Gemessen beim Pokalfinale in Berlin
Wie Live-Fußball den Puls antreibt
Höherer Pulsschlag und höheres Stresslevel: Wer Sportereignisse im Stadion erlebt, zeigt stärkere Reaktionen als Fernsehzuschauer. Das gilt zumindest für Fans von Arminia Bielefeld.
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Die Messung fand in Berlin statt.
Von red/KNA
Wer große Sportereignisse live im Stadion mitverfolgt, erlebt sie offenbar intensiver als am Fernseher. Es gebe deutliche Unterschiede im Stresslevel und bei Pulsfrequenzen, ergab eine am Freitag veröffentlichte Studie der Universität Bielefeld. Untersucht wurde, wie Fans des Fußballclubs Arminia Bielefeld das DFB-Pokalfinale im Mai 2025 erlebten.
Arminia-Fans, die das Pokalfinale im Berliner Olympiastadion verfolgten, wiesen laut Studie eine durchschnittliche Herzfrequenz von 94 Schlägen pro Minute auf. Zuschauer vor dem Fernseher kamen nur auf 79 Schläge, beim Public Viewing waren es sogar nur 74.
Erhöhter Stress an Liga-Samstagen
Der Unterschied wird bei emotionalen Höhepunkten noch größer. Nach dem ersten Tor von Arminia Bielefeld schnellte der Puls der Stadionbesucherinnen und -besucher auf durchschnittlich 108 Schläge, 36 Prozent über dem der TV-Zuschauer. Die Forschenden erfassten die Vitalwerte von 229 Fans über zwölf Wochen über Smartwatches. Veröffentlicht wurde die Studie in Scientific Reports, einem Fachjournal des Nature-Verlags.
„Die direkte Präsenz verstärkt die körperliche Reaktion offenbar erheblich“, sagte die Co-Autorin der Studie, die Wirtschaftswissenschaftlerin Christiane Fuchs. Ursachen für das Stadionfieber lassen sich nach Angaben der Wissenschaftler anhand der verfügbaren Daten nicht eindeutig bestimmen. Den Autorinnen und Autoren zufolge könnte die direkte Nähe zum Spielgeschehen im Stadion die Herzbelastung erhöhen. Reizdichte, emotionale Ansteckung und Erwartungsspannung könnten dort stärker als vor dem Fernseher wirken, während diese Effekte beim Public Viewing trotz gemeinsamer Atmosphäre offenbar abgeschwächt blieben.
Schon normale Bundesliga-Samstage bedeuten für die Arminia-Fans erhöhten Stress. Die Daten zeigen höhere Werte als an Wochentagen. Am Finaltag aber stiegen die Messwerte drastisch. Der durchschnittliche Stresspegel erreichte 45,3 Punkte auf einer Skala zwischen 0 und 100. An regulären Tagen waren es nur 31,9.
Alkohol verstärkt die Herzbelastung
Besonders auffällig ist der Verlauf über den Tag. Bereits morgens um sechs Uhr, 14 Stunden vor Anpfiff des Finales, lagen die Werte über dem Normalbereich. Die Anspannung steigerte sich kontinuierlich und erreichte ihren Höhepunkt kurz vor dem Anpfiff um 20 Uhr. „Wir sehen die Aufregung schon lange vor Spielbeginn“, erklärte Christian Deutscher von der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft. Selbst nach Mitternacht blieben die Werte erhöht.
Wie die Studie zeigt, verstärkt Alkohol die Herzbelastung. Die Hälfte der befragten Fans trank während des Spiels, unter den Stadionbesuchern waren es 65 Prozent. Der Konsum erhöhte die Herzfrequenz um durchschnittlich 5,3 Prozent. Bei emotionalen Momenten wie Toren stieg dieser Effekt auf 11,7 Prozent. Die Kombination aus Aufregung, Stadionatmosphäre und Alkohol könne das Herz-Kreislauf-System belasten, warnen die Forschenden.
Der Traditionsverein Arminia Bielefeld stand am 24. Mai 2025 zum ersten Mal im Endspiel des DFB-Pokals und verlor das Finale mit 2:4 gegen den VfB Stuttgart.
