Amtsmissbrauch
Identität von Totem geraubt – Polizist wollte fremdes Haus übernehmen
Ein Polizist soll jahrelang das Leben eines Toten vorgetäuscht haben, um in den Besitz dessen Hauses zu gelangen. Ist er ein Täter oder wollte er nur helfen?
© Alex Brandon/AP/dpa
Einem Polizisten wird vorgeworfen, die Identität eines Toten übernommen zu haben. Er beteuert jedoch, nur Gutes gewollt zu haben. (Symbolbild)
Von Ole Rockrohr
In den USA sieht sich ein Polizist aus Florida mit einer Reihe ungewöhnlicher Anschuldigungen konfrontiert. Der Beamte aus Lauderhill soll nach dem Tod eines 71-Jährigen über Jahre hinweg die Identität des Toten genutzt haben, um dessen Haus zu übernehmen. Die Leiche soll er im Zuge seiner Arbeit als Ordnungshüter gefunden haben.
Polizist findet den Toten bei einem „Welfare Check“
Nach Berichten der Tageszeitung USA Today wurde der 35-jährige Polizeibeamte Brian S. in Lauderhill in Florida Anfang der Woche (20. Oktober) verhaftet. Gegen den Beamten des Lauderhill Police Department werden Vorwürfe in mehreren Tatbeständen erhoben, darunter Amtsmissbrauch, missbräuchliche Nutzung der Identität eines Verstorbenen und missbräuchliche Nutzung persönlicher Daten.
Nach Angaben der Behörden wurde S. am 11. Juli 2022 als Unterstützung zu einem sogenannten „Welfare Check“ gerufen. Es ging also darum, zu schauen, ob es dem 71‑Jährigen noch gut geht. Doch das war nicht der Fall. In dem Haus wurde Dennis W., 71, tot aufgefunden. Sein Tod wurde als natürliche Todesursache eingestuft.
Polizeibeamter zahlt Steuern des Toten
Bei den Ermittlungen, die zur Verhaftung des Polizisten geführt haben, ergab sich laut Behörden der Verdacht, dass sich S. nach dem Tod des 71‑Jährigen in dessen Angelegenheiten eingeschaltet habe. Die Ermittler werfen ihm vor, sich gegenüber der Gerichtsmedizin wahrheitswidrig als Freund des Verstorbenen ausgegeben zu haben, obwohl es nach ihren Erkenntnissen keine Hinweise auf eine Bekanntschaft zwischen den beiden gab.
Dem Festnahmeprotokoll, auf das sich USA Today beruft, zufolge soll S. anschließend persönliche Daten des Toten genutzt haben, um unter dessen Namen Steuern und Versorgungsleistungen zu bezahlen. So soll er den Eindruck erweckt haben, Dennis W. sei noch am Leben. Im August 2024 wurde ein Antrag auf eine Baugenehmigung für den Austausch von Fenstern und Türen im Wert von 8000 Dollar eingereicht. Darin waren W. als Eigentümer aufgeführt, seine Führerscheindaten angegeben und der Antrag mit seiner vermeintlichen Unterschrift unterzeichnet. Und das, obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren tot war. Die angegebene Telefonnummer gehörte laut Ermittlern zum Polizeibeamten S.
Ein Mitarbeiter der mit den Arbeiten beauftragten Firma soll den Ermittlern gesagt haben, S. habe die nötigen Dokumente vorgelegt. Darunter eine Kopie des Führerscheins des Verstorbenen. Die Firma sei deshalb davon ausgegangen, dass der Eigentümer noch lebe. Zudem soll der Beamte die Unterschrift und den Stempel einer Notarin gefälscht haben.
Erben zweifeln an der Geschichte
Wie aus Gerichtsunterlagen hervorgehen soll, wirft die Ermittlergruppe S. außerdem vor, Daten des Toten über polizeiliche Datenbanken abgefragt zu haben. Demnach wurden zwischen Juli 2022 und Januar 2023 sieben Abfragen zu dem Verstorbenen von dem Dienst-Computer des Beamten durchgeführt.
Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch Bedenken von Erben des 71-jährigen W. und eines Immobilienunternehmens, die S.' Beteiligung an der Immobilie hinterfragten. Der Beamte reagierte im Februar 2026 mit einer Zivilklage. Er wollte die Immobilie pfänden lassen wegen der aus seiner Sicht angefallenen Renovierungskosten. Daraufhin reichte das Immobilienunternehmen Beschwerde bei der Polizei von Lauderhill ein.
Nach Angaben der Behörden gab Sguros die Schlüssel zu dem Haus schließlich zurück, verlangte aber eine Erstattung für seine Investitionen. Laut Festnahmeprotokoll sagte er den Ermittlern, er habe mindestens 214.000 Dollar in die Immobilie gesteckt und deren Wert auf etwa 500.000 Dollar erhöht. Er habe die Arbeiten nach eigener Darstellung durchgeführt, um Hausbesetzer und Kriminalität zu verhindern. Die Ermittlungen dauern noch an. Nach der Festnahme wurde S. ohne Bezahlung beurlaubt.
