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Tolle Erfahrung mit fadem Beigeschmack

Drittliga-Fußballer Charmaine Häusl freut sich über Länderspieldebüt für Seychellen, kehrt aber mit einer Zerrung nach Aspach zurück

„Gerne wieder.“ Charmaine Häusl spricht von seinem Debüt als Nationalspieler der Seychellen. Das endete gegen den Südsudan mit einer 0:1-Heimniederlage. Der Aspacher Drittliga-Fußballer sagt trotzdem: „Eine tolle Erfahrung.“ Daran ändert auch die Zerrung nichts, die er vom Qualifikationsspiel zum Afrika-Cup mitbrachte und die einen Einsatz morgen bei Preußen Münster (14 Uhr) verhindert.

Trug zum ersten Mal das Trikot seines Geburtslands Seychellen: Charmaine Häusl. Foto: privat

Trug zum ersten Mal das Trikot seines Geburtslands Seychellen: Charmaine Häusl. Foto: privat

Von Uwe Flegel

Wer hierzulande an die Seychellen denkt, hat Urlaub und Strand vor Augen. Der Fußball in dem 115 Inseln umfassenden Staat vor der afrikanischen Ostküste kommt wohl kaum jemand in den Sinn. Wie auch, kickt die Nationalelf doch mit eher bescheidenem Erfolg. Zwar steht ein Sieg bei den Indish Ocean Island Games im Jahr 2011 zu Buche, doch die Teams der Malediven, der Komoren, aus Mauritius oder von Madagaskar sind auch nicht gerade Fußball-Großmächte. Für die Afrikameisterschaft haben sich die Seychellen bisher jedenfalls noch nie qualifiziert. Auch diesmal nicht, schied die Auswahl des Archipels mit nicht ganz 94000 Einwohnern doch in der Vorqualifikation gegen den Südsudan aus. Allerdings war’s eine enge Sache. Das Hinspiel verlor der 198. der Weltrangliste 1:2, das Heimspiel vier Tage später im heimischen Stade Linité mit Charmaine Häusl im zentralen Mittelfeld mit 0:1.

„Wir waren besser, hatten einen Pfostenschuss und weitere Chancen. Zehn Minuten vor Schluss haben wir dann das Tor kassiert, weil wir den Ball nicht richtig geklärt haben“, erzählt Häusl, der die gesamten 90 Minuten auf dem Platz stand. Dabei „habe ich bei 28 Grad und einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit bereits vor dem Anpfiff geschwitzt, als hätte ich schon ein ganzes Spiel hinter mich gebracht“. Hinzu kam, dass die 10000 Zuschauer fassende Arena in der Hauptstadt der Seychellen Victoria über keinen gepflegten Teppich aus Natur-, sondern nur über einen Kunstrasen verfügt, dessen Zustand einiges von dem entfernt ist, was bei uns mittlerweile Normalität ist.

Hört sich etwas nach Abenteuer an und war es auch ein bisschen. Das ging schon mit der Dauer des Trips los. Donnerstagnacht flog der 1,86 große Fußballer von Frankfurt über die Zwischenstation Dubai auf die Hauptinsel Mahé. Elf Stunden betrug die reine Flugzeit. Danach hieß es, kurz ausruhen, trainieren, Länderspieldebüt feiern und am Montag sofort wieder zurück nach Deutschland. Für die auf den Seychellen lebende Familie seiner Mutter und für Traumstrände war keine Zeit. Hinzu kommt, „dass ich in einem Flugzeug einfach nicht schlafen kann“. Entsprechend stressig war das Ganze für Häusl, der auf den Seychellen geboren wurde, mit viereinhalb Jahren nach München kam und lachend sagt: „Ich bin ein echter Bayer.“

Einer, der als Jugendlicher siebenmal für den DFB am Ball war. Trotzdem war das Thema Seychellen nicht ganz neu. Als er mit 15 Jahren in seinem Geburtsland zum Urlaub war, hat er sogar mal mittrainiert – bei der U 21. „Der damalige U-16-Trainer hat gesagt: Du bist zu groß und stabil. Es geht nicht, dass du bei uns mitmachst.“ Fünf Jahrgänge drüber passte es dann. Und: „Das Lustige daran ist, dass dieser Coach nun einer der Co-Trainer beim Nationalteam ist.“

Nach dem Gastauftritt flachte das Interesse aber ab, „da ich ja für Deutschland gespielt habe“. Erst vor einem Jahr kamen Häusl und die Verantwortlichen der Seychellen wieder in Kontakt. Wohl auch weil der kleine Inselstaat sportlich vorankommen will. Fußball steht auf den Inseln neben Basketball zwar hoch im Kurs, doch angesichts von nicht mal 94000 Einwohnern ist die Auswahl an Spielern überschaubar. Häusl war gegen den Südsudan dennoch der einzige, der nicht in der heimischen semiprofessionellen Liga mit zwölf Teams kickt. Trotzdem bescheinigt der Drittliga-Profi seinen Mitstreitern ein ordentliches Niveau: „Ich war positiv überrascht. Fast alle sind unglaublich flink und technisch sehr begabt. Hinzu kamen ein paar sehr robuste Jungs.“ Insgesamt habe viel gepasst, nur halt die Ergebnisse nicht.

Ein Erlebnis, das Charmaine Häusl neue Energie für den Kampf um einen Stammplatz gibt

Ein Satz, der für seine bisherige Zeit im Fautenhau ebenfalls gilt. War der Defensivmann in der Vorbereitung viel am Ball, steht er nun nur in zweiter Reihe. Dabei kann er Positionen spielen, die als Problemzonen der SG gelten. Hat er deshalb nicht überlegt, neben dem Test gegen den Zweitligisten Heidenheim auch das Pokalduell beim Landesligisten Stammheim als Bewerbung für einen Stammplatz zu nutzen? „Es war schwierig“, gesteht der 23-Jährige und sagt: „Ich wollte aber für mein Heimatland spielen und finde, wir haben eine gute Lösung gefunden.“ Er verzichtete auf die Partie im Sudan, spielte dafür gegen Heidenheim („das war mir wichtig“) und flog danach sofort auf die Seychellen. Nicht eingeplant war, dass er von dort mit einer Oberschenkelzerrung zurückkehrt und fürs Duell des Viertletzten beim Drittletzten ausfällt. Eine weitere Chance ist dahin. Häusl weiß: „Meine Situation ist nicht einfach, aber ich gebe nicht auf.“ Schließlich kam er vom Mainzer Regionalliga-Team nach Aspach, um den nächsten Schritt zu machen und nicht, um auf der Bank zu sitzen.

Gegen den Südsudan hat er nun wenigstens 90 Minuten Spielpraxis unter Wettbewerbsbedingungen und „positive Energie gesammelt, saß doch die ganze Familie im Stadion und hat mich das erste Mal spielen sehen“. Ein großes Erlebnis für den Fußballer, der deshalb trotz miesem Kunstrasen und der Reisestrapazen mit Überzeugung sagt: „Gerne wieder.“

Info
Von München über Mainz in den Fautenhau

Am 27. Januar 1996 wurde Charmaine Häusl auf den Seychellen geboren. Mit viereinhalb Jahren kam er nach München und begann beim SC Olching mit dem Fußball. Über 1860 München, den SC Fürstenfeldbruck und den FC Augsburg kam er in die U 17 des FSV Mainz 05. Von dessen Regionalligateam wechselte er vor dieser Saison nun nach Großaspach.

Für die SG war der 23-Jährige in Liga drei bisher nur in drei Spielen (insgesamt 41 Minuten) am Ball. Das letzte Mal beim 1:0 in Rostock am fünften Spieltag (17. August).

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Erstellt:
18. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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