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„Ich will nicht voller Angst auf der Couch sitzen“

Umfrage: Die meisten Veranstaltungen am Wochenende wurden abgesagt – Was machen die Menschen jetzt in ihrer Freizeit?

Leerer als sonst, war die Backannger Innenstadt zumindest am Freitag. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Leerer als sonst, war die Backannger Innenstadt zumindest am Freitag. Fotos: A. Becher

Von Kristin Doberer (Text)

und Alexander Becher (Fotos)

BACKNANG. Schulen schließen, Sportveranstaltungen finden in den nächsten Wochen wohl gar nicht statt und das E-Mail-Postfach der Redaktion quillt über mit Terminabsagen – weder Konzerte noch Theatervorstellungen können besucht werden. Was macht man also an einem Wochenende, an dem nichts los ist? Wir haben uns in Backnang umgehört.

Harald Ulbrich (54), Oppenweiler: „Eigentlich wollten wir zum Handball gehen, aber das findet ja jetzt nicht statt. Jetzt werden wir uns wohl ein gemütliches Wochenende zu Hause machen. Zu Beginn dachten wir, das sei Panikmache, mittlerweile nehmen wir die Sache aber schon ernst. Ich wünschte nur, dass die Entscheidungen etwas einheitlicher und klarer fallen würden.“

Maike Tönsmann (32), Backnang: „Großveranstaltungen meiden wir ohnehin wegen des Hundes, da macht die aktuelle Lage wenig Unterschied. Allgemein verhalten wir uns bei der Wochenendplanung nicht anders als sonst: Das kommende Wochenende muss ich arbeiten und hätte ohnehin nicht weggehen können. Und für die darauffolgenden Wochenenden haben wir noch nichts Großes geplant. Wir werden wohl wie immer viel mit dem Hund unterwegs sein. Angst vor dem Virus habe ich eigentlich nicht, aber ich arbeite in der ambulanten Altenpflege. Um meine Patienten mache ich mir dann doch etwas Sorgen.“

Daniela Deriu (54), Oppenweiler: „Wir waren demnächst zu einem 50. Geburtstag in Österreich eingeladen und meine Töchter hatten auch Reisepläne. Eine von ihnen ist momentan in Australien, sie wollte sich mit ihrer Schwester in Sri Lanka treffen, aber das hat sich ja alles erledigt. Wirkliche Angst habe ich nicht, aber man macht sich Gedanken über die Folgen. Mein Vater liegt zum Beispiel im Pflegeheim, ich weiß gar nicht, ob ich ihn jetzt noch besuchen kann?“

Nikolas Rupp (21), Backnang: „Für das kommende Wochenende hatte ich noch nichts Großes geplant, aber für die nächsten Wochen ist es schade. Wenn ich zum Beispiel an das Frühlingsfest denke oder an Fußballspiele, zu denen ich eigentlich gehen wollte. Ich glaube aber schon, dass an dem Virus was dran ist und die Reaktionen berechtigt sind. Ich bin einfach froh, dass meine Stammkneipe noch offen hat. Da gehe ich auf jeden Fall weiter hin, weil Angst vor Corona habe ich keine. Ich glaube, wir stehen gerade sowieso erst am Anfang der ganzen Sache und können an der Situation sowieso nicht mehr wirklich was ändern. Ich will also nicht ewig voller Angst daheim auf der Couch sitzen.“

Georg Beïs (47), Backnang: „Ich wollte eigentlich das Handballspiel sehen oder vielleicht sogar mit der TSG zum Auswärtsspiel fahren. Das wird jetzt natürlich nichts. Aber am Wochenende will ich mit meinem Sohn dafür ins Schwimmbad oder ins Kino gehen, vorausgesetzt die haben noch offen. Wegen der Krankheit selbst mache ich mir wenig Sorgen, aber geschäftlich ist es ein großes Problem. Ich habe eine Marketingfirma und nicht nur werden gerade alle Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Tulpenfrühling, abgesagt, auch kommen keine neuen Aufträge rein. Im Moment sind wir da alle in Schockstarre.“

Dimitrios Pinakas (40), Backnang: „Für die Wochenenden habe ich sowieso nie etwas vor, weil ich da arbeiten muss. Ich merke aber in der Gastwirtschaft, dass weniger Leute zum Essen kommen als normal und Firmen sagen ihre Reservierungen ab. Das heißt nicht, dass ich gleich vor dem Ruin stehe, aber es ist schon einfach weniger los. Aber wer weiß, was noch kommt, in anderen Ländern gab es ja bereits Komplettschließungen. Für mich als Gastronom bedeutet das natürlich Verlust, aber ich glaube, das wäre trotzdem das Richtige. Umso schneller alles zu ist, umso besser. Mit der Krankheit ist nicht zu spaßen, wir sollten handeln.“

Harald Ulbrich

© Alexander Becher

Harald Ulbrich

Maike Tönsmann

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Maike Tönsmann

Daniela Deriu

© Alexander Becher

Daniela Deriu

Nikolas Rupp

© Alexander Becher

Nikolas Rupp

Georg Beïs

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Georg Beïs

Dimitrios Pinakas

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Dimitrios Pinakas

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Erstellt:
14. März 2020, 06:00 Uhr

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