Kunsttipps für Stuttgart
Rudy Cremonini sorgt für die Ausstellung der Stunde
Star-Kuratorin Ute Meta Bauer ist in Stuttgart, Parri Blank hat Tim Berresheim zum Talk - und neue Ausstellungen lassen aufhorchen. Hier sind unsere Kunsttipps.
© Rudy Cremonini
Rudy Cremonini, Silent desire, 2026 - zu sehen in der Galerie Thomas Fuchs, Stuttgart
Von Nikolai-Boris Forstbauer
Wer macht was am Kunststandort Stuttgart? Und wer macht was mit wem? Warum es von 22. bis 24. Oktober besonders spannend ist, erfahren Sie hier. Und auch wenn Sie wissen wollen, wie Baden-Württembergs Museumsflaggschiff Staatsgalerie Stuttgart, saniert wird, sind Sie bei uns richtig.
Weil die Sanierungsarbeiten wesentlich umfassender sind als gedacht, muss das Kunstmuseum Stuttgart länger geschlossen bleiben. Die Ausstellungsräume im Kubus sollen im Juni 2027 nutzbar sein, die Sammlungsräume im Erdgeschoss und im Untergeschoss gar erst Ende 2027. Und die gute Nachricht? Stuttgart macht Tempo in Sachen Gegenwartskunst.
Cremonini und Müller bei Thomas Fuchs
Ein Blick durch die Fenster der Ladengalerie - und man kommt nicht mehr los von dieser Ausstellung in der Galerie Thomas Fuchs in Stuttgart (Reinsburgstraße 68A): Neue Arbeiten des Italieners Rudy Cremonini sind zu sehen. In sich verlassene Zeugen eigener Einsamkeit. Voller Poesie, voller Intensität in purer Annäherung an das, was wir Farbe nennen. Stimmt schon - „Braun-, Rosa- und Sepia-Töne treffen auf blasses Grün, kühles Blau oder Violett“. „Anatomy of absence“ ist die Schau - als Galerie-Ausstellung der Stunde zu werten - betitelt, Eröffnung ist an diesem Freitag, 23. Oktober, um 18 Uhr. Parallel beginnt in den großen Galerie Fuchs-Räumen in der Augustenstraße 63 eine Ausstellung mit neuen Bildern von Johannes Müller, darunter die eindringliche Warte-Szenerie „Transit“.
Parri Blank mit Doppelschlag
Famos gestartet mit einem Bilddialog von Fabian Treiber mit Shannon Roe, geht die neue Parri Blank-Ausstellungsreihe „One : One“ im Parri Blank Kiosk (Immenhofer Straße 45) bereits an diesem Freitag, 23. Oktober weiter. Bunny Hennessey hat Maria Andrievskaya eingeladen, um mit einem Bild und ausgewählten Papierarbeiten auf ihre Bildwelt zu antworten. Eröffnung ist um 18 Uhr. Und auch Kaffee und Croissants gibt es wieder - dies in den Parri Blank-Galerieräumen in der Immenhofer Straße 47 und an diesem Samstag, 24. Oktober. Inmitten der aktuellen Schau mit Werken von Tim Berresheim ist dieser auch erneut selbst vor Ort - von 12 bis 13 Uhr spricht der Berliner Kritiker und Kurator Marcus Boxler mit Berresheim über seine Arbeit zwischen klassischer Malerei und Einsatz digitaler Techniken.
Ute Meta Bauer im Institut français
„Wer im Kunst- und Kulturbetrieb sichtbar wird, Einfluss gewinnt und Karriere macht, hängt nicht allein von Talent und Leistung ab“, heißt es in der Ankündigung für ein Podium am 22. Oktober im Institut français Stuttgart (Schlossstraße 51). Und: „Auch Machtstrukturen, Netzwerke, Zugänge zu Ressourcen und die Frage, wer Care-Arbeit übernimmt, prägen berufliche Wege und Möglichkeiten.“ Das Podium ist prominent besetzt - mit Ute Meta Bauer, einst künstlerische Leiterin des Künstlerhauses Stuttgart und heute Professorin an der Nanyang Technological University in Singapur und die Pariser Kuratorin Anne Bourrassé sprechen mit der Künstlerin Ann-Josephin Dietz über alte und neue (Betriebs-)Strukturen. Moderiert wird der Abend „Wer kommt nach oben? Über Macht, Care und Chancengleichheit“ von der Kulturwissenschaftlerin Svenja Reiner, Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei - unter info.stuttgart@institutfrancais.de kann man sich noch anmelden.
Vermeiren und Johm im Atelierhaus
Eröffnung im Atelierhaus des Bundes Bildender Künstlerinnen (Eugenstraße 17): An diesem Samstag, 24. Oktober, beginnt um 16 Uhr eine Ausstellung mit Werken von Elis Vermeiren und Cinyi Johm. „Between looking and touching“ ist die Schau überschrieben, und zur Eröffnung will eine Tanz-Performance von Tochi Kusuda den Bogen der Annäherung noch weiter spannen. Auch am 25. Oktober ist von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Max Grote köpft Richard David Precht
Der über die Medien populär gewordene Philosoph Richard David Precht liebt die gezielte, gleichwohl dosierte Provokation. Einen Hinweis Prechts, dass durch die Künstliche Intelligenz jeder Kunst machen könne, ließ den Maler Max Grote nicht wirklich ruhen. Noch weniger Prechts Schluss, dass die aktuelle Kunst als beliebig verfügbares Medium an gesellschaftlicher Bedeutung verliere. Grotes Antwort: Ein Bild, das ihn selbst mit Prechts Kopf in der Hand zeigt. Zu sehen ist das Bild in Grotes Schau „Heikle Angelegenheiten“ in der Galerie Better Go South in Stuttgart (Rotebühlstraße 175/1, Montag bis Freitag 11 bis 18 Uhr) mit neuen Bildern des Hamburger Malers. Überraschende Parallele: Nicht anders als Precht, der gerne frühere Epochen aufruft, bedient sich Grote ebenso in der flämischen Malerei wie im Barock - und bewegt sich doch ganz und gar in der Gegenwart.
Akku: Finale für den „Buchladen“
An diesem Samstag, 24. Oktober, endet im Akku, Projektraum des Künstlerbundes Baden-Württemberg in Stuttgart (Christophstraße 5) das wunderbare Projekt „Buchladen“. In eben diesen ist der Projektraum Akku verwandelt - und wird am 22. Oktober von 18 Uhr an noch einmal zum „Biersalon“. Raum für Begegnung und aktiven Austausch bleibt der „Buchladen“ auch zum Finale: Christine Braun und Simone Demandt sprechen mit Künstlermitgliedern des Künstlerbundes über ihre Arbeit. Beginn ist um 14.30 Uhr.
© Bunny Hennessey/Maria Andrievskaya
Bunny Hennessey und Maria Andrievskaya zeigen ihre Bilder in der Galerie Parri Blank in Stuttgart
© NTU Centre for Contemporary Art, Singapore
International als Kuratorin gefragt: Ute Meta Bauer ist heute Professorin an der Nanyang Technological University in Singapur und organisierte 1992 im Künstlerhaus Stuttgart die wegweisende internationale Konferenz „A new spirit in curating“.
