Linkes Milieu
Ibrahim Ibrahim – wer ist der Remmo-Kumpel und Linkenfreund?
Regieren in der Hauptstadt bald Terrorunterstützer und Clankriminelle? Immer mehr fragwürdige Verbindungen der Linkspartei treten zutage.
© IMAGO/Pacific Press Agency
Gaza-Streifen oder Berlin? Maskierte PFLP-Anhänger bei einer Demonstration.
Von Michael Maier
Die Berliner Abgeordnetenhauswahl hat nicht nur die politische Landschaft der Hauptstadt aufgewirbelt, sondern auch eine Debatte über die mutmaßlichen Verbindungen von Teilen der Berliner Linkspartei ins extremistische und kriminelle Milieu entfacht. Im Mittelpunkt der Kritik stehen zwei prominente Gäste auf der Wahlparty der Neuköllner Linken: der bekannte Clanchef Issa Remmo und der propalästinensische Aktivist Ibrahim Ibrahim.
Während die Parteispitze zunächst versuchte, die Anwesenheit der beiden als reinen Zufall auf einer „offenen Veranstaltung“ darzustellen, zeichnen neue Statements und Berichte ein etwas anderes Bild.
Wer ist Ibrahim Ibrahim?
Ibrahim Ibrahim ist in der Berliner Szene kein Unbekannter, sondern eine feste Größe im radikalen propalästinensischen Aktivismus:
- Einstufung durch den Verfassungsschutz: Ibrahim gilt als führender Aktivist und Unterstützer der säkular-marxistischen Terrororganisation Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), die sowohl von der EU als auch von den USA als terroristische Vereinigung gelistet wird.
- Funktion im „VPNK“: Er vertritt das sogenannte Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee (VPNK). Die Sicherheitsbehörden stufen diese Organisation als Netzwerkplattform ein, die im engen Austausch mit Strukturen der Hamas und PFLP in Deutschland steht.
- Nähe zum Remmo-Clan: Neben seinen politischen Aktivitäten taucht Ibrahim immer wieder im Umfeld von Mitgliedern des berüchtigten Remmo-Clans auf. Fotos und gemeinsame Auftritte dokumentieren persönliche Kontakte zur Clan-Spitze um Issa Remmo.
Ibrahim-Fotos mit Linken-Promis
Am Wahlabend feierte Ibrahim Ibrahim ausgelassen im Festsaal Kreuzberg und auf der Neuköllner Bezirksparty der Linken. In den sozialen Medien postete er Fotos, die ihn Arm in Arm mit frisch gewählten und prominenten Linken-Politikern zeigen – darunter:
- der als MdB umstrittene Ferat Koçak, der vor Ort neben Ibrahim posierte
- die neu gewählte Linken-Abgeordnete Vanessa „Vedi“ Emde
Ibrahim trug dabei T-Shirts mit Aufschriften wie „See you in Palestine“ und präsentierte sich als selbstverständlicher Teil der Siegesfeier.
Linken-Unterstützung „keine spontane Entscheidung“
Die Darstellung der Partei, es habe sich um ungeladene Gäste gehandelt, geriet durch Ibrahims eigenes Glückwunschschreiben ins Wanken. Wie Medien berichten, beanspruchte Ibrahim den Wahlerfolg der Linkspartei mit folgenden Worten maßgeblich auch für sich und seine Organisation:
„Ich bin stolz darauf, dass wir bereits im vergangenen Jahr eine klare Entscheidung getroffen haben, Die Linke zu unterstützen.“
Laut einem Glückwunschschreiben sei die Wahlempfehlung „keine spontane Entscheidung“ gewesen, sondern das Ergebnis von politischen Gesprächen und kontinuierlicher Abstimmung über gemeinsame Themen. Ibrahim erklärte, man habe die arabische und palästinensische Gemeinschaft in Berlin gezielt mobilisiert, um Stimmen nicht zu zersplittern, sondern geschlossen für Die Linke zu stimmen. Als zentrale Schnittmengen nannte er soziale Gerechtigkeit und die „palästinensische Frage“.
Linke und „Migrantifa“ in Berlin
Kritiker bezeichnen das Milieu mit Leuten wie Ibrahim Ibrahim als „Migrantifa“. Seine Organisation, die PFLP, gilt trotz Marxismus und angeblicher ideologischer Gegensätze als „pragmatischer Hamas-Verbündeter“. Auch wenn aus dem veröffentlichten Schreiben nicht eindeutig hervorgeht, auf welcher Ebene und mit welchen konkreten Linken-Politikern mutmaßliche Absprachen stattfanden, widersprechen die Darstellungen nun der bloß zufälligen Begegnung bei einer Wahlparty.
Der Fall belastet die Berliner Linkspartei und ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp schwer. Bei potenziellen Koalitionspartnern wie den Grünen und der SPD wachsen die Vorbehalte gegen ein Regierungsbündnis. Gefordert wird eine lückenlose Aufklärung und eine unmissverständliche Abgrenzung gegenüber Antisemitismus und verfassungsfeindlichem Extremismus sowie gegenüber organisierter Kriminalität und Clan-Strukturen. Auf Kritik stieß auch, dass ein deutscher Strafverteidiger des Remmo-Clans für die Linke in eine Berliner Bezirksversammlung eingezogen ist. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass in einem Rechtsstaat jeder Anspruch auf Beistand hat und ein Mandat als Anwalt nicht automatisch politische Nähe bedeutet.
