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Alle wollen einen Haarschnitt

Nach sechs Wochen Zwangspause dürfen die Friseure wieder öffnen – Die Nachfrage in den Salons ist groß, die Freude auch

Bei den Friseuren herrscht nach der wochenlangen Zwangspause großer Andrang. Jetzt einen Termin zu bekommen, ist nicht einfach, viele sind bereits für Wochen ausgebucht. Doch zurück zum Alltag geht es noch nicht: Für den Friseurbesuch gelten nun einige Vorschriften und Veränderungen.

Elbida Georgiadou und Kundin Freya Erb beim ersten Haarschnitt seit der Schließung der Friseursalons vor sechs Wochen.Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Elbida Georgiadou und Kundin Freya Erb beim ersten Haarschnitt seit der Schließung der Friseursalons vor sechs Wochen.Fotos: J. Fiedler

Von Kristin Doberer

BACKNANG. Zu lange Ponys, ausgefranste Spitzen, ungefärbte Haaransätze und aus der Form geratene Frisuren: ein Anblick, den viele zurzeit im Spiegel sehen. Nachdem die Friseursalons sechs Wochen lang geschlossen waren, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, konnten sie ihre Arbeit nun wieder aufnehmen. Für viele Kunden und Friseure ein glücklicher Tag, auch wenn die Arbeit unter strengen Richtlinien stattfinden muss.

Die Kunden haben den Besuch beim Friseur lange herbeigesehnt. „Viele Kunden, deren Termine vor sechs Wochen abgesagt wurden, kommen eigentlich alle sechs Wochen. Jetzt mussten sie stattdessen 13 Wochen warten“, sagt Elbida Georgiadou, Inhaberin von Billa Hair classic in Backnang. Insgesamt seien ihre Kunden nun sehr froh, dass sie endlich wieder zu ihrem Friseur gehen können.

Bis Ende Mai sind viele Salons schon jetzt ausgebucht

Für das Team von Billa kann die Arbeit nun fast normal weitergehen. Durch die Größe des Ladens ist es möglich, immer einen Stuhl zwischen den Kunden freizulassen und trotzdem bis zu sechs Kunden gleichzeitig zu versorgen, nur zwei weniger als vor der Coronakrise. Die Masken allerdings würden die Arbeit erschweren und seien etwas unangenehm. Trotzdem herrscht gute Stimmung im Salon: „Alle sind gut gelaunt. Wir sind einfach glücklich, dass wir wieder an die Arbeit gehen können.“ Bis Ende Mai sind bereits alle Termine vergeben.

Für die nächsten drei Wochen komplett ausgebucht ist auch der Friseursalon von Julia Hirzl. „Ich bin seit 8 Uhr morgen fast ständig am Telefon“, sagt die Inhaberin vom Salon Gienger in Backnang. Einen spontanen Termin gibt es hier nur dann, wenn Kunden absagen. „Sonst konnten zumindest Männer ohne Termin kommen, jetzt müssen eben auch sie zwei bis drei Wochen warten. Da waren einige heute überrascht.“ Doch nur sehr vereinzelt reagieren die Kunden negativ auf die Veränderungen, die meisten würden verstehen, dass es in der momentanen Situation nicht anders geht. „Außerdem geht es ja auch um deren eigene Sicherheit“, sagt Hirzl. Die Sicherheitsmaßnahmen haben auch hier den Arbeitsalltag verändert: mehr Platz zwischen den Stühlen, weniger Angestellte im Raum, kein Wartebereich im Inneren, das dauerhafte Tragen der Masken und das Putzen nach jedem Kunden sowie das häufige Waschen von Umhängen. „Vor dem ständigen Maskentragen hatten wir zunächst etwas Bammel, aber man gewöhnt sich doch sehr schnell daran.“

Hirzl betont vor allem, wie verständnisvoll die Kunden auf die Veränderungen reagiert haben. Auch darauf, dass sie die Preise aufgrund des Mehraufwands etwas erhöhen mussten. „Manche unserer Kunden rufen sogar an, um nachzufragen, wie es uns nun gesundheitlich und allgemein geht. Das freut uns natürlich, da merkt man einfach, dass auch eine Verbundenheit da.“

Für das Team von Istanbul Friseur in Backnang war vor allem die Terminregelung neu. „Wir haben eigentlich fast nur Laufkundschaft“, erzählt Inhaberin Cilem Yilmaz. „Erst dachten wir, dass uns das Arbeiten nach Terminen unter Druck setzen könnte, aber eigentlich ist es so fast entspannter.“ Sie könnten sich außerdem die gute Lage in der Stadtmitte zunutze machen. Da keine Kunden mehr im Salon warten dürfen und sich keine Schlangen bilden sollen, sei die Nähe zur Eisdiele und andere Einkaufsmöglichkeiten von Vorteil.

Auch bei ihnen stand das Telefon nicht still, Termine sind für die nächsten drei Wochen ausgebucht. Vor allem Männer seien in den ersten beiden Tagen nach der Wiedereröffnung gekommen, berichtet Yilmaz. Diesen Ansturm hat das Team am ersten Tag der Öffnung unterschätzt. Bis nach 9 Uhr abends hatte der Salon noch geöffnet, um alle Kunden zu versorgen. „Das wollen wir eigentlich vermeiden und waren deshalb heute schon um 8 Uhr statt um 10 Uhr da“, sagt Yilmaz. „Wir sind sehr erleichtert und hoffen auch, dass wir weiter so arbeiten können. Auch wenn manches schon fehlt.“ Denn für gewöhnlich buchen viele ihrer Kunden eine Gesichtspflege, Bartpflege oder Richten der Augenbrauen zu ihrem Haarschnitt dazu. Das alles ist nun aber verboten. Die meisten Kunden würden sich an die Vorschriften halten, nur vereinzelt gebe es Probleme, berichtet Yilmaz: „Aber das sind eben die Vorgaben. Und allgemein freuen sich alle wieder auf den Haarschnitt.“

Nur noch jeder zweite Stuhl darf besetzt werden.

© Jörg Fiedler

Nur noch jeder zweite Stuhl darf besetzt werden.

Info

Termin nur noch nach Vereinbarung möglich. Spontanes Haareschneiden gibt es zunächst nicht mehr, ein Kunde darf das Geschäft nur mit einem online oder telefonisch vereinbartem Termin betreten.

Der Wartebereich für Kunden in den Salons ist abgeschafft, auch gibt es keine Zeitungen und Getränke. Stattdessen muss es Hygienestationen im Eingangsbereich geben.

Begleitpersonen sind nicht erlaubt – ausgenommen sind kleine Kinder, die auf Betreuung angewiesen sind.

Die Beschäftigten sollen medizinische Mund-Nase-Schutzmasken tragen, die sie nach jedem Kunden wechseln. Für Kunden reichen Alltagsmasken.

Der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen allen im Salon anwesenden Personen darf nur während der Friseurbehandlung verringert werden.

Wenn der Friseur die Seiten schneiden muss, soll der Kunde die Maske mit der Hand auf Mund und Nase halten, während er die Ohren freimacht.

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Erstellt:
6. Mai 2020, 06:00 Uhr

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