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Selbstversuch: Eine Woche ohne Handy

Ist das Handy nützlich oder ablenkend? – Die Antwort der 13-jährigen Mia nach sieben Tagen „ohne“ lautet: „Sowohl als auch“

Selbstversuch: Eine Woche ohne Handy

© Kurhan - stock.adobe.com

Mein Name ist Mia und ich bin 13 Jahre alt. Handys gibt es schon seit meiner Geburt, eine Zeit ohne Handys kenne ich gar nicht. In unserer Schule sind Handys seit diesem Schuljahr verboten. Gleichzeitig sehe ich überall Erwachsene, die ständig ihr Handy benutzen – auf der Straße, beim Einkaufen, im Café, ganz besonders im Bus und manche sogar im Auto, obwohl das eigentlich verboten ist. Handys scheinen also einerseits nützlich und andererseits ablenkend zu sein. Deshalb wage ich jetzt den Selbstversuch: Wie ist es, eine Woche ohne Handy?

Als ich das erste Mal darüber nachdachte, auf mein Handy zu verzichten, war mein erster Gedanke: „Oh Gott, wie höre ich jetzt meine Musik?“ Das mag komisch rüberkommen, aber das war in diesem Moment meine einzige Sorge. Aber trotzdem, Handy weggepackt und meinem Vater übergeben.

Tag 1

Mein erster Tag ohne Handy war wahrscheinlich der schlimmste Tag in der ganzen Woche. Morgens gab es gleich ein paar kleine Probleme, die mir aber riesig und schwer zu bewältigen erschienen. „Wo soll ich meine Busfahrkarte hinpacken?“ Die steckt nämlich immer in meiner Handyhülle. Und: „Wie viel Uhr ist es?“ Ich habe an diesem Morgen mein Zeitgefühl verloren und fühlte mich daraufhin hibbelig und nervös. Als ich mit einer meiner besten Freundinnen im Bus saß, habe ich mich seltsam ausgeschlossen gefühlt. Überall saßen Leute mit ihren Handys und starrten auf das hell erleuchtete Display. Ich war schon etwas eifersüchtig. Die ganze Fahrt über kreisten meine Gedanken um mein Handy.

Später im Unterricht konnte ich mich aber erstaunlich gut konzentrieren, vielleicht weil ich vorher weniger abgelenkt war, vielleicht war ich aber auch nur gut in Form. Die nächsten Probleme kamen nach der Schule: „Wie schreibe ich meinen Freunden?!“ Viele würden jetzt sagen: „Mädchen, es gibt doch Telefone!“ Aber jetzt mal ehrlich, wer ruft heute noch seine Freunde übers Telefon an? Ich denke, in meinem Alter kaum jemand. Letztendlich war der Tag aber nicht so furchtbar, wie ich gedacht habe, trotz meiner „kleinen“ Probleme.

Tag 2

Am nächsten Morgen herrschte in meinem Kopf eine angenehme Stille und Leere. Im Bus war mir langweilig, denn meine Freundin war wieder mit ihrem Handy beschäftigt und hat wenig mit mir gesprochen. Zur Ablenkung dachte ich an meine Bücher und Geschichten, die ich selbst auf meinem Handy schreibe, und wie sehr ich meine fiktiven Charaktere vermisse. Schreiben ist mein Hobby, mit dem ich viel Zeit an meinem Handy verbringe.

Abends hatte ich Klavierunterricht, zu dem ich mit dem Bus fahre. Als ich alleine an der schlecht beleuchteten Bushaltestelle an der Landstraße stand, überlief mich schon ein Schauer ohne mein Handy, das ich an diesen Abenden immer zur Sicherheit dabei habe. Mein Vater oder meine Freundinnen sind dann auf Rufbereitschaft oder chatten mit mir, damit ich mich sicher fühle. Und sie sich auch.

Ich denke, im Dunklen und dazu noch alleine an der Landstraße ist für jede 13-Jährige eine beängstigende Situation. Ich habe jedenfalls festgestellt, dass mir das Handy dann Schutz und Sicherheit bietet, denn wenn etwas passiert, kann ich meine Familie oder Freunde und im Notfall die Polizei anrufen.

Tag 3

Mittwochs ist der Tag, an dem meine Freundin und ich häufig eine Fotosession mit meinem Handy machen. Das mussten wir diesmal mit ihrem Handy machen, was sich nicht richtig angefühlt hat. Ich bin leidenschaftliche Fotografin und poste die besten meiner Fotos auch regelmäßig auf Instagram. Allerdings ohne dass man unsere Gesichter erkennen kann, auf so etwas achten wir. Instagram liefert mir auch immer gute Ideen für Fotos, die ich gerne mal ausprobiere und umsetze.

Tag 4

Nur noch zwei Tage bis zum Wochenende. Bis auf mein Lieblingsfach Geschichte war der Schultag ohne Höhepunkte. Ich interessiere mich vor allem für griechische Mythologie und bilde mich in diesem Bereich gerne selbstständig am Handy weiter.

Heute hätte ich Lust gehabt, ein bisschen zur Geschichte von Psyche und Eros im Internet in Wikipedia zu stöbern, aber ich musste leider darauf verzichten. Das Handy hilft mir öfters, wenn ich etwas nicht verstehe oder etwas genauer wissen will. Es gibt zum Beispiel tolle Erklärvideos zu Physik, Mathe oder Chemie bei YouTube, die ich gerne zur Vorbereitung von Klassenarbeiten benutze.

Tag 5

Endlich Freitag, nur noch zwei Tage ohne mein Handy. Meine Freundin und ich wollten unbedingt etwas ausmachen, aber da ich mein Handy nicht dabei hatte, musste ich das ungeliebte Telefon zu Hause benutzen. Auch das Nachschlagen einer passenden Busverbindung ging nicht.

Als meine Freundin abends dann wieder weg war, fiel mir auf, dass sie ihr Handy bei uns vergessen hatte! Die Versuchung war groß, damit ein bisschen auf Instagram zu gehen oder Spiele zu spielen, aber meine Willenskraft war größer.

Tag 6

Samstag, der Lichtblick der Woche. Ausschlafen heißt das Zauberwort. Das Wochenende bei mir kann man auch Handywochenende nennen, da ich sehr oft am Handy bin, um mit meinen Freundinnen zu chatten. Doch dieser Samstag war langweilig, also habe ich angefangen, zu zeichnen, und ich muss sagen, mit der Langeweile kommen einem die besten und kreativsten Ideen. Ich malte zum Beispiel ein WLAN-Zeichen, das in Flammen stand, vielleicht eine Botschaft meines Unterbewusstseins.

Tag 7

Sonntag war ein sehr aufregender Tag. Wir waren Essen und es trat eins der bekannten Probleme wieder auf: Ich wollte etwas recherchieren und musste mir nun alles umständlich von meinem Vater erklären lassen. Doch abends bekam ich mein Handy wieder zurück und mich überschwemmte eine Welle an Glücksgefühlen, als ich es wieder in den Händen hielt. Ich hüpfte rum wie ein kleines Mädchen und warf dabei mein Handy direkt auf den Boden, aus Versehen natürlich! Zum Glück ist es heil geblieben.

Fazit

Ist denn das Handy nun nützlich oder ablenkend? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht, meine Erfahrungen dieser Woche sagen mir aber: sowohl als auch. Das Handy kann sehr sinnvoll und hilfreich sein oder verführerisch wie der Teufel. Man sollte das Handy unbedingt in Maßen nutzen, damit auch die Langeweile mal eine Chance hat und kreative Ideen kommen können – das habe ich aus dieser Woche mitgenommen.

Von Mia Marlena Millenet, Klasse 8b, Heinrich-von-Zügel-Gymnasium Murrhardt

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Erstellt:
25. Januar 2019, 13:16 Uhr

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