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Sechs Mutmacher für ein Fußballwunder

Sandhausen, Dortmund, Chemnitz, Rostock, Jena und Aspach selbst sind Beispiele dafür, dass im Abstiegskampf stets noch was geht

Zwölf Spiele haben Großaspachs Drittliga-Fußballer noch Zeit, um auf einen Nichtabstiegsplatz zu klettern. Momentan fehlen der SG Sonnenhof elf Punkte auf den Fünftletzten Viktoria Köln. Ein großer Abstand. Deshalb ist der Vorletzte am Samstag ab 14 Uhr bei Bayern München II zum Siegen verdammt. Ansonsten ist kaum zu schaffen, was in den elf bisherigen Spielzeiten der Dritten Liga sechsmal schon gelang: ein Fußballwunder.

Nico Jüllich (links) zeigte schon, dass er Abstiegskampf auf den letzten Drücker kann. Wie Matthias Morys, Julian Leist und Kai Gehring zählte der Mittelfeldmann zur SG-Elf, die vor fünf Jahren in den letzten zwölf Spielen noch 21 Punkte holte und vom drittletzten Platz auf Rang 14 kletterte. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Nico Jüllich (links) zeigte schon, dass er Abstiegskampf auf den letzten Drücker kann. Wie Matthias Morys, Julian Leist und Kai Gehring zählte der Mittelfeldmann zur SG-Elf, die vor fünf Jahren in den letzten zwölf Spielen noch 21 Punkte holte und vom drittletzten Platz auf Rang 14 kletterte. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

26 von 38 Saisonspielen hat die Elf aus dem Fautenhau hinter sich. Dabei wurden nur 21 Punkte gesammelt. Bis zu den 46 Zählern, die als ausreichend erachtet werden, um nicht zu den vier Absteigern zu zählen, fehlt noch viel. Zusätzlich erschwert wird die Aufgabe, da der Viertletzte Chemnitz schon zehn und der Fünftletzte Viktoria Köln wie die punktgleichen Teams aus Halle sowie Zwickau schon elf Zähler Vorsprung haben. Das Team von Coach Hans-Jürgen Boysen braucht also nicht nur eine Siegesserie, sondern auch einen Negativlauf der Konkurrenz. Unmöglich ist eine solche Aufholjagd aber nicht, wie die Vergangenheit lehrt. In ähnlich prekärer Lage gelangen dem SV Sandhausen, dem Chemnitzer FC, Borussia Dortmund II, Hansa Rostock, Carl Zeiss Jena und Großaspach selbst im Endspurt noch die Rettung.

Saison 2010/2011: Die 2008 ins Leben gerufene Dritte Liga ging in ihre dritte Runde, als der heutige Zweitligist Sandhausen mit einem furiosen Finale vom drittletzten Platz noch auf Rang zwölf kletterte. 22 Punkte sammelten die Nordbadener in den letzten zwölf Partien, stockten ihr Konto von 24 Zählern auf 46 Punkte auf. Insgesamt 13-mal blieb die Elf um Trainer Gerd Dais in der Schlussphase der Saison ohne Niederlage und konnte sich damals gar den Luxus leisten, die letzten vier Partien nur noch Unentschieden zu spielen, da sie Wacker Burghausen (37 Punkte), Werder Bremen II (36) und Bayern München II (30) weit enteilt war. Allerdings war eine Rettung damals ein klein wenig einfacher, mussten in dem Feld mit 20 Mannschaften in den ersten zehn Jahren doch nur drei Teams in die Regionalliga runter. Erst seit der vergangenen Saison gibt es vier Absteiger.

Saison 2012/2013: Dortmund II stand im Frühjahr 2013 ähnlich schlecht da, wie nun die SG. Als Vorletzter hatten die Westfalen nach dem 26. Spieltag nur 22 Punkte. Am Ende waren es 41 Zähler. Die reichten den jungen Borussen, die damals vom heutigen Schalke-Trainer David Wagner gecoacht wurden, um noch vor den Stuttgarter Kickers (40) Fünftletzter zu werden. Runter mussten eigentlich nur der SV Babelsberg (37), der zwölf Spiele vor Schluss noch sieben Punkte Vorsprung auf die Borussen hatte, und Alemannia Aachen (26). Der Drittletzte Darmstadt 98 rettete sich, weil die Offenbacher Kickers pleite waren und am Saisonende einen Insolvenzantrag stellten.

Saison 2013/2014: Mit dem Chemnitzer FC gelang einem Klub die Rettung, der als Viertletzter auch diesmal mit in der Bredouille steckt. Der CFC hatte damals als Drittletzter allerdings bereits 28 Punkte auf dem Konto, um zwölf Partien und 21 weitere Zähler später auf Rang zwölf abzuschließen. Runter ging es für den SV Elversberg (40), Burghausen (37) und den 1. FC Saarbrücken (32).

Saison 2014/2015: Gerade erst aufgestiegen, musste die Fautenhau-Elf lange zittern. Nach zwei Dritteln der Saison war das Team von Trainer Rüdiger Rehm mit 25 Punkten Drittletzter. Allerdings war die davor platzierte Konkurrenz bei weitem nicht so weit voraus wie in dieser Runde. Rostock sowie der FSV Mainz 05 II waren punktgleich und die Spvgg Unterhaching nur drei Zähler besser als die Schwaben. Am Ende erwischte es erneut Dortmund II und David Wagner, das noch auf den vorletzten Platz abgerutschte, Unterhaching (beide 39) sowie Jahn Regensburg (31). Aspach brachte es dank 21 Zählern in den letzten zwölf Partien auf 46 Punkte und beendete die Premierensaison mit sieben Zählern Vorsprung auf den Drittletzten auf Rang 15. Die Verteidiger Julian Leist und Kai Gehring, Mittelfeldspieler Nico Jüllich sowie der damals ebenfalls im Winter zurückgekehrte Stürmer Matthias Morys, der zuvor für den heutigen Bundesliga-Spitzenklub RB Leipzig in Liga zwei am Ball gewesen war, zählen heute noch zum SG-Kader.

Saison 2015/2016: Hansa Rostock gab im letzten Saisondrittel richtig Gas. Sehr zum Leidwesen der Stuttgarter Kickers. Zwölf Spiele vor Schluss lag der Vorletzte aus Degerloch noch gleichauf mit dem Drittletzten Rostock (beide 26 Punkte). Am Ende segelte die Hansa-Kogge dank bärenstarker weiterer 23 Zähler auf Rang zehn und damit ans rettende Ufer. Die Kickers gingen dagegen mit insgesamt 43 Punkten unter. Noch schlechter als die Elf um Aspachs heutigen Torwarttrainer Rouven Sattelmaier waren Energie Cottbus (41) und der VfB Stuttgart II (31).

Saison 2018/2019: . Nach 26 Spielen hatte die SG Sonnenhof als Fünftletzter 29 und Eintracht Braunschweig als Viertletzter 27 Zähler. Dahinter folgten Cottbus und Jena (beide 25) sowie der VfR Aalen (21). Gut zwei Monate später war für Aalen (31), Fortuna Köln (39), die SF Lotte (40) und Cottbus (45), das gegenüber Braunschweig und Aspach das schlechtere Torverhältnis hatte, Schicht im Schacht. Besonders steil war der Absturz von Lotte und Köln. Lotte holte in den letzten zwölf Partien lediglich fünf Punkte und rutschte von Platz elf auf Rang 18 ab. Köln kam nur zu neun weiteren Zählern und fiel von Rang 15 auf Platz 19 zurück. Das Gegenstück dazu war Jena. Der Vorletzte kletterte dank 21 Punkten in den letzten elf Partien auf Platz 14 hoch. Gegenüber Köln und Lotte machten die Thüringer, in deren Abwehr der heutige Aspacher Dennis Slamar mitmischte, in neun Begegnungen neun und zehn Zähler gut.

Für ein Aspacher Fußballwunder gibt es also genug Vorbilder. Denen muss die SG Sonnenhof nun nur noch nacheifern.

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Erstellt:
6. März 2020, 06:00 Uhr

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