Rosi und Oskar leben ein saugutes Leben
Das Schwein war im Jahr 2025 das „Haustier des Jahres“. Auf dem Biolandhof von Andrea Adrion und ihrem Mann leben seit 2018 Jahren die beiden Minihängebauchschweine Oskar und Rosi.
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Oskar lebt zusammen mit seiner Gefährtin Rosi auf dem Biolandhof von Andrea und Georg Adrion in Mittelschöntal. Fotos: Alexander Becher
Backnang. Sie sind klein, auf ihren kurzen Beinchen sehr gemächlich unterwegs und schlafen viel: die beiden Schweine, die seit sieben Jahren im ehemaligen Pferdestall von Andrea Adrion auf dem Biolandhof der Familie in Mittelschöntal ihr Leben genießen. Gefallen haben der Landwirtin die Tiere schon immer und nachdem keine Pferde mehr im Stall auf dem Hof gelebt haben, war für Andrea Adrion klar: Genau dort ziehen jetzt zwei Schweine ein.
Gezüchtet wurde die Rasse der Göttinger Schweine an der gleichnamigen Universität in Niedersachsen. Rosi und Oskar sind eine Kreuzung der Rassen Vietnamesisches Hängebauchschwein, Minnesota-Minischwein und Hällisches Landschwein. Adrion hat sie bei zwei Privatleuten in Rohrbach in Bayern gefunden und abgeholt. Die wollten ihre Schweinchen nach einigen Monaten im eigenen Garten doch nicht behalten. „Sie haben ihnen den ganzen schönen Garten umgegraben und die Eier ihrer Hühner weggefressen“, sagt Andrea Adrion und lacht. „Also habe ich sie geschenkt bekommen.“
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Rosi ist wegen ihres durchsetzungsstarken Wesens die Chefin im Schweinestall.
Denn als sie Rosi und Oskar im Alter von einem Jahr auf dem Hof unterbringt, strotzen die beiden nur so vor Energie. „Ich wusste nie, was Schweinsgalopp ist, aber es ist ein sehr süßer, schwerfälliger Galopp“, sagt die Landwirtin. Seit die Schweine älter sind, überzeugen sie mit anderen Eigenschaften. „Sie strahlen so eine Ruhe aus, das gefällt mir sehr gut.“
Jetzt führen die beiden ein beschauliches Leben in Schöntal. Morgens um 7 Uhr wollen sie raus aus dem Stall gelassen werden, je nach Wetterlage gehen sie ein bisschen spazieren, fressen und ruhen sich dann vom anstrengenden Hofleben aus. In direkter Nachbarschaft leben nämlich auch einige Hühner im angrenzenden Hühnerstall. „Die verstehen sich gut und bei Regen sind die Hühner auch oft bei den beiden im Schweinestall zu Besuch“, sagt Andrea Adrion.
Vor der Fußpflege muss der Bauch gekrault werden
Rosi und Oskar wissen: Ein bequemes Bett ist das A und O für einen guten Schlaf. „Sie verbringen viel Zeit damit, das Heu zu zerkleinern und im Stall hin und her zu schieben, bis sie sich bequem hinlegen können“, erzählt Andrea Adrion. Kurios findet sie auch: „Wenn jemand auf sie zukommt und sie ausweichen wollen, tun sie das immer rückwärts.“
Wenn Adrion ihnen die Klauen schneiden möchte, muss sie tief in die Trickkiste greifen, damit sie stillhalten. „Ich muss die beiden die ganze Zeit am Bauch kraulen, dann legen sie sich auf den Rücken und strecken die Beine in die Luft“, so die Schweinemama. Nur dann lassen die Borstentiere ihre Fußpflege über sich ergehen. „Sie sind da schon ein bisschen wie Hunde.“ Adrion kennt auch einen weiteren Besitzer eines Artgenossen der beiden, der regelmäßig in Waldrems mit seinem Borstentier an der Leine spazieren geht. „Da habe ich die beiden nie dran gewöhnt, das würde mir aber auch gefallen“, glaubt Andrea Adrion. Mit etwas Training könne man ihnen auch Tricks beibringen.
Kleine Ferkel sind dem Paar nicht vergönnt, Oskar ist nämlich kastriert. Gegen Rosi kann er sich aber ohnehin nicht durchsetzen. „Sie ist der Chef“, weiß Andrea Adrion und deutet auf eine kleine Wunde auf Oskars Schwarte, die er höchstwahrscheinlich seiner morgens oft drängelnden Stallgefährtin zu verdanken hat.
Stress ist der Angstgegner der Schweine
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Solche Reibereien schmälern die Verbundenheit zwischen den Paarhufern aber nicht. „Jede Nacht schlafen sie aneinandergekuschelt im Stall. Immer Kopf an Schinken quasi“, beobachtet Andrea Adrion. „Nur wenns heiß ist, dann liegen sie ganz weit weg voneinander.“ Hitze und Sonne finden Rosi und Oskar unschön, da meiden die beiden lieber ihren Auslauf und verstecken sich im dunklen und kühlen Stall.
Sauwetter mögen die Schweine lieber als große Hitze. „Und wenn man sagt: ‚Du frisst wie ein Schwein‘, dann passt das auch gut“, findet Adrion, denn: Von guten Tischmanieren zeugt das laute Schmatzen der beiden bei der Nahrungsaufnahme nicht. Zwangsweise vegetarisch ernährt, fressen „Roskar“ quasi alles, was ihnen unter ihre Schnauzen kommt, ein Sättigungsgefühl kennen die beiden nicht. Dabei haben sie jedoch klar favorisierte Leckerbissen unter Andrea Adrions Hofabfällen: „Als Erstes fressen sie süßes Obst und erst dann das Gemüse.“ Zu viel Obst ist aber nicht gesund, da die Tiere leicht zuckerkrank werden, das wird ihnen darum nur in Maßen serviert. Eingeweichtes Brot oder Schrot kredenzt ihnen Andrea Adrion außerdem und die Tiere fressen gerne draußen Gras.
Alle Diätversuche sind bislang gescheitert
Nachdem die beiden einst klein und relativ dünn waren, haben sie sich mittlerweile eine ordentliche Speckschwarte angefressen. „Mittlerweile wiegen sie bestimmt 60 Kilogramm“, schätzt Andrea Adrion. Ihre Versuche, sie auf Diät zu setzen, sind bislang jedoch nicht von Erfolg gekrönt. „Da werden sie immer schlecht gelaunt“, sagt die Landwirtin. Die Vorsätze scheitern darum auch am guten Herz der Besitzerin.
Was die beiden gar nicht mögen: Stress. „Wenn im Garten viel los ist, ziehen sie sich zurück“, berichtet Adrion. Meistens tatsächlich im Rückwärtsgang. Die beiden Hausschweine – oder eher Gartenschweine – schätzen ihre gewohnten Routinen. „Um 17 Uhr kann ich den Stall zumachen und dann höre ich sie die ganze Nacht nur noch leise schnarchen.“ Bei Besuchern des Hofcafés sind die Schweine auch sehr beliebt. „Kein Wunder“, sagt Andrea Adrion. „Wo sieht man denn heute noch Schweine im Freien?“
Die Wahl Die Stiftung „Bündnis Mensch& Tier“ möchte durch die Wahl auf die Bedürfnisse der Tiere und den artgerechten Umgang mit ihnen aufmerksam machen.
Der Preisträger Menschen und Schweine sind sich ähnlich. Beide sind Säugetiere, leben in sozialen Verbänden und sind flexibel in der Wahl von Nahrungsmitteln. Sowohl Schweine als auch Menschen sind verspielt, kommunikativ und intelligent, aber auch sehr stressanfällig. Erst mit Erkenntnissen der Verhaltensforschung und der Erfahrung, dass Tiere in der pädagogischen und therapeutischen Arbeit eingesetzt werden können, verändert sich schrittweise das Bild vom Schwein. Die Stiftung betont jedoch, dass Schweine nicht als Qualzuchtprodukt im Miniformat und in der Wohnung gehalten werden sollen, vielmehr soll das Schwein Tier bleiben und einen artgemäß gestalteten Lebensraum bekommen.
Die Gewinner der vergangenen Jahre Kaninchen, Esel, Lamas und Alpakas wurden in den vergangenen Jahren gewürdigt.
