Angreifer des FC Bayern

Von der Mathe-Nachhilfe in den DFB-Kader – für Lennart Karl läuft es

Der 18-jährige Offensivspieler bringt bereits viel an Qualität mit und steht vor seinem Debüt in der Nationalmannschaft. Er kann sich auch gute WM-Chancen ausrechnen.

Bei Lennart Karl herrscht gute Laune.

© IMAGO/Harry Koerber

Bei Lennart Karl herrscht gute Laune.

Von Carlos Ubina

Lennart Karl genießt einen kleinen Vorteil mit seinen 1,68 Meter. Sein Körperschwerpunkt liegt tief, wenn das recht kompakte Kerlchen den Ball am Fuß führt. Kaum zu trennen ist der Offensivspieler dann von der Kugel, weil er sie geschickt abschirmt. Unberechenbar erscheint der Angreifer den Verteidigern, weil er beim Tempodribbling enge Radien nimmt – egal, in welche Richtung er kurvt. Rechts, links, um die eigene Achse.

Zudem verfügt Karl über einen starken Antritt und guten Abschluss. Das alles ergibt ein fußballerisches Gesamtpaket, das Fachleute und Fans schon jetzt über das Können des 18-Jährigen schwärmen lässt. Und seine Begabung hat das Ausnahmetalent des FC Bayern bereits in den Kader der deutschen Nationalmannschaft katapultiert.

Karl steht in den Test-Länderspielen an diesem Freitag (20.45 Uhr/RTL) in Basel gegen die Schweiz und am Montag (20.45 Uhr/ARD) in Stuttgart gegen Ghana vor seinem Debüt im erlauchten Kreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Eine große Bühne ist das vor der WM im Sommer. Er soll vorspielen, um sich für das Turnier in Nordamerika zu empfehlen. Gewohnt ist der Teenager solche Auftritte bereits, weil er mit dem Rekordmeister in der Champions League gefordert ist und mit seinen vier Treffern und zwei Torvorlagen in sieben Einsätzen glänzte.

„Lenny kommt dann rein und sucht seine Aktionen. Er kennt seine Stärken und sucht den Abschluss“, beschreibt Joshua Kimmich seinen jugendlichen Mitspieler aus München im Trainingsquartier in Herzogenaurach. Für den DFB-Kapitän zeigt Karl die richtige Haltung, um auch in der deutschen Vorzeige-Elf eine wichtige Rolle zu spielen. „Er hat eine gute Mischung zwischen gesundem Selbstvertrauen und diesem ‚Mir ist das alles scheißegal, was gerade passiert’“, sagt Kimmich.

Mut kennzeichnet also Karls Spiel, der demnächst das Bayern-Internat verlässt und in die Stadt zieht. Auch Julian Nagelsmann betont, dass der Hochgelobte „frei von der Seele weg“ spielen soll. Unbekümmert, schwungvoll, frech. Der Bundestrainer schätzt außerdem die Flexibilität des Jungprofis. Karl agiert zwar gerne im Zentrum als Zehner, aber wie unter Vincent Kompany im Verein ist er beim DFB auch für die rechte Seite vorgesehen. An Konkurrenz fehlt es dem Edeltechniker in der Nationalmannschaft dabei nicht, aber ebenso wenig an Qualität. Trotz einer ersten Formdelle, die er seit der Bundesliga-Rückrunde erlebt.

Doch Kompany vertraut dem Hochbegabten weiter, der in der U 15 von Viktoria Aschaffenburg an den Bayern-Campus kam. Zumal Karl an der Seite des Offensivtrios Harry Kane, Michael Olise und Luis Diaz nicht abgefallen ist. Im Gegenteil. Häufig ist er sogar aufgefallen. Ähnlich soll es sich im DFB-Team verhalten, dem es nicht an feinen Füßen fehlt. Florian Wirtz, Kai Havertz, Serge Gnabry und der verletzte Jamal Musiala gelten als Zauberer. Leon Goretzka, Deniz Undav und Nick Woltemade sind weitere Kandidaten, die eine Position hinter der Sturmspitze einnehmen können.

Karl bereichert das Spiel und erhöht die Möglichkeiten des Bundestrainers auf bestimmte Spielentwicklungen reagieren zu können. Somit kann sich der aufstrebende Offensivstar gute WM-Chancen ausrechnen. Was rein sprachlich zur Anekdote passt, die Nagelsmann vor wenigen Tagen erzählt hat, als er den Spieler über seine erste Nominierung informieren wollte. Doch Karl nahm den Anruf auf seinem Mobiltelefon zunächst nicht an, er saß gerade in der Mathe-Nachhilfe. „Nach fünf Minuten habe ich zurückgerufen, dann hat er es mir gesagt“, berichtet der Karl über den großen Moment, dem weitere auf dem Platz folgen sollen.

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Erstellt:
25. März 2026, 16:10 Uhr

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