Olympia 2026

Braucht es andere Regeln? Diskussionen nach Sturz-Drama um Lindsey Vonn

Der schlimme Sturz von Lindsey Vonn war ein Schock am dritten Tag der Olympischen Spiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo. Danach begannen die Diskussionen.

Der Moment, in dem das Unglück seinen Lauf nahm: Lindsey Vonn stürzt bei der Olympia-Abfahrt in Cortina d’Ampezzo.

© Jacquelyn Martin/AP/dpa

Der Moment, in dem das Unglück seinen Lauf nahm: Lindsey Vonn stürzt bei der Olympia-Abfahrt in Cortina d’Ampezzo.

Von Dirk Preiß

Als um 13.45 Uhr die Erstplatzierten zur Siegerehrung schritten, war die Entgegennahme der Medaillen nach dem Abfahrtsrennens in Cortina d’Ampezzo etwas von den Ereignissen zuvor überschattet. Die Dritte, die Italienerin Sofia Goggia, wurde zwar gefeiert. Die Deutsche Emma Aicher zeigte ihre Silbermedaille in Richtung Tribüne. Und für Breezy Johnson erklang kurz darauf die Nationalhymne. Die US-Amerikanerin legte die Hand auf ihr Herz, sang mit – und weinte. Vor Freude über ihren Sieg. Aber sicher auch, weil sie in Gedanken bei ihrer Teamkollegin war.

Lindsey Vonn, der Alpin-Star dieser Spiele von Mailand und Cortuina d’Ampezzo wollte das Unmögliche möglich machen. Und Gold gewinnen. Als Comebackerin mit 41 Jahren (2019 war sie eigentlich zurückgetreten). Und: Mit einem gerissenen Kreuzband im linken Knie. Am rechten trägt sie eine Teilprothese.

Zwei Trainingsläufe hatte sie gut und sicher überstanden, die Tests schienen gelungen. Doch als hoch über Cortina die Uhr 12 Uhr schlug am Sonntagmittag – da geschah das, was nicht hätte geschehen sollen. Mit Nummer 13 gestartet, stürzte Lindsey Vonn schon nach 13 Sekunden schwer.

Im Zielraum war alle Ausgelassenheit und Vorfreude auf diesen Auftritt sofort wie weggeblasen – es herrschte Stille. Dann flog der Rettungsubschrauber ein, Vonn wurde abtransportiert. Der Helikopter überflog den Zielraum. Da brandete dann Applaus auf – ein Gruß nach oben zur Verunglückten.

Über den genauen Gesundheitszustand der Amerikanerin war zunächst nichts bekannt. Meinungen zum Geschehenen gab es dagegen einige. „Der Sturz sah fürchterlich aus. Wir wussten alle, dass es heute nur zwei Möglichkeiten für sie gab: Alles riskieren, dann zu stürzen oder eben eine Medaille zu holen“, sagte dier deutsche Olympiasiegerin (2010) Viktoria Rebensburg, die als TV-Expertin von Eurosport das Rennen begleitete, „lasst uns die Daumen drücken, dass es nicht allzu schlimm ist.“

„Zu viel riskiert“

Tina Maze, die einstige Weltklasseläuferin aus Slowenien, meinte: „Wir wissen alle um die Schwierigkeiten, die Lindsey in den letzten Tagen durchlebt hat.“ In Crans Montana hatte sich Vonn wenige Tage vor den Spielen einen Kreuzbandriss zugezogen. Nach Mazes Meinung wäre das wohl eher ein Grund gewesen, auf Olympia zu verzichten. Aber Vonn wollte an einem ihrer Lieblingsort eben unbedingt um Gold fahren. „In meinen Augen hat sie zu viel riskiert, hier heute ins Rennen zu gehen“, sagte sie, „so konnte ein solcher Sturz passieren – und wenn du dann auch noch nicht fit bist, können die Konsequenzen noch schlimmer sein. Aber wir kennen Lindsey ja alle, das war ihre Entscheidung. Sie wollte es unbedingt. Das ist schrecklich.“

Als „tragisch“ und „traurig“ bezeichnete Johan Eliasch den Sturz. Der Präsident des Weltverbandes Fis musste sich dann auch zur Frage äußern, ob es den nicht eine Regel brauche, die verletzten Skiläuferinnen den Start verbieten würde. „Das ist immer die Entscheidung der Athletinnen und Athleten, wie haben dafür keine Regeln“, sagte er. So sei das auch bei Lindsey Vonn gewesen.

„Es war ihre Entscheidung. Sie kennt ihren Körper, sie kennt ihre bisherigen Verletzungen.“ So sei der Skisport nun mal: „Leider passieren Stürze.“ Vonn sei „unglaublich fit gewesen“, sagte Eliasch und erinnerte daran, dass der Skistar in dieser Saison ja auch schon Rennen gewonnen hat.

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Erstellt:
8. Februar 2026, 14:36 Uhr

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