Eklat vor US-Wahlen

Demokratin Stevens wird aus der Partei rausgeworfen

In Michigan hat sich eine unterlegene Kandidatin der Demokraten für den republikanischen Kandidaten für den US-Senat ausgesprochen. Jetzt hat ihre Partei drastisch reagiert.

Die Demokrtin Haley Stevens (Mi.) stellt sich hinter Trumps Kandidaten Mike Rogers li. daneben).

© dpa/AP Photo/Jose Juarez)

Die Demokrtin Haley Stevens (Mi.) stellt sich hinter Trumps Kandidaten Mike Rogers li. daneben).

Von Markus Brauer

Zwei Tage vor den Zwischenwahlen, den Midterms in den USA, hat das Drama um das demokratische Ticket im US-Bundesstaat Michiganseinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Nach ihrem politischen Seitenwechsel wird Haley Stevens aus der Partei geworfen.

Das legt zumindest ein Posting von Curtis Hertel nahe, Vorsitzender der Demokraten in Michigan. „Die Abgeordnete Stevens ist kein aktuelles Mitglied der demokratischen Partei in Michigan. Sie wird es auch in Zukunft nicht sein.“  Zahlreiche US-Medien berichten über den Rauswurf.

Die Ansage kam rund eine Stunde nachdem Stevens ihre Entscheidung publik machte, sich hinter den republikanischen Anwärter für den Senat zu stellen.

Zuvor hatte hat die Demokratin Stevens überraschend öffentlich den republikanischen Kandidaten für einen Senatssitz für Michigan, Mike Rogers, unterstützt. Ihr Parteikollege, der linke Demokrat Abdul El-Sayed, habe klargemacht, dass sie nicht länger in seiner Wahlkampagne willkommen sei und sie sich fernhalten solle, sagte sie in einem auf X veröffentlichten Video: „Und er hat recht, weswegen ich Mike Rogers für den US-Senat unterstütze.“

Stevens wirft demokratischem Kandidaten „Hass“-Rede vor

Stevens war in dem Bundesstaat bei einer bitter umkämpften parteiinternen Vorwahl gegen den linken Demokraten El-Sayed gescheitert. Sie vertritt seit 2019 einen Wahlkreis des Bundesstaates im US-Repräsentantenhaus und hatte sich vergeblich um die Kandidatur für einen Senatssitz bemüht.

Der 42-jährige progressive Politiker El-Sayed hat einen furiosen Wahlkampf hingelegt, sorgt mit seiner Israel-kritischen Haltung aber beim Demokraten-Establishment auch für Unbehagen. So spricht sich El-Sayed, der als erster Muslim der Geschichte in den US-Senat einziehen könnte, gegen Waffenverkäufe an Israel aus.

Stevens kritisierte nun El-Sayeds Kampagne: Was Schüler und Kinder vorgelebt bekämen und was die Bürger Michigans ausmache, habe „nichts mit Hass zu tun. Aber genau das ist es, was wir aktuell von unserem demokratischen Kandidaten erleben“.

Rogers sagte dazu bei einem gemeinsamen Auftritt mit Stevens: „Wir haben beschlossen, dass der Hass manchmal so laut wird, dass er einige unserer Bürger in diesem Bundesstaat gefährdet.“ Zudem verwies er auf mögliche Risiken für jüdische Bürger.

Trump kritisiert radikal linken „Kommunisten“ El-Sayed

Hintergrund dafür dürfte sein, dass die Republikaner und US-Präsident Donald Trump El-Sayed seit längerem als radikal linken „Kommunisten“ darstellen und ihn in die Nähe von Islamisten rücken. Trump selbst ging sogar so weit, ihn als „radikalen Dschihadisten“ zu bezeichnen. Auch Rogers unterstellte El-Sayed eine „extreme Ideologie“.

Dieser zeigte sich zumindest vor Journalisten unbeeindruckt von dem ungewöhnlichen Schulterschuss zwischen Stevens und Rogers: „Am Ende des Tages denke ich eigentlich gar nicht an Haley Stevens“, sagte El-Sayed. Der Minderheitsführer der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, fand härtere Worte für Stevens: Er warf ihr einen „verachtenswerten Verrat“ vor. Trump, der El-Sayed als „Dschihadisten“ beschimpft hat, sagte dagegen, Stevens habe „Mut“.

Die Demokraten hoffen, Trumps Republikanern bei der Kongresswahl vom Dienstag die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus entreißen zu können. Während eine künftige Mehrheit für die Demokraten im Repräsentantenhaus als nahezu sicher gilt, dürfte das Rennen um den Senat sehr eng werden.

Die Senatswahl in Michigan zwischen Abdul El-Sayed und Mike Rogers wird deswegen genau beobachtet. Der Demokrat liegt in Umfragen leicht vorne.

Mit Material von dpa und afp.

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Erstellt:
2. November 2026, 11:24 Uhr

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