhaus, 12.10). Nach dem Spiel geht es ab 15.15 Uhr zurück.
Wer keine Zeit hat, um ins Stadion zu kommen, der ist dank unserer Zeitung trotzdem stets am Ball. Im Internet gibt es ab 13 Uhr unter www.bkz.de/sport/sg-sonnenhof den Liveticker vom SG-Duell mit dem FC Carl Zeiss Jena. Zudem kommt an selber Stelle tags drauf ein kommentiertes Video dazu.
