Serbien
Tausende Sympathisanten ehren Kriegsverbrecher Mladic
Krudes Gedenken in Belgrad: Nach dem Ableben wird der „Schlächter vom Balkan“ noch einmal als Held wiederbelebt. Die EU und Serbiens Nachbarn sind verärgert.
© Darko Vojinovic/AP/dpa
Tausende Menschen haben am Montag in Belgrad den verstorbenen Kriegsverbrecher Ratko Mladic geehrt.
In Serbien haben Tausende Menschen am Montag den verstorbenen Kriegsverbrecher Ratko Mladic geehrt. Mit Flaggen und Plakaten, die Mladics Porträt trugen, geleiteten sie den Sarg durch die Hauptstadt Belgrad zu einem Friedhof. Bereits in den Morgenstunden hatten sich vor der Sankt-Lukas-Kirche lange Schlangen von Unterstützern gebildet, die zu der öffentlichen Aufbahrung angereist waren. Der serbisch-orthodoxe Patriarch Porfirije leitete einen Gedenkgottesdienst.
An der Zeremonie nahmen laut örtlichen Medien mehr als 300 orthodoxe Priester, Mladics Familie und mehrere serbische Minister teil. Aus der bosnischen Teilrepublik Srpska waren der nationalistische Politiker Milorad Dodik sowie die ethnisch-serbische Vertreterin des bosnischen Staatspräsidiums, Željka Cvijanović, angereist. Auch der Sohn von Staatspräsident Aleksandar Vucic, Danilo, wurde von Reportern gesichtet.
Vucic kanzelt EU-Vertreterin ab
Mladic war vor eineinhalb Wochen in einem UN-Gefängnis gestorben, wo er eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord verbüßte. Sein Name bleibt mit den Gräueln des Bosnienkriegs (1992–1995) verbunden. Als Armeechef der Republika Srpska war er einer der Hauptverantwortlichen etwa für das Massaker von Srebrenica mit mehr als 8.000 Ermordeten, ebenso für die knapp vierjährige Besetzung der Hauptstadt Sarajevo.
Serbische Nationalisten verherrlichen Mladic bis heute als Volkshelden. Auch am Montag trugen zahlreiche Unterstützer T-Shirts mit seinem Konterfei, legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Die Ehrenbezeigungen und die Ankündigung eines Begräbnisses „mit allen militärischen und staatlichen Ehren“ sorgten seit Tagen für Spannungen zwischen Serbien, seinen Nachbarstaaten und der EU.
EU-Eweiterungskommissarin Marta Kos sagte ihren für diese Woche geplanten Besuch in Belgrad ab. Die Verherrlichung Mladics sei unvereinbar mit den Werten, auf denen der Weg in die EU gründe. Serbiens Präsident Vucic nannte die Kritik der EU-Vertreterin „dumm“.
