Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Ärger mit wildem Müll

Entsorgungskosten trägt meist die Allgemeinheit

Die Landschaft ist keine Müllkippe. Dem Großteil der Bürger leuchtet das ein. Immer wieder zeigen sich allerdings Spuren, die ein müllbewusstes Verhalten vermissen lassen. Im Zusammenhang mit Corona nehmen wilde Müllablagerungen zu. Es gibt aber auch eine positive Überraschung.

Ärger mit wildem Müll

© Alexander Becher

Von Heidrun Gehrke

BACKNANG. Hausmüll stapelt sich neben öffentlichen Mülleimern, auch wenn sie schon überquellen. Grüngut landet auf Gehwegen und Wanderparkplätzen. Gerümpel verschandelt die Natur. Rund um Wertstoffcontainer wird achtlos abgeladen. „So eklatant war’s noch nie“, sagt Konrad Jelden, Vorsitzender des Ebniseevereins. „Manche fahren extra morgens her und stellen ihren Hausmüll an den Mülleimern ab.“ BKZ-Leserin Annegret Hupp hat eine Mülltonne am Ebnisee fotografiert: „Ich fand es so absurd. Davor lag eine Abfalltüte mit der Aufschrift: Der Umwelt zuliebe.“

Besorgt über die Zustände, die noch vor Beginn der eigentlichen Saison ausgeufert seien, rief Konrad Jelden über die Zeitung die Besucher auf, den eigenen Müll mit nach Hause zu nehmen. Sehr zu seiner Freude haben sich die Vorfälle daraufhin nicht wiederholt. „Offensichtlich hat es etwas bewirkt“, äußert er ein vorsichtiges Wort der Anerkennung. Und hofft gerade auch in Hinblick auf das lange Erste-Mai-Wochenende, die Brückentage und Pfingsten auf Umsichtigkeit seitens der Besucher. Er habe „absolutes Verständnis“ dafür, dass jeder bei dem schönen Wetter nach draußen will und infolge der geschlossenen Gastronomie Vesper und Getränke mitgebracht werden. Alles aber kein Grund, zum Müllsünder zu werden.

Jelden wünscht sich „verantwortungsvolles Verhalten“ und betont zugleich: „95 Prozent der Gäste nehmen ihren Müll wieder mit.“ Einige wenige aber hätten ausgereicht, um immer wieder ein Müllchaos anzurichten, für das die Müllentsorger mehrmals pro Woche, teilweise zweimal täglich ausgerückt seien. Am Ebnisee säubert, leert und räumt ein Team rund um den Revierförster, weil der See auf Staatseigentum liegt. In Gemeinden räumen Bauhofmitarbeiter die Sauerei weg. Die Entsorgung gibt es nicht umsonst. „Letztendlich trägt die Allgemeinheit alle entstanden Kosten, insbesondere Personalkosten für das Fehlverhalten Einzelner, über die Steuer“, informiert der Weissacher Haupt- und Ordnungsamtsleiter Maximilian Sczuka. Wildes Müllentsorgen ist eine Ordnungswidrigkeit und kann für den Verursacher teuer werden: Laut Amt für Umweltschutz beim Landratsamt werden Bußgelder in Höhe von 100 bis 500 Euro fällig, je nach Menge des wilden Mülls. Hinzu kommen die Kosten für den Transport des Mülls zu einer Deponie. Knapp 300 Euro pro Tonne hat Sczuka errechnet. Auch in Weissach habe es in letzter Zeit wieder Probleme gegeben. Eine neue Unsitte greife um sich: An den Wertstoffcontainern werden Lebensmittel und Hausmüll entsorgt, so Sczuka. Das kann Schädlinge anlocken, die Krankheiten verbreiten können, gibt er zu bedenken.

Weitere Gemeinden berichten von der Praxis, öffentliche Containerstandorte zuzumüllen. Durch die Coronaverordnung scheint sich unser Verhalten auch in Bezug auf Müll geändert zu haben: Recyclinghöfe und Mülldeponien hatten nicht wie gewohnt geöffnet, viele suchen nach anderen Wegen, ihren Krempel loszuwerden. Die Aspacher Ordnungsamtsleiterin Anna Seitz berichtet von „bevorzugt in den Abendstunden“ abgeladenen „Gebrauchsgegenständen“ wie alte Kleidung oder Möbel, zusätzlich zu größeren Mengen Hausmüll. „Der Bauhof hat hin und wieder Probleme, weil die Partnerunternehmen durch die Krise auch nur eingeschränkt agieren können“, so Seitz. Zum Problem werde zunehmend der Häckselplatz im Fautenhau: „Die Bürger halten sich auch im Normalbetrieb nicht an die Öffnungszeiten und laden ihr Grüngut einfach daneben ab.“

Auch Sulzbach an der Murr meldet eine Häufung von Grüngut und Schnittabfällen, deren Spuren sich bis in den Wald verteilen. Immer wieder stoßen Mitarbeiter des gemeindeeigenen Grünzugs auf Party- und Hausmüll. „Man merkt, dass sich die Leute mehr im Freien aufhalten und mehr Müll entsorgen“, sagt Michael Heinrich, Haupt- und Ordnungsamtsleiter. In Sulzbach werden öffentliche Müllbehälter seit Mitte März häufiger geleert.

Kaisersbachs Bürgermeisterin Katja Müller berichtet von einer wilden Ablagerung vor der Mülldeponie. „Es sah so aus, als habe jemand den Wertstoff aus Frust, dass er ihn nicht abgeben konnte, einfach hingeworfen.“ Auch Auenwald hat mit erhöhtem Müllaufkommen zu kämpfen. Roland Schmidt, stellvertretender Hauptamtsleiter in Auenwald, registriert „bereits wenige Stunden, nachdem der Bauhof geleert hat“ neuen Hausmüll rund um die aufgestellten Behälter. Im Straßengraben hätten die Mitarbeiter Müll beseitigt – aus seiner Sicht spiele neben Corona die ausgefallene Kreisflurputzete eine Rolle. Welzheim meldet erhöhtes Müllaufkommen am Aichstrutsee.

Ärgerlich ist die Müllentsorgungspraxis für jene, die verantwortungsbewusst sind und ihren Müll im Rucksack wieder mit nach Hause nehmen. Einige Anwohner ärgern sich so sehr, dass sie selbst loslaufen und entmüllen. Die Backnanger Nabu-Vorsitzende Anja McGrath aus Backnang berichtet von mehreren Müllstellen an der Weissach. Die Naturschützerin weist darauf hin, dass Müll für Tiere verheerende Folgen haben kann. „Sie können sich darin verheddern und dabei strangulieren, oder sie fressen Plastik und verhungern dann bei vollem Magen. Auch lösen sich mit der Zeit gefährliche Stoffe und gelangen in Gewässer, Böden und sogar in die Luft, wo weitere Schäden angerichtet werden.“

Info

53 Tonnen wilder Müll wurden 2019 bei der Abfallwirtschaft Rems-Murr angeliefert. 15 Tonnen waren es im Jahr 2020 im ersten Quartal (bis zum 31. März 2020).

Beim Amt für Umweltschutz werden jährlich zwischen 100 und 120 Verstöße gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz registriert. Der Verstoß liegt in der bußgeldbewehrten Beseitigung von wildem Müll außerhalb einer dafür vorgesehenen Anlage.

Eine statistisch belastbare Häufung der Verstöße zu bestimmten Monaten im Jahresverlauf oder einer Veränderung der Anzahl der Verstöße im Jahresvergleich ist nicht erkennbar. Zwischen Januar und April 2019 gab es genauso wie im Jahr 2020 rund 35 Registrierungen.

Das Amt für Umweltschutz hat ein Ermessen bei der Entscheidung, wann Mitarbeiter eine Situation vor Ort überprüfen. Dieses Ermessen richtet sich hauptsächlich nach der Umweltgefahr. Von den wenigsten wilden Müllmeldungen geht eine Umweltgefahr aus (in der Regel handelt es sich um Hausmüll, Plastik, Keramik, Holz).

Grundsätzlich trägt der Verursacher die Kosten für die Entsorgung des Mülls, sofern er ermittelbar ist. Falls er nicht ermittelbar ist, der Grundstückseigentümer.

Zur Vermeidung des damit verbundenen Verwaltungsaufwands und weil der Müll zeitnah entfernt werden sollte (sonst besteht die Gefahr, dass weiterer Müll hinzugelegt wird), wird der Müll oft durch den Bauhof einer Gemeinde eingesammelt und der Abfallwirtschaft Rems-Murr übergeben.

Die Entsorgungskosten für den wilden Müll auf den Deponien werden auf die Müllgebühren umgelegt und gehen somit zulasten der Allgemeinheit. Die Personalkosten gehen jeweils zulasten der zuständigen Stellen, zum Beispiel der Gemeinden.

Zum Artikel

Erstellt:
4. Mai 2020, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!