Hitlers Teehaus am Obersalzberg
Großbrand zerstört Kehlsteinhaus – Wer ist der verdächtige Biker?
Das in Brand gesteckte Kehlsteinhaus am Obersalzberg bei Berchtesgaden ist wohl verloren. Ein 33-jähriger Motorradfahrer wurde vorläufig festgenommen. Die Polizei glaubt, er könnte der Brandstifter sein.
© KERSTIN JOENSSON/afp
Brandruine in verschneitem Gelände: das Kehlsteinhaus.
Von Matthias Schiermeyer
Das am Freitagabend in Brand geratene Kehlsteinhaus am Obersalzberg bei Berchtesgaden – bekannt als Teehaus von Adolf Hitler – ist weitgehend zerstört und in seiner historischen Bedeutung vermutlich verloren. Am Samstagmorgen waren noch immer 200 Rettungskräfte im Einsatz. Laut dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd dauern die Löscharbeiten an.
Verdächtiger Motorradfahrer im Krankenhaus
Die Kriminalpolizei in Traunstein ermittelt nun wegen eines möglichen Brandstiftungsdelikts. Bereits am Freitagabend hatte ein Sprecher der Berchtesgadener Polizei diesen Verdacht bestätigt. Auf dem Weg zum Einsatzort war den Beamten laut der „Bild“-Zeitung ein Motorradfahrer entgegengekommen.
Bei ihm soll es sich um einen 33-jährigen Mann aus Berlin handeln, der gebürtig aus Bayern stammt und sich psychisch verdächtig verhalten haben soll. Die Polizisten informierten daraufhin die Feuerwehr, sodass Einsatzkräfte den Mann aufhielten und er festgenommen werden konnte. Nun wird überprüft, was der Biker tatsächlich mit dem Brand zu tun haben könnte.
Die Ermittler gehen allerdings nach dpa-Informationen davon aus, mit ihm den mutmaßlichen Verursacher des Großbrandes gefasst zu haben. Bei ihm sollen deutliche Hinweise auf eine mögliche Beteiligung gefunden worden sein. Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kommt der Mann aus der Region und ist selbst verletzt worden – er befinde sich zunächst im Krankenhaus.
Wiederaufbau schon ins Auge gefasst
Am Nachmittag wollen die Behörden in Berchtesgaden bei einer Pressekonferenz Einzelheiten bekannt geben. Unter anderem wird auch der Innenminister dort erwartet. Der geht von einem Wiederaufbau aus. „Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können“, sagte Herrmann zuvor am Rande des CSU-Parteitags in München. Das Haus gehört dem Freistaat Bayern in der Zuständigkeit von seinem Ministerium.
Der Brandalarm war gegen 21.15 Uhr bei der Integrierten Leitstelle Traunstein eingegangen. Schon auf der Anfahrt waren deutliche Flammen am Kehlsteinhaus zu erkennen. Nach ersten Erkenntnissen von Polizei und Feuerwehr kamen keine Menschen zu Schaden.
Ca. 200 Einsatzkräfte sind weiter mit Löscharbeiten beschäftigt – sie konnten auch am Samstagmorgen lediglich mit schwerem Atemschutz in das Gebäude vordringen. Ohnehin ist das 1838 Meter hoch gelegene Haus am Obersalzberg schwer zu erreichen.
Für Schaulustige gibt es derzeit ohnehin keine Möglichkeit, sich dem Areal zu nähern, nachdem das Gebiet weiträumig abgesperrt wurde. Wanderer und Bergsteiger werden gebeten, die Region um das Kehlsteinhaus großräumig zu meiden. Zufahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind eingestellt. Laut der Polizei wurde in dem betroffenen Bereich auch eine Flugverbotszone für Drohnen eingerichtet.
Das mehr als 1.800 Meter hoch gelegene Kehlsteinhaus war in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten als Teil des von Adolf Hitler genutzten Komplexes am Obersalzberg erbaut worden und wird inzwischen als frei zugängliche Berggaststätte genutzt. International ist das Ausflugsziel als „Eagles Nest“ bekannt, was mit „Adlerhorst“ übersetzt werden kann.
Das Gebäude ist seit 1952 eine Berggaststätte. Es wurde 1938 fertiggestellt und befand sich in einem damals abgeriegelten und für die Öffentlichkeit gesperrten Wohn- und Regierungsareal der nationalsozialistischen Führung. Eine Ausstellung dort widmet sich der Geschichte des Gebäudes.
Mit Material von dpa.
© KERSTIN JOENSSON/afp
Das Kehlsteinhaus ist gerade für die Bürger nicht zu erreichen - infolge des Großbrandes wurde das Areal weiträumig abgesperrt.
