Ferat Koçak in der Kritik
„War ein Fehler“ – Linke-Politiker bereut Chat mit bekanntem Clan-Mitglied
Nach einem Chat mit einem Mitglied der Familie Remmo steht Ferat Koçak in der Kritik. Im Mittelpunkt steht ein Video, in dem der Berliner Politiker den Begriff „Clankriminalität“ kritisierte.
© Bernd von Jutrczenka/dpa
Ferat Koçak (Die Linke) steht wegen Kontakten zur Familie Remmo in der Kritik.
Nach dem Besuch eines bekannten Clan-Mitglieds auf einer Wahlparty in Berlin steht die Linke erneut wegen Kontakten zur Familie Remmo in der Kritik. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak bezeichnete seinen Chatkontakt mit einem bekannten Mitglied der Familie als Fehler und bat um Entschuldigung. Koçak schrieb auf der Plattform X am Montagabend, dass ihm zunächst nicht bekannt gewesen sei, wer der Mann sei.
Remmo hatte einen Screenshot der Unterhaltung bei Instagram hochgeladen. Koçak bittet ihn in dem Gespräch vom 17. Februar demnach, ein Video eines Auftritts im Bundestag von ihm zu verbreiten. Das Video ist überschrieben mit „Hysterische Dauerdebatte: CLANS“. Remmo antwortet mit „Gerne Bruder“. Der Screenshot zeigt zudem eine vorherige Nachricht unbekannten Datums, in der Koçak den Vater von Remmo zurückgrüßen lässt.
Bei Koçaks Gesprächspartner handelt es sich um einen Sohn von Issa Remmo, einem führenden Clan-Mitglied. Issa Remmo hatte am Sonntagabend eine Wahlparty der Linken in Neukölln besucht.
Video zeigt Beitrag des Politikers im Bundestag
Das weitergeleitete Video ist auf der Instagram-Seite von Koçak noch zu finden. Darin zu sehen sind Ausschnitte aus einem Redebeitrag des Politikers im Bundestag. Dort sagte er laut Bundestagsprotokoll am 29. Januar dieses Jahres unter anderem: „Der Begriff „Clankriminalität“ ist kein klar definierter Straftatbestand. Er ist ein politischer Kampfbegriff mit einer rassistischen Geschichte.“ Das zentrale Problem des Clanbegriffs sei, dass er ganze Familien unter Generalverdacht stelle. „Er kriminalisiert Menschen aufgrund ihres Nachnamens“, so Koçak.
Bei X schrieb Koçak nun zur Debatte: „Immer wieder rufe ich Menschen auf, sich an politischen Aktionen zu beteiligen. Im Zuge dessen hat sich auch Herr Remmo gemeldet. Ich kommuniziere jede Woche über meine Kanäle in den sozialen Medien mit hunderten Menschen aus Neukölln, und ich habe mit ihm geschrieben, wie mit jedem anderen Neuköllner auch und seinen Vater mit Höflichkeit zurückgegrüßt.“
Zu dem Zeitpunkt habe er keine Kenntnis davon gehabt, um wen es sich handelte. „Das wurde mir erst kurz danach bekannt. Dass ich ihm danach schrieb, wie ich es üblicherweise mit vielen Leuten tue, wenn ich Reden veröffentliche, war ein Fehler, für den ich um Entschuldigung bitte.“ Koçak ergänzte, er wolle sich nun Zeit nehmen, um jeden Zweifel auszuräumen und in Absprache mit seinem Team sein Kommunikationsverhalten aufarbeiten.
Die arabischstämmige Remmo-Großfamilie kam in den 80er Jahren aus dem Libanon nach Berlin. Zu der Familie mit inzwischen mehreren Generationen sollen einige Hundert Menschen gehören. Einen Teil von ihnen ordnet die Polizei dem kriminellen Clanmilieu zu. Vor allem junge Männer aus der Großfamilie wurden wegen zahlreicher Verbrechen und Gewalttaten als Verdächtige gefasst und verurteilt. Oft machten sie Schlagzeilen - etwa nach dem Diebstahl einer riesigen Goldmünze aus einem Berliner Museum.
Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert. Auch die Partei Die Linke lehnt die Bezeichnung weitgehend ab.
