Vom Jungspund zum Hoffnungsträger

Der 19-jährige Marvin Cuni hat zwei Drittel der bisherigen neun Aspacher Regionalliga-Tore erzielt. Wichtiger als die eigene Bilanz ist dem von Bayern München ausgeliehenen Angreifer, dass die SG morgen in Gießen die Leistung vom Sieg gegen Ulm bestätigt.

Bejubelte diese Saison bereits sechs eigene Treffer: Marvin Cuni. Zu Aspachs Siegen in Hoffenheim (4:1) und gegen Ulm (3:1) steuerte der Offensivmann fünf Tore bei. Überhaupt erzielte die 19-jährige Leihgabe vom FC Bayern München sechs der bislang erst neun SG-Treffer. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Bejubelte diese Saison bereits sechs eigene Treffer: Marvin Cuni. Zu Aspachs Siegen in Hoffenheim (4:1) und gegen Ulm (3:1) steuerte der Offensivmann fünf Tore bei. Überhaupt erzielte die 19-jährige Leihgabe vom FC Bayern München sechs der bislang erst neun SG-Treffer. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Acht Regionalliga-Spiele, sechs Tore – und das mit gerade mal 19 Jahren. Auch wenn es für die SG Sonnenhof bislang noch nicht gut läuft, darf Marvin Cuni persönlich durchaus zufrieden sein. Immerhin hat die Leihgabe des FC Bayern München zwei Drittel der bisherigen neun Saisontreffer der Fußballer aus dem Fautenhau erzielt. Ein starker Anfang, den er morgen in der Großaspacher Auswärtspartie beim FC Gießen (14 Uhr, Waldstadion) bestätigen will.

Der Kulturschock habe sich in Grenzen gehalten, sagt Marvin Cuni und muss ein wenig schmunzeln. Denn eine Umgewöhnung war es für ihn schon, als er im Sommer vom größten und erfolgreichsten deutschen Sportverein in den Fautenhau kam. Hier München, dort Aspach. Für einen jungen Menschen sind’s vermutlich zwei Welten. Doch der 19-Jährige erzählt: „Ich stamme ja aus Freising und auch dort haben wir nicht direkt in der Stadt gewohnt.“ Deshalb waren es am Anfang auch eher die Familie und die Freunde, die er in der neuen Heimat vermisst hat. Bevor aber ein falscher Verdacht entstehen kann, fällt der Satz: „Mir geht und gefällt es hier gut.“ Jetzt muss nur noch seine Wohnungssuche erfolgreich sein, dann wäre es für den Bayern im Schwabenland gar perfekt. Auch wenn er weiß, dass da schon noch die eine oder andere Herausforderung auf ihn wartet. „Nudeln kann ich kochen“, erzählt Marvin Cuni, lacht und gesteht: „Ansonsten halten sich meine Kenntnisse in der Küche in Grenzen.“ Wie bei vielen 19-Jährigen eben, die nach dem Auszug aus dem Elternhaus das erste Mal im Leben auf den eigenen Beinen stehen.

Auf dem Platz ist das für ihn gar kein Problem, da kennt sich der Offensivmann aus. Schließlich hat er schon früh gelernt, dass man sich durchsetzen muss, nachdem er als Elfjähriger vom SC Eintracht Freising zum FC Bayern München wechselte. Viele Talente kamen danach an die Säbener Straße. Viele gingen auch wieder, wenn der Verein jemanden gefunden hatte, der vielleicht noch einen Tick besser war als die Jungs, die schon da waren. Das typische Kommen und Gehen an einem Nachwuchsleistungszentrum halt.

Marvin Cuni zählte zu denen, die bleiben durften. Er durchlief alle Jugendteams, spielte in der sogenannten UEFA Youth League, in der die A-Jugend-Teams der Champions-League-Teilnehmer versammelt sind. Der albanische Juniorennationalspieler, der in der Offensive auf beiden Außenbahnen und als Mittelstürmer eingesetzt werden kann, erhielt fürs Münchner Drittliga-Team auch einen Vertrag, der bis zum 30. Juni 2022 läuft. Nur die Chance, sich beim Drittliga-Meister einen Stammplatz zu erkämpfen, war angesichts der dortigen Konkurrenz nicht groß. Deshalb kam es zur Ausleihe nach Aspach, deshalb bekam die SG einen Spieler, der in den bisherigen zwölf Pflichtspielen (vier Pokal-, acht Punktspiele) beachtliche zehn Tore erzielte.

„Mit dem Schnitt bin ich ganz zufrieden“, sagt der 1,85 Meter große Fußballer und sieht sich bestätigt, dass es richtig war, den Weg in den Fautenhau zu gehen. Denn: „Für mich ist wichtig, regelmäßig zu spielen und Erfahrung im Aktivenbereich zu bekommen.“ Dafür nahm er auch in Kauf, eine Liga tiefer zu gehen. Denn auch dort ist der Fußball deutlich körperlicher als das, was sich im ältesten Jugendbereich selbst auf höchstem europäischen Niveau tut. In der einen oder anderen Partie bekam er das zu spüren und zahlte Lehrgeld, als es darum ging, in Zweikämpfen die letzte Konsequenz zu beweisen. Die Regionalliga Südwest sei eben eine der besten der insgesamt fünf Staffeln, urteilt Marvin Cuni und erklärt: „Das Niveau ist schon sehr gut.“

Im Vorbeigehen gibt es auch für einen Drittliga-Absteiger in Liga vier nichts zu holen. Das haben Cuni und seine Mitstreiter in den ersten acht Begegnungen gemerkt. Vor allem beim 0:4 gegen den TSV Steinbach Haiger und beim 0:5 gegen den SC Freiburg II lief es schlecht. Der mit Abstand beste Aspacher und derzeit zweitbeste Torschütze der Regionalliga Südwest sieht die vielen Zugänge und die im Vergleich zur Konkurrenz sehr kurze Vorbereitung als Hauptgründe für die Startschwierigkeiten. Der Rechtsfuß vom linken SG-Flügel sagt jedoch ebenfalls: „Langsam wird’s besser.“ Erst recht, wenn der 3:1-Heimsieg gegen Ulm den erhofften Schwung nach sich zieht: „Für unser Selbstvertrauen waren Ergebnis und Spiel auf jeden Fall gut.“

Der Münchner am Rand des Schwäbischen Waldes will deshalb alles dafür tun, dass seine auf Rang 17 notierte Elf morgen beim Tabellennachbarn Gießen die gute Leistung vom vergangenen Freitag bestätigt. „Hungrig auf den nächsten Erfolg und die nächsten Tore bin ich definitiv“, sagt er, schmunzelt und fügt dann deutlich ernster hinzu: „Wichtiger als das ist jedoch erst einmal, dass wir als Mannschaft Spiele gewinnen.“

Livestream, Ticker, Tickets

Für all diejenigen, die morgen in Gießen nicht vor Ort dabei sein können oder wollen, bietet die SG Sonnenhof Großaspach unter www.the-leagues.com/sgs einen Internetlivestream an. Buchbar ist der mit einem sogenannten Tagespass für fünf Euro. Zugelassen zu der Partie im Waldstadion sind von den zuständigen Behörden in Gießen seit Kurzem übrigens 1200 Zuschauer.

Den Liveticker zum Gastspiel des schwäbischen Regionalligisten (Rang 17) beim Tabellennachbarn aus Hessen (18) gibt es ab 14 Uhr unter www.bkz.de/sg-sonnenhof auf der Internetseite unserer Zeitung.

Wer zu den 500 Besuchern zählen will, die kommenden Mittwoch beim Aspacher Heimspiel gegen den VfB Stuttgart II im Stadion dabei sein können, der muss sich sputen. Die Tickets für das Duell der Schwaben sind bereits fast alle vergriffen. Die wenigen Resttickets sind unter www.sg94.de oder in der SG-Geschäftsstelle direkt am Stadion in Großaspach erhältlich.

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Erstellt:
16. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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