„Ich will wieder in die Schule“

Mein Homeschooling – Ein Erfahrungsbericht.

„Ich will wieder in die Schule“

17. März 2020, ein Tag ganz anders als andere Schultage. Der Beginn des Homeschoolings. Ganz ehrlich, ich als Schülerin einer 8. Klasse an der Max-Eyth-Realschule freue mich.

Warum ich mich freue, ganz klar. Morgens nicht um 6 Uhr aufstehen und in die Kälte rausmüssen. Es heißt ausschlafen, Hausaufgaben machen, wann ich will und dabei essen, wann ich das möchte. Welche Schülerin, welcher Schüler hat sich darüber nicht gefreut?

Doch dann kam die Realität. Videokonferenzen, Hausaufgaben schicken, zu einer bestimmten Zeit und dazu Mama zu Hause: „Hast du deine Hausaufgaben gemacht? Du hast gleich eine Videokonferenz! Du hast eine neue E-Mail mit neuen Aufgaben bekommen...“ Schlimmer als meine Lehrer in der Schule. Mir fehlen natürlich auch meine Freunde und vielleicht auch meine Lehrer. Im Homeschooling merkt man erst richtig, wie wichtig die Lehrer sind. Zu Hause auf sich allein gestellt zu sein, nicht zu wissen, ob man jetzt alles richtig gemacht hat. Rumhängen, keine richtige Bewegung. Ich fing tatsächlich mit Joggen an.

Nun sieben Monate später, erneut Homeschooling. Nein, ich freue mich nicht. Kein Ausschlafen, kein Tun-was-man-will. Es bedeutet harte Arbeit. Schauen, dass man möglichst alleine zurechtkommt. Hinzu schießen einen viele Gedanken im Kopf herum: „Was wird aus allen Arbeiten/Klassenarbeiten? Schaffe ich all den ganzen Schulstoff alleine zu erlernen? Was wird aus unseren Zeugnisnoten? Videokonferenzen, immer wieder Störungen mit dem WLAN. Angst davor, dass genau so etwas die Lehrer nicht glauben könnten.

Auch wird mir immer bewusster, wie sehr der persönliche Kontakt zu den Lehrern fehlt. Genau dann, wenn man merkt, hier komme ich nicht weiter. In der Schule, einfach mal die Hand heben, um eine Frage stellen zu können. Jetzt heißt es, eine E-Mail verfassen und so gut wie möglich schriftlich erklären, wo man nicht weiterkommt und Hilfe benötigt. Echt, das ist manchmal schon sehr anstrengend und auch deprimierend. Ich versuche positiv zu bleiben, aber ehrlicherweise wäre mir hin und wieder danach, alles in die Ecke zu werfen und zu sagen, ich habe einfach keinen Bock mehr.

Letzte Woche zum Beispiel saß ich an Mathe, es ging nichts mehr. Aus Verzweiflung liefen mir beinahe die Tränen.

Auch wenn all meine Lehrer sich Mühe geben, sie immer über E-Mail erreichbar sind, ist es nicht das Gleiche wie in der Schule. Schule bleibt Schule und da möchte ich auch gern wieder hin.

Von Jennifer Wiebeck, Klasse 8a, Max-Eyth-Realschule Backnang

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Erstellt:
8. Februar 2021, 06:00 Uhr

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